Unterstützung für griechischen Statistikchef

Athens Chefstatistiker Andreas Georgiou kommt vor Gericht, weil er sein Land arm gerechnet haben soll, um strengere Sparmaßnahmen durchzusetzen. Kollegen aus Europa stellen sich hinter ihn.

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Symbolbild – (c) AP (Petros Giannakouris)

Luxemburg/Athen/Wien/AG./AUER. Der Druck auf Andreas Georgiou ist enorm. Der Chef der griechischen Statistikbehörde soll das Land künstlich arm gerechnet haben, um strengere Sparmaßnahmen durchzusetzen, behauptet eine frühere Mitarbeiterin. Und auch Griechenlands Politik nimmt den Statistiker ins Visier: Er habe gegen griechische Interessen gehandelt, so die Kritik. Die Staatsanwaltschaft erhob schon im Jänner Anklage wegen der Untergrabung nationaler Interessen gegen den Chef der eigentlich politisch unabhängigen Statistikbehörde Elstat.

Nun springen die nationalen europäischen Statistikbehörden für ihren Kollegen aus Griechenland in die Bresche. Die Zahlen seien mehrfach von Eurostat geprüft worden, heißt es in einer Aussendung. Wenn nun ihre Gültigkeit bezweifelt werde, würden „gemeinsam ausgearbeitete Vorgehensweisen missachtet“.

Mit geschönten Zahlen zum Euro

Georgiou wird vorgeworfen, ein höheres Defizit für das Jahr 2009 ausgewiesen zu haben, weil er auch die Schulden von ausgelagerten Bereichen wie etwa der griechischen Bahn eingerechnet hat, wie es die europäischen Regeln vorsehen. „Wenn Statistikchefs, die sich an diese gemeinsamen Regeln halten, ein Strafverfahren droht, stimmt mich das besorgt“, sagt Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria.

In Europa ist die Sensibilität für „Statistikfehler“ aus Griechenland groß. Das Krisenland der Eurozone schaffte es damals nur mithilfe geschönter Bilanzen in die Währungsunion.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2013)

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