EZB-Chefökonom: Vier Prozent Inflation kaum vorstellbar

20.01.2013 | 10:02 |   (DiePresse.com)

Goldman Sachs hält die EZB-Geldpolitik für zu locker und rechnet mit einem rasanten Anstieg der Teuerung. Peter Praet widerspricht den Analysten.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) ist Sorgen vor einem kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise entgegengetreten. Vier Prozent Inflation im Jahr 2014 sei kaum vorstellbar, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir haben ein klares Mandat, das lautet Preisstabilität", fügte der Geldpolitiker hinzu. "Das heißt für mich persönlich: Ich habe ein Mandat unterschrieben, und daran halte ich mich." Kritiker wie die US-Investmentbank Goldman Sachs halten die Geldpolitik der EZB für zu locker und rechnen mit einem Anstieg der Teuerungsrate in Deutschland auf bis zu fünf Prozent. Andere Experten stellen sich mittelfristig sogar auf Inflationsraten von fünf oder sechs Prozent ein ("DiePresse.com" berichtete).

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Leitzinsen auf Rekordtief

Die EZB hat ihren Leitzins wegen der Rezession in vielen Euro-Ländern auf das Rekordtief von 0,75 Prozent gesenkt und Hunderte Milliarden Euro durch den Kauf von Staatsanleihen in die Wirtschaft gepumpt. Goldman Sachs sieht darin die Gefahr einer Überhitzung der deutschen Konjunktur. 2012 zogen die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,0 Prozent an, für dieses Jahr sagt die Bundesbank 1,5 Prozent voraus. Die EZB spricht bei Werten von knapp zwei Prozent von Preisstabilität. Sie geht davon aus, dass die Inflation dieses Jahr auch in der Euro-Zone wieder unter diese magische Grenze sinken wird, nachdem sie im November und Dezember mit 2,2 Prozent etwas darüber lag.

Im Ringen um eine Lösung der Euro-Krise forderte Praet die Regierungen auf, Konstruktionsfehler der Wirtschafts- und Währungsunion beheben. Nötig seien weitere Strukturreformen. "Die EZB hat ihre Rolle gespielt", sagte Praet. "Dadurch wurde Zeit gewonnen. Aber das ist nicht genug."

(APA/Reuters)

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28 Kommentare
 
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Gleichzeitig zur enormen Geldmengenausweitung

läuft eben eine private Deleverage; also ein privater Schuldenabbau. Das verhindert eine hohe Teuerung in den Konsumgütern.

Tatsächlich sind vier Prozent Inflation nicht vorstellbar ...

... wenn sie doch schon 20 und mehr Prozent ausmacht (Inflation = Ausweitung der Geldmenge) und der einhergehende Kaufkraftverlust (= das, was wir spüren, wenn wir einkaufen wollen) bereits mit mehr als 10-25 % (je nach persönlichem Warenkorb) anzusetzen ist. Nein, bis wir wieder vier Prozent Inflation haben, wird noch viel Wasser die Donau hinabfließen.

Berühmte letzte Worte ...

"Ökonom ist die Bezeichnung für diejenigen Menschen unserer Gesellschaft, die mit dem Thema Geld am wenigsten anfangen können. Die Ökonomen glauben vielmehr an einen ganz anderen Gott, an den Gott des Realen, des Nicht-Geldlichen. Und dieser Gott verweigert ihnen das Geld. Er sagt: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Und folglich spielt in allen ökonomischen Modellen das Geld keine Rolle. Hier ist Geld nicht knapp, hier ist es mithin völlig egal, ob wir uns ein einer Geldwirtschaft befinden oder ob wir Naturalien gegeneinander tauschen. Alles funktioniert in dieser Welt völlig identisch, ob nun Geld existiert oder nicht." Bernd Niquet: Die Romantik der Finanzmärkte

in Europa will man noch

rhetorisch dagegenhalten und so tun als ob man keine Inflation wolle, obwohl jeder weiss, dass genau dies gewünscht wird - in Japan will man sogar aktiv Inflation schaffen - am Ende hat jeder verloren!

