Draghi pocht auf Unabhängigkeit der EZB

07.02.2013 | 17:22 |   (Die Presse)

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi sieht in einem starken Euro einen Vertrauensbeweis der Märkte für die EZB.

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Frankfurt/Wien/jil/AG. Das EZB-Direktorium kam, sah, tagte und tat: absolut nichts. Die Leitzinsen bleiben unverändert bei 0,75 Prozent – niedrig, aber weiterhin höher als die Zinsen anderer wichtiger Notenbanken. Dass der Euro in den vergangenen Wochen gegenüber Dollar und anderen Währungen aufgewertet hat, bereitet EZB-Chef Mario Draghi keine Sorgen. „Grundsätzlich ist die Aufwertung des Euro ein Vertrauensbeweis. Wir müssen sehen, ob das nachhaltig ist“, sagte Draghi bei der Pressekonferenz nach der Zinssitzung.

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Draghi: Keine Entwarnung

Frankreichs Präsident François Hollande ist zuletzt mit der Forderung aufgefallen, die EU müsse eine aktive Wechselkurspolitik betreiben, statt alles „den Märkten“ zu überlassen. Besonders der starke Euro scheint Hollande Sorgen zu bereiten. Bei der deutschen Regierung stieß er sofort auf Widerstand. Und Mario Draghi will die Debatte gar nicht führen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die EZB unabhängig ist“, sagte er.

Und damit war das Thema am Donnerstag beendet. Draghi sieht noch keinen Grund zur Entwarnung in der Eurozone: „Die konjunkturelle Schwäche in der Eurozone dürfte bis Anfang 2013 anhalten.“ Danach sei mit einem allmählichen Anziehen der Konjunktur zu rechnen – nicht zuletzt, da die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank die Erholung stütze. Es gebe allerdings auch andere Zeichen einer Entspannung.

Die Eurozone sei heute nicht mehr so fragmentiert wie noch vor einem Jahr. Dass die Banken angefangen haben, die LTRO-Notkredite zurückzuzahlen, „spiegelt die Verbesserung des Vertrauens an den Finanzmärkten wider“, so Draghi. Die Rückzahlung der LTRO-Gelder sorgt für eine Verkleinerung der EZB-Bilanz.

Deal: Hoffnung für Irland

Irland kommt indes als erstes Krisenland in der Staatsschuldenkrise der Eurozone einer Rückkehr an den Kapitalmarkt näