Berlusconi attackiert Merkel und droht mit Euro-Austritt

Italiens Ex-Premier fordert ein Ende der Sparpolitik in der Euro-Zone. Die südeuropäischen Länder hätten sonst keine andere Wahl als den Austritt.

Former Italian Prime Minister Silvio Berlusconi gestures during a news conference at the headquarter of PDL in Rome
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Former Italian Prime Minister Silvio Berlusconi gestures during a news conference at the headquarter of PDL in Rome
REUTERS

Drei Wochen vor den Parlamentswahlen fährt der italienische Ex-Premier Silvio Berlusconi schwere Geschütze auf. Er übte heftige Kritik an der deutschen Kanzlerin Angela Merkel: Setze die deutsche Regierung weiterhin auf die Sparpolitik in der Eurozone, sehe er nur einen einzigen Ausweg: Den Austritt aus dem Euro. "Schluss mit der Austerität, ansonsten werden Italien und die anderen Länder schrittweise aus dem Euro-Raum austreten und wieder ihre nationalen Währungen einführen müssen", drohte Berlusconi bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Mehr Macht für EZB gefordert

Ein strenger Sparkurs sei nur in Zeiten des Wachstums sinnvoll, sonst würde er nur eine Rezession verursachen, sagte der Chef der Mitte-Rechts-Partei PDL laut der Tageszeitung "La Repubblica". Berlusconi plädierte außerdem dafür, der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr Macht zu verleihen - ähnlich wie der US-Notenbank Fed.

Pierluigi Bersani, Chef der Mittel-Links-Partei PD, reagierte prompt auf Berlusconis Aussagen: "Hätten wir unsere Hausaufgaben gemacht, könnte uns Deutschland auch keine Vorwürfe machen", so Bersani. Berlusconi selbst habe als Premier Italien in die jetzige schwierigen Situation gebracht. Er habe deshalb auch kein Recht, sich zu beschweren.

"Habe exzellente Beziehungen zu Obama"

Berlusconi klagte indes darüber, dass in Europa charismatische Persönlichkeiten - wie Frankreichs Ex-Präsidenten Francois Mitterand und Charles de Gaulle - fehlen würden. "Heute gibt es in Europa zu viele Bürokraten", sagte Berlusconi. Er bestritt, dass sein Ansehen auf dem internationalen Parkett angekratzt sei. "Ich bin mit vielen europäischen Politikern befreundet und habe auch exzellente Beziehungen zu US-Präsidenten Barack Obama", versicherte Berlusconi.

(Red./APA)

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