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Re: in Europa will man noch

In Japan sind sie schon fast am Ende angelangt. Denn wenn dort die Zinsen nur geringfügig steigen, dann ist Japan endgültig pleite.

"Kalte Progression"

Klar ist diese Variante der Umschuldung von Staat auf Bürger Plan.

Re: "Kalte Progression"

Da die Bürger den Staat bilden sind sie sowieso an den Schulden beteiligt ....

Dass die EZB lügt, dass sich die Balken biegen, merkt doch schon jeder!

Die Wirtschaft der europäischen Südländer ist so aufgebaut, dass sie ohne regelmäßige Währungsabwertung nicht überleben kann, was aber durch den Euro für alle unmöglich gemacht wurde. Deshalb ist die einzige Rettung dieser Staaten vor dem Konkurs eine kräftige Inflation.

Da Malta oder Cypern in der EU das gleiche Gewicht haben, wie z. B. Deutschland oder Großbritannien, haben die Südländer eine erdrückende Mehrheit, mit der sie sich über die Gründungsverträge der EU spielend hinwegsetzen können.

Um die Inflation, die sie brauchen, herbeizuführen, haben sie zunächst die Bail-Out-Klausel außer Kraft gesetzt. So wird Griechenland jetzt mit frisch erzeugtem Geld von der EZB ständig künstlich am Leben erhalten, was nur deshalb bisher noch nicht zu Inflation geführt hat, weil Deutschland, wo die Masse dieses Geldes landet, den gefährlichen Geldüberschuss bis jetzt in der Einlagenfazilität der EZB - die nicht dafür geschaffen wurde - geparkt hat. Dass diese Riesensummen zu Inflation führen müssen, wenn sie von dort früher oder später losgeeist werden, darauf hat Hans-Werner Sinn schon deutlich hingewiesen!

Mit Mario Draghi haben die Südländer nun endgültig die Macht in der EZB übernommen. Er hat schon mitgeteilt, dass er den Geldregen, der sich bis jetzt nur über Griechenland ergossen hat, wenn nötig unbeschränkt ausweiten wird.

Das kann mit nichts aufgefangen werden, dann kommt endlich die vom Süden lang ersehnte, rettende, für uns katastrophale galoppierende Inflation!

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Hohe Inflation,

haben wir Normalösterreicher doch längst, ein 5er Euro ist gefühlsmäßig so viel wert wie früher der 20er Schilling.

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Re: Hohe Inflation,

Kommt darauf an, wann. Vor 50 Jahren hatte ein einfacher Golddukaten knapp 100 Schilling gekostet; heute ca. 130 Euro.

Die Inflation seither liegt bei etwa 6% durchschnittlich pro Jahr.

Re: Hohe Inflation,

Das ist zuwenig.

Beispiel ?

Mein 2002 gekauftes Auto kostete 25.000,-
Heute will der Händler für das selbe Modell an die 40.000.

Macht auf 10 Jahre ca. 5% Inflation.

Das ist aber noch harmlos, in anderen Bereichen beträgt die Inflation eher jenseits der 10% (mein Warenkorb = ca. 8%/anno)

Da müsste man in Relation zum Gehalt 2002 schon mehr als einen Tausender mehr im Monat nach Hause bringen um die gleiche Kaufkraft zu haben.

Also mir ist es trotz überdurchschnittlicher Steigerungen nicht gelungen diese Verluste auszugleichen und ich verdiene heute real weniger als 2002.

Tja, wird wohl nix mit dem Neuwagen, ich denke anderweitig ist die angesparte Kohle eh besser angelegt.


Re: Re: Hohe Inflation,

"...Da müsste man in Relation zum Gehalt 2002 schon mehr als einen Tausender mehr im Monat nach Hause bringen um die gleiche Kaufkraft zu haben."
Netto! auf Grund der nichtdynamisierten Abgaben heißt das, dass die Lohnkosten des Arbeitgebers um mindestens 2500 Euro höher liegen müssen. Und das verkraftet kein Marktpreis: Unverkäuflich. Und da liegt das wirkliche Problem!

