Athen droht streikenden U-Bahnfahrern mit Gefängnis

Seit acht Tagen versinkt Athen im Verkehrschaos, weil die U-Bahnfahrer streiken. Die griechische Regierung hat sie nun zur Arbeit verpflichtet.

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Acht Tage lang war die Athener U-Bahn nicht im Betrieb – AP

Seit Tagen versinkt Athen aufgrund eines Streiks der U-Bahnfahrer im Verkehrschaos: Die Einwohner versuchen, sich in völlig überfüllte Busse zu quetschen oder machen sich zu Fuß auf den Weg. Händler im Zentrum von Athen klagen, sie würden ruiniert, weil die Kunden ausblieben. Die Regierung hat sich nachacht Tagen Streik nun entschlossen, die U-Bahnfahrer zum Dienst zu verpflichten. Die öffentlichen Angestellten müssen nun zur Arbeit zurückkehren, oder sie wandern ins Gefängnis, berichtete die Zeitung "Kathimerini". Ähnliche Zwangsmaßnahmen waren in den Vorjahren bereits gegen Straßenreinigungskräfte und Fernfahrer angewendet worden.

Dutzende Gewerkschaft haben sich am Donnerstag in der Zentralbahnhofsgarage der U-Bahn versammelt und verbarrikadiert. Die Gewerkschaft zeigte sich empört: "Es ist eine Junta. Die werden uns hier tot rausholen", sagte der Chef der U-Bahnfahrer, Antonis Stamatopoulos, im Fernsehen.

"Ein Putsch gegen die Verfassung"

Unmittelbar nach der Entscheidung der Regierung sagten mehrere Abgeordnete der oppositionellen Linksbündnisses Syriza den Streikenden ihre Unterstützung zu. "Es ist ein Putsch gegen die Verfassung", sagte der Abgeordnete der Linksradikalen, Dimitris Stratoulis. Die Gewerkschaften der Bus- und Straßenbahnfahrer kündigte aus Solidarität einen Streik für Donnerstagnachmittag und Freitag an.

"Die Gewerkschaft der U-Bahnfahrer wollte eine blindwütige Konfrontation", rechtfertigte sich der griechische Transportminister Kostis Chatzidakis am Donnerstag die Maßnahme im Fernsehen. Ein Arbeitsgericht hatte die Streiks für illegal erklärt hat. Auch Transportminister Chatzidakis kritisierte, dass nicht offen zu gestreikt wird. Von den 1300 Beschäftigten hätten sich am ersten Streiktag, dem 17. Jänner, 790 krankgemeldet oder freigenommen und damit ihren Tageslohn normal kassiert, obwohl sie angeblich streikten.

Lohnkürzungen von bis zu 25 Prozent

Beim aktuellen Sparprogramm der Regierung drohen den U-Bahnfahrern nach Gewerkschaftsangaben Gehaltskürzungen von bis zu 25 Prozent. Bisher gehörten sie zu den privilegierteren Angestellten im öffentlichen Dienst. Die U-Bahnfahrer würden mit den jüngsten Kürzungen nunmehr lediglich etwa 700 Euro monatlich netto verdienen, kritisiert die Gewerkschaft.

(APA/dpa)

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