Eurokrise: Griechen! Raucht nicht, produziert!

05.02.2013 | 18:19 |   (Die Presse)

Während sich Irland, Spanien oder Portugal mit Exporten aus der Krise hieven, bleibt Griechenland zurück. Das Land wurde zwar billiger, aber nicht produktiver.

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Wien/Auer. An guten Tipps mangelt es Griechenland nicht. Und an schlechten schon gar nicht: Um die Wirtschaft des Landes wieder auf Trab zu bringen, sollen die Griechen aufhören, Zigaretten zu rauchen, forderte etwa der maltesische EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg kurz vor seiner Stippvisite in Athen. 40 Prozent der griechischen Bevölkerung greifen zum Glimmstängel, und das „senkt die Produktivität und schadet der Volkswirtschaft“, so Borg.

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Ein Viertel weniger BIP als 2008

Ganz ernst gemeint kann die Empfehlung wohl nicht gewesen sein. Denn mit gesunden Lungen allein wird die griechische Wirtschaft sicher nicht genesen. Der Optimismus, den etwa Nationalbankchef Giorgos Provopoulos verbreitet, ist aber mindestens ebenso unangebracht. „Das Schlimmste ist vorüber“, verkündete er Ende Jänner. Viele Ökonomen hat er mit dieser Einschätzung nicht auf seiner Seite. „Griechenland ist nicht über den Berg“, schreibt etwa Wifo-Chef Karl Aiginger in einem aktuellen Arbeitspapier über das hoch verschuldete Mittelmeerland. Im Gegenteil: Der Aufholprozess der vergangenen Jahre habe sich sogar umgekehrt. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die Ratingagentur Standard & Poor's in ihrem jüngsten Bericht. Während es europäische Krisenländer wie Irland, Spanien oder Portugal etwa geschafft hätten, sich mit Exporten langsam aus der Talsohle zu hieven, hinke Griechenland demnach weit hinterher.

Zwar hat sich Athen bemüht, etwa die Lohnstückkosten wieder unter den europäischen Durchschnitt zu senken. Allein im Vorjahr fielen die Lohnstückkosten um neun Prozent. Doch wirklich wettbewerbsfähiger ist das Land dadurch nicht geworden. Denn erreicht wurde die Senkung der Arbeitskosten durch Massenentlassungen und eine Kürzung der Mindestlöhne um 22 Prozent. An der seit Jahren stagnierenden Produktivität hat sich hingegen nichts geändert. Heuer wird das Land ein knappes Viertel weniger Wirtschaftsleistung erzielen als 2008, errechnet das Wifo.

Wifo fordert Kurswechsel

Ohne Kurswechsel in der Konsolidierungspolitik und ohne stärkere Investitionshilfen und Direktinvestitionen wird sich daran nicht viel ändern, so Aiginger: „Es ist ineffizient, finanzielle Unterstützung über Kredite und Haftungen von Staatsanleihen zu geben und gleichzeitig die aktive Komponente der Reformen dadurch zu verhindern, dass Strukturmittel nicht ausgeschöpft werden.“ Nach einer Studie der Harvard University wurden 2012 von den für Griechenland reservierten Mitteln des Europäischen Investitionsfonds 13Mrd. Euro nicht verwendet. Das entspricht drei Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)

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8 Kommentare

Immer wieder Griechenland...

...hier kann nur noch Wien's Parade-Grüne Vassilakou helfen...bitte eilen Sie dorthin und erweisen sich genauso tüchtig, wie hier bei uns in Wien !

Re: Immer wieder Griechenland...

hm.. kommt vermutlich auf den bereitgestellten dienstwagen an, ob sies macht.

Eine Zukunftsperspektive für die Griechen ist das Wichtigste

Ich glaube,dass die Griechen den Turnaround schaffen. Die Merkel will natürlich nur die deutschen und französischen Geldgeberbanken schützen. Das ist vollkommen normal. Griechenland hat viel Potential. Die Menschen sind nicht schlecht. Nur wenn der Fisch vom Kopf stinkt, dann wundert mich nichts mehr. Es waren zwei griechische Familien, die das Land die letzten 30 Jahre regiert haben. Das fördert natürlich die Korruption und die Freunderlwirtschaft. Ich wünsche mir sehnlichst, dass die jetzige Regierung den Aufstiegt schafft. Das hätten sich 99% der Griechen verdient. Ich lebe das halbe Jahr in Griechenland und kenne die Mentalität der Menschen gut.