Re: Re: Re: Hohe Inflation,

Korrekt .. Netto versteht sich.

Viel bedenklicher ist doch folgendes.

Ich kann mir heute schon ausrechnen in wie vielen Jahren meine Lebenshaltungskosten meine Einnahmen übersteigen werden, sozusagen mein "frei verfügbares Einkommen" negativ wird und ich "die Substanz" angreifen muss.

Ich bin Single und sparsam und kann das wesentlich länger aussitzen als die meisten Familienväter.

Was machen die ?

Wie soll dieses Problem aufgelöst werden ?

"Downsizing" geht ja auch nur in gewissem Rahmen dann sind auch die dortigen Einsparungsmöglichkeiten ausgeschöpft.

Und dann ?

Aber wir dürfen über den Wehrdienst abstimmen.. und Nacht U-Bahnen ... ohne ernsthafte Probleme auch nur anzusprechen.

Bin ich deppert das ich hier ein gravierendes Problem der Zukunft sehe ?


Re: Re: Re: Re: Hohe Inflation,

Nein, bestenfalls sind wir beide deppert; aber das gibt sich mit zunehmenden Alter :-)
Nur: scheinbar sind die Linken (und links ist die ganze GROKO) nicht einsichtig, und unbelehrbar. Selbst wenn sie bis weit über dem Kopf in der dampfenden Kacke stecken, bleiben sie bei ihrer Ideologie. Schon fast bewundernswert "fundamental-religiös"....

Re: Re: Hohe Inflation,

Dass die "gefühlte", also die wirkliche Inflation weit höher ist als der manipulierte Anstieg des Verbraucherpreisindex, hat ja schon jeder bemerkt. Aber Ihr Auto ist ein ganz schlechtes Beispiel! Ein Auto von 2002 ist mit einem heutigen, mit teurer Elektronik vollgestopftem, überhaupt nicht vergleichbar, auch wenn das Modell noch immer den gleichen Namen hat!

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Re: Re: Re: Hohe Inflation,

Die Elektronik ist doch heute sehr erheblich billiger als früher. Ihre Logik ist realitätsfremd.

Re: Re: Re: Hohe Inflation,

Fährt wettergeschützt von A nach B, hat Heizung und Klima sowie 5 Sitzplätze und einen Kofferraum.

Hmmm.

Die verbaute Elektronik ist kein Argument, das Zeug kostet noch nicht einmal etwas wenn sie in Österreich fertigen lassen, von den Stückzahlen der Kfz-Zulieferer ganz zu schweigen.

Ganz im Gegenteil, was früher eine aufwändige Komfortfunktion mit Schaltern, Relais und Kabeln war ist heute Code + ein Eintrag im Menü des Bedienungssystems sowie einer 5-Cent Platine am Bussystem.

Anstatt dutzender beleuchteter Taster wollen die Hersteller heute eh nur mehr einen Dreh-Kipp-Drück-Zieh-Rührknopf einbauen und man darf sich durch 3 Menüs arbeiten um triviale Funktionen zu bedienen. Und genau dann kommt man an die Kreuzung und würde gerne wissen ob man jetzt links oder rechts abbiegen soll.

Das ist doch kein Fortschritt.

Touchscreen-TFt etc. sind maximal im zweistelligem Euro-Bereich angesiedelt .. aber wehe das Command wird mal aus dem Auto gefladert und man sieht den Preis den der Hersteller dafür haben will...

Auch Blech und Plaste scheinen eher grindiger, pardon "materialtechnisch auf Leichtbau optimiert" geworden zu sein.

Fazit:

Mehr "Schein" und weniger "Substanz" für erheblich mehr Geld, einfach mal an den Türgriffen eines höherwertigen Autos BJ 1994 und BJ 2012 rütteln und man sieht den Unterschied.

Ich würde eher von Verschlechterungen reden, bei gleicher Qualität müsste der Hersteller wohl eher 60.000 aufrufen.


