Portugal: "Kauft einheimische Waren"

03.02.2013 | 18:36 |  Von unserem Korrespondenten RALPH SCHULZE (Die Presse)

Die Rechnung ist einfach: Mehr Umsatz für die heimische Wirtschaft bedeutet Wachstum und vor allem Arbeitsplätze.

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Lissabon. Anti-Krisen-Rezepte können so einfach sein. Portugals konservative Regierung zeigt, wie es geht: „Portugal bin ich“, lautet eine neue Kampagne, mit der die elf Millionen Portugiesen aufgefordert werden, im Supermarkt und in anderen Geschäften künftig möglichst heimische Produkte in den Einkaufswagen zu legen. Kabeljau, Käse, Olivenöl, Wein, auch Leder- und Textilwaren gehören zu den typisch portugiesischen Erzeugnissen, die sogar erfolgreich ins Ausland exportiert werden.

Die Rechnung ist einfach: Mehr Umsatz für die heimische Wirtschaft bedeutet Wachstum und vor allem Arbeitsplätze. Dies hat das südeuropäische Krisenland am Atlantik auch bitter nötig: Die Wirtschaftsleistung sackte 2012 um rund drei Prozent ab, 2013 dürfte es noch weiter abwärts gehen. Inzwischen sind mehr als 16 Prozent der aktiven Bevölkerung ohne Job, insgesamt rund 800.000 Menschen – das sind so viele wie noch nie zuvor.

Und der Staat sitzt auf einem gigantischen Schuldenberg, der schon vor knapp zwei Jahren dafür gesorgt hat, dass Portugal unter den Euro-Rettungsschirm flüchten musste, um der Pleite zu entgehen. Inzwischen summieren sich die staatlichen Gesamtschulden auf mehr als 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIPs). Innerhalb der EU sind nur Griechenland und Italien noch stärker verschuldet. Seit dem Frühjahr 2011 hält sich Portugal mit einem internationalen Notkredit in Höhe von 78 Milliarden Euro über Wasser.

 

Defizit seit 2010 halbiert

Immerhin schaffte es der konservative Ministerpräsident Pedro Passos Coelho, die Neuverschuldung radikal zu verringern. Für 2012 wird nur noch ein Haushaltsdefizit von rund fünf Prozent des BIPs erwartet, 2010 war es noch fast doppelt so hoch. Erstmals konnte Lissabon in diesen Tagen wieder auf dem internationalen Finanzmarkt Staatsanleihen platzieren, die sogar bei den Investoren auf große Nachfrage stießen. Ein Signal, dass Portugal auf gutem Weg ist, Vertrauen zurückzugewinnen. Der Staat wird deswegen auch von der EU als Reform-Musterschüler gefeiert, der wie kein anderes europäisches Krisenland alle Vorgaben Brüssels erfüllt.

Doch der Preis für diesen Sparerfolg ist hoch: Kürzungen bei Schulen, Gesundheitsversorgung und sozialen Leistungen sowie üppige Steuerhöhungen machen den portugiesischen Familien immer mehr zu schaffen. Dabei ist Portugal schon das ärmste Land der „alten“ EU – mit mittleren Einkommen von kaum mehr als 1000 Euro. Gerade erst gingen in Lissabon tausende Lehrer auf die Straße und warfen der Regierung vor, mit immer mehr Streichungen in der Bildungspolitik die Zukunft der Jugend „kaputtzusparen“. An den Schulen soll daher eine „Trauerwoche“ ausgerufen werden.

Die Zeiten für die Portugiesen dürften noch härter werden, wenn Passo Coelho mit seinen Plänen Ernst macht und die Spar- und Steuerschraube in den nächsten Monaten einmal mehr anzieht. Zuvor wird jedoch noch das portugiesische Verfassungsgericht darüber beraten müssen: Angesichts der wachsenden sozialen Spannungen im Land hat Staatspräsident Anibal Cavaco Silva den Haushalt 2013, in dem die neuen Einsparungen enthalten sind, den Verfassungsrichtern vorgelegt. Denn laut Aussagen von Cavaco Silva bestünden Zweifel daran, dass die Lasten des neuen Sparetats auf alle Bevölkerungsgruppen gleichmäßig verteilt seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

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25 Kommentare
 
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Das der alte Kreisky Spruch

Noch einmal zu Ehren kommt !!
"""""Kauft Österreichische Qualitätswaren """"""""
Es war einmal.
Heute:
Wo gibt es die und wo ????????

Die ehemalige Kolonie Angola

kauft sich Portugal, nur falls es wer verpasst hat

; )

wer's nicht glaubt

kann es hier nachlesen:

www.ftd.de/politik/europa/:portugal-und-angola-kolonie-kauft-kolonialherren/60131933.html

Erinnert mich,...



zu der beliebten Vorabend Fernsehshow " Made in Austria" ,- Günter Tolar,- ......

130 Folgen a' 30 Minuten. Immer Donnerstags um 18:30. Österreichischer Konsumpatriotismus.

Kaum waren wir in der "Europäischen Union" war die Sendung vom Fenster,.....

Tja...es lebe die Freiheit der Gebührenzahler,...

Re: Erinnert mich,...

Dem Großteil der Österreicher ist das gar nicht aufgefallen sie wollen eben GLOBAL und modern sein ,daher lieben sie die Einheitstextilien der Großketten genauso wie die Lebensmittel (Futtermittel) von REWE ,SPAR usw.
Was Qualität ist wissen die schon lange nicht mehr.
Wer nicht weis wie eine richtige Tomate,Gurke,Kartoffel schmecken muß kann auch nicht vergleichen.

Natürlich wäre

das eine kluge Strategie auch für Österreich.

Dem entgegen steht allerdings, dass viele österreichische Familien nicht genug Einkommen haben und sich viele, die meist wesentlich teureren inländischen Lebensmittel, soferne sie dies überhaupt sind und nicht nur das Etikett aus Österreich stammt, nicht wirklich leisten können.

Trotzdem würde das ein wenig unabhängiger vom Import machen und der inländischen Wirtschaft Auftrieb geben.

Re: Natürlich wäre

Wenn die Zeit der Kartoffelernte da ist,muß der Bauer froh sein wenn sie der Großhändler kauft (der meint die Lager sind voll ) ansonst kann er sie einackern.Ebenso mit Radischen;Karotten usw.
Wenn sie Zeit haben und die Tatsachen sehen wollen besuchen sie doch einmal im Bgld die Gegend zwischen Halbthurn ,Taden;Wallern (sind nur Radwege) da riechen sie das faulende Gemüse (zu Bergen getürmt schon von weitem.

Re: Natürlich wäre

a bissal schwierig wirds bei reis, bananen, mangos, litschis, u.a. lebensmitteln, die bei uns mal nicht wachsen.

ähnliches in anderen produktbereichen, kein telefon, kein auto ind die allerwenigsten gebrauchsgegenstände kommen aus österreich.

oder wollen sie, dass es uns so geht wie den kubanern?

Re: Re: Natürlich wäre

Ein Wunder dass die Österreicher vor 50 Jahren ohne Mango,Lytschis überlebt haben Bananen;Orangen gabs nur kurz vor Weihnachten.


Unser Beitrag

Und an die österreichischen Urlauber könnte man appelieren: vergewissert euch, dass der Quartiergeber Steuern bezahlt.

Re: Unser Beitrag

So weit kommt es noch!
Das ist die archetypische Ansicht eines jener unguten Lemuren die vor dem Frühstück leichtfüßig an den pool eilen um mit Handtüchern die Liegen zu besetzen, diese nie benutzen aber sich beim Frühstückbuffet die Semmeln, Obst, Wurst und Käse einstecken um ohne Zusatzausgaben gratis über den ganzen Tag zu kommen. Und sich über spielende Kinder entrüsten.
Blockwartdenke halt - igitt!

Re: Unser Beitrag

Das ist aber nicht Aufgabe des Touristen, sondern der jeweiligen Steuerfahnder.


Re: Re: Unser Beitrag

Sie dürfen ein Leben lang auf die Seite schauen und sagen: das ist nicht meine Aufgabe.

Ich war schon in Portugal und kenne viele Probleme.

Re: Re: Re: Unser Beitrag

Na gut, dann stellen Sie halt beim nächsten Mal Ihren Quartiergeber dort zur Rede, wenn Sie entdecken, dass er Steuern hinterzieht und berichten Sie uns von dieser Konfrontation.

Ich bleibe jedenfalls bei meiner Meinung: Touristen sind weder Reservesteuerfahnder, noch Anstandswauwaus oder Möchtegernblockwarte. Sie sind dort Gäste im Land und zahlen Geld dafür. Was der Quartiergeber mit diesem Geld macht ist seine Sache und die der Behörden seines Landes.