Alles, was die Eu-Politiker anfassen, geht wegen ihrer bornierten Kurzsichtigkeit schief!

Durch den von der Euroeinführung ausgelösten starken Kapitalzufluss nach Griechenland, der nicht für Investitionen, sondern hauptsächlich für Staatsausgaben verwendet wurde (Keynesianismus!), gab es dort eine Preisexplosion um 50 Prozent.

Zu diesen hohen Preisen kann Griechenland nun kaum noch etwas exportieren, sodass mit dem Absturz der Handelsbilanz auch Arbeitslosigkeit und Verarmung auf ein schauerliches Niveau stiegen!

In dieser Lage konnte Griechenland seine Schulden an ausländische Banken nicht mehr bedienen, was dann "großzügig" von den Hilfsprogrammen der EU gemacht wurde. Das hat nur den Gläubigerbanken, die hauptsächlich in Frankreich aber auch in Deutschland sitzen, geholfen. Die Griechen hatten von dieser "Hilfe" nur eine schlimme Vergrößerung ihres schon vorher unbezahlbaren Schuldenberges, sonst nichts!

Ohne Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit kann Griechenland aber nicht wieder auf die Beine kommen. Das übliche Mittel dafür ist eine Währungsabwertung, die aber nicht erlaubt wurde. Statt dessen hatte die EU die glorreiche Idee, die Griechen zur Senkung der Lohnstückkosten zu zwingen, weil es bei einer Verbesserung der Produktivität, die aber viele Jahre braucht, auch zur Senkung der Lohnstückkosten kommt.

Diese Senkung allein, ohne Produktivitätssteigerung vergrößert aber nur das Elend in Griechenland, was jetzt vielleicht sogar die EU-Narren begreifen werden.

Eine Besserung der tristen Lage Griechenlands ist aber immer noch nicht in Sicht!

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg

Einer der best Bezahlten daher auch ein Experte.
( laut EU )
Bitte EU bezahlt´s ihm weniger, dann wird er sicher von anderen globalen Player abgeworben.

Doch ein paar Anmerkungen

1) Die Krise ist einen Schuldenkrise und hat nichts mit dem Euro zu tun. Außer dass er die Probleme aufgezeigt hat und die Wirtschaft nicht absaufen hat lassen

2) Wenn man als Grieche 25 Jahre lang lernt, dass
- die eigenen Produkte nichts wert sind,
- die eigene Leistung keinen Erfolg bringt,
- der Staat ein Betrüger ist
- man selbst der Faulpelz der EU ist
und man selbst verlernt hat, was auf die Beine zu stellen, dann ist das was anderes als wenn Banken eine Wirtschaft, die gerade top-fit geschufftet wurde 15 Jahre nach hinten bomben. (Wir werden das bald mit Deutschland und der Deutschen Bank nochmal sehen)

Den Griechen fehlt nicht das Geld und keine Almosen-Investionen von außen, sondern Selbstvertrauen.
Die Erfahrung, dass "Zimmer zusammenräumen" was bringt haben sie schon gemacht, jetzt gehts darum, ein neues Zimmer selbst zu kaufen und selbst einzurichten.
Das kostet den Europäern kein Geld mehr, sondern nur die Kraft, ihnen Mut zuzusprechen.

3) Aiginger will noch immer Taschengeld verteilen, obwohl die Griechen alt genug sind, sich selbst zu versorgen. Das ist wirklich ein schlechter Rat.
Wir geben den Griechen derzeit die Sicherheit, dass sie nicht fallen gelassen werden, aber aufstehen und weitergehen müssen sie selbst.
Und wenn man den Meldungen glauben darf, haben die Griechen verstanden, dass sie Vorschüsse wieder zuzückzahlen müssen (auch wenn das einige Österreicher nicht höre wollen).

die eudssr der bankenkonzerne und sozialisten war und ist eine fatale fehlkonstruktion auf kosten der europäer und des friedens. altersarmut und jugendarbeitslosigkeit werden zum standard in der eu.


Raucht nicht, produziert!

die guten Leute haben oder werden Griechenland verlassen.
Wie solche Aussagen zustande kommen wie in diesem Artikel ist einfach nur ein Rätsel.

Wer soll den den Kurswechsel vollziehen.

Es sind ja alle Ökonomen in der Regierung.


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