Re: Re: Re: Re: Hohe Inflation,

Auch hier: volle Zustimmung...
Wir sollten uns auf ein Bier treffen :-)

Absolut vertrauenswürdig

Wenn eine Zunft Vertrauen genießt, dann die der Volkswirte. Hat doch bisher jede Prognose gehalten. Und wenn Herr Praets das sagt, dann gilt das" quasi in Stein gemeißelt".Gegen diese "Experten" sind ja Handleser bzw. Kartenleger klar im Nachteil. Sie haben ja nicht studiert. Aber für sie(die Volkswirte gilt immer noch Goethes Faust: "..und bin so klug als wie zuvor". Nur ,dieser Herr steht gegen eine Majorität der Schuldenbeuteln im EZB Rat der Eurozone und die haben das Sagen. Siehe zB die ELA. Vorgesehen war die ELA nur vorübergehend und bei Liquiditätsengpässen. Jetzt wird Griechenland damit finanziert und zwar gleich der Staat selber-die Banken agieren nur als Durchreicher von Zentralbankgeld an Griechenland. Ob die PIIGS einer Zinsanhebung zustimmen, wenn die Schulden aus dem früheren ökonomischen Lotterleben drücken? Und überhaupt sind vier % Inflation nicht vorstellbar. Es war auch früher nicht vorstellbar, daß die Regeln des Maastrichtvertrages, insbesondere die non bail out Klausel, schamlos gebrochen werden. Und doch ist es passiert. Als ob sich eine Gemeinschaft von Rechtsbrechern um das Mandat der EZB scheren.

dann gilt das" quasi in Stein gemeißelt"

so wie beim Darabos?

Die Wahrheit ist, daß alle Politiker- ausnahmslos- mit der hohen Inflationsrate rechnen, um die Schulden abzubauen. Im Klartext bedeutet das die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten.


Goldman Sachs

ist ja nicht gerade das Institut, welchem Europäer das größte Vertrauen entgegenbringen. Aber das ist in dem Fall sekundär, da die EZB allen Anmerkungen, unabhängig von welcher Seite widersprechen würde, welche etwas anderes sagt, als das was sie offiziell hören will.

Das jedoch eine so gravierend erhöhte Geldmenge eine höhere Inflation hervorrufen wird, zeigen alle bisherigen Erfahrungen in solchen Fällen.

Das die EZB hier erstmalig in der Menscheitsgeschichte "geldpolitische Naturgesetze" bezwingen wird muss sie daher erst beweisen. Bis zum Zeitpunkt der tatsächlichen Herausnahme der Abermilliarden aus dem Geldkreislauf, sollte es denn tatsächlich gelingen, sind daher solche Aussagen nichts anderes als zweifelhaft.

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stimmt -

4 % ist nicht vorstellbar, da ja schon Realität.

EZB-Chefökonom: Vier Prozent Inflation kaum vorstellbar...


....genau lesen.

4% ist vorstellbar, "kaum" ist eine subjektive Einschätzung oder einfach Beschwichtigung.

Beschwichtigen und mittels Inflation die ganze Bankenrettung finanzieren ist die Strategie der EZB.

Wer´s nicht glaubt, soll auf den Osterhasen warten.

Zwei Warenkörben

Es gibt offiziell einen Warenkorb, mit dem die Volkswirten und Statistiker herum rechnen. Es gibt aber einen anderen Warenkorb, mit dem das Volk, Niedrigeinkommenbezieher, Mindestpensionbezieher, Arbeitssuchende tagtäglich zu tun, sogar zu kämpfen haben. Die Inflation des zweiten Warenkorbes ist vielmehr höher. Weil kleine Leute nicht Hightech, Flugticket, Pc jeden Tag kaufen.

Re: Zwei Warenkörben

Stimmt, brauch nur meine geliebten Chips hernehmen,heute ca.1,99 und vor ca.1 Jahr 1,39. Mit 4% bin ich ja noch gut dabei. ggggg

 
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