Es wird nicht lange dauern

Und die EU wird diese Tendenzen verbieten.

Einfach clever die Portugiesen

nur schade, das wir unsere Arbeitsplätze alle "exportiert" haben und jetzt außer links voreingestellten, auf Aussaugen von Leistungsträgern konditionierte, funktionalen Analphabeten die unseren Schulen entwachsen auch in der Informationsgesellschaft nichts mehr zu melden haben. Österreich hat von allen schlechten Varianten alle zusammen genommen.

Re: Einfach clever die Portugiesen

Auch der Obersozi Androsch baut seine Produktionstätten lieber in China.
Dafür starte er dann eine Bildungsoffensive hat dabei aber ganz vergessen ,dass nicht in China produziert wegen dem hohen Bildungsniveau sondern der niederen Kosten wegen.

"Kauft einheimische Waren"

nur wer so handelt wird überleben.
Produktion bring Arbeitskräfte die die Ware kaufen können die sie selbst hergestellt haben.
Das ist Kybernetik nach einer alten Definition, eines Wirtschaftssystem.
Schon lange vergessen aber es ist die einfachste Lösung.
Bereits Homer - Platon in der Antike aber auch die Wissenschaft hat diesen Begriff für sich verwendet.
Wenn diese Kreisläufe eine Unterbrechung haben oder durch äußere Einflüsse zerstört werden, wird das gesammte System in Mitleidenschaft gezogen.
Es ist ein System vorstellbar wie ein Getriebe mit kleinen und großen Zahnrädern die alle ineinader greifen, bricht jedoch ein einziger Zahn an einer exponierten Stelle, fällt das gesamte Getriebe aus.

Die Portugiesen sind absolut auf dem richtigen Weg.


....sollte auch für uns gelten...

....bisl patriotismus könnte uns Österreichern auch nicht schaden,es geht ja gehörig aufwärts mit uns...ein herzliches Danke an die fähige Politik!!

Ja, sehr fähige Politiker

http://oesterreich.orf.at/stories/2569658/

Die Arbeitslosenzahlen steigen an-aber Hauptsache, man hat den Schutz des österr. Arbeitsmarktes zugunsten ausländischer Arbeitskräfte aufgegeben.
Und auch wenn es eine EU-Anordnung war-unsere Politiker könnten auch einmal ein Veto in der EU einlegen-das tun sie aber nicht, weil sie dann ihre eigegen Jobs im Elfenbeinturm gefährden, wenn sie bei uns ausgemustert werden.

"Kauft einheimische Waren"

Bayr.Emmentaler pro Kilo 5€, inl.Emmentaler pro Kilo 10€ beim Diskonter.
Als Niedriglohnverdiener werde ich welchen kaufen?

Re: "Kauft einheimische Waren"

Verkauf das Auto geh zu Fuß ,dann geht sich der inländische Emmentaler aus die Wampe ist weg und gesund ist Bewegung alle mal.
Übrigens echter österreichischen Almkäse kommt nie in den Supermarkt oder ins Fachgeschäft ,da reserviert man sich schon im Sommer einen 5kg Laib und holt ihn im Herbst im Tal ab.
Der schmeckt auch kostet aber auch zwischen 15 -20 € kg.
Das wichtigste für seinen Körper Qualität der Nahrungsmittel und sehr gutes Schuhwerk !!!!

Re: "Kauft einheimische Waren"

Friss die Haelfte und kauf den Einheimischen!

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der ausverkauf von zigtausenden europäischen betrieben u die auslagerung von mio arbeitsplätze weg von europa, war doch nicht das gelbe vom ei.

produkte nur aus dem eigenen land kaufen? jahrzehnte wurde der totale ausverkauf der europäischen arbeitsplätze in billigländer,wie china forciert. nun kommt man drauf, dass auch die eigene bevölkerung arbeitsplätze braucht und diese auslagerung von mio. arbeitsplätze den sozialen frieden in europa gefährdet. dir banken, multikonzerne, globalisierungs- u.wachstumsgewinner werden aber diese rückbesinnung auf regionale arbeistplätze und firmen daher nicht zulassen.

Das wird der IG Brachialglobalisierung,

auch als EU bekannt, aber gar nicht gefallen.

 
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