'Euro-Aufwertung ist Zeichen für Rückkehr des Vertrauens'

EZB-Präsident Mario Draghi erwartet eine Erholung der Konjunktur in der Eurozone. Die starke Euro-Aufwertung will die Zentralbank genau beobachten.

European Central Bank President Draghi gestures during the monthly ECB news conference in Frankfurt
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European Central Bank President Draghi gestures during the monthly ECB news conference in Frankfurt
REUTERS

EZB-Präsident Mario Draghi rechnet mit einer Erholung der Konjunktur in der Eurozone im Laufe dieses Jahres. Anfang 2013 bleibe die Wirtschaft im Währungsraum noch schwach, sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Danach sei mit einem allmählichen Anziehen der Konjunktur zu rechnen - nicht zuletzt, da die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank die Erholung stütze. Zuvor hatte der EZB-Rat den Leitzins für die 17 Euro-Länder wie an den Finanzmärkten erwartet bei 0,75 Prozent belassen (mehr dazu ...).

Die jüngste Aufwertung des Euro macht der EZB noch keine Sorgen. "Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro", sagte Zentralbank-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Allerdings deutete er an, den Wechselkurs genau zu beobachten: "Wir wollen sehen, ob die Aufwertung nachhaltig ist und ob sie unsere Einschätzung der Risiken für die Preisstabilität ändert."

Der Euro hatte in den vergangenen Monaten massiv aufgewertet - auch infolge einer sehr lockeren Geldpolitik in Japan und den USA. Deshalb hatte Frankreichs Staatspräsident François Hollande für eine aktive Wechselkurspolitik geworben (mehr dazu ...). Die Forderung nach einem politisch gesteuerten Wechselkurs stößt vor allem in Deutschland auf Ablehnung. Draghi betonte, Wechselkurse seien kein Ziel der Notenbank. Die aktuellen Kurse bewegten sich in der Nähe der langfristigen Durchschnittswerte.

Weitere Lockerung der Geldpolitik?

Die Gemeinschaftswährung fiel nach der Pressekonferenz von Draghi auf ein Tagestief von 1,3369 Dollar Dollar nach 1,3522 Dollar am Vorabend. "Draghi erwartet offenbar durch den Anstieg des Euro-Wechselkurses eine dämpfende Wirkung auf Wachstum und Preise", kommentierte EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank. Nach Einschätzung des Experten Christian Schulz von der Berenberg Bank sind die Aussagen von Draghi als eine "sanfte verbale Intervention gegen einen zu starken Euro-Wechselkurs" zu verstehen.

"Am Markt spekulieren einige, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik möglich sein könnte", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Auch die Aussage, dass die Inflation unter zwei Prozent fallen dürfte, spreche nicht gegen eine weitere Lockerung. "Wir sehen aber trotzdem noch keine Hinweise darauf, dass die EZB schon in der nächsten Sitzung die Zinsen senken wird", so Wortberg.

(APA/Red.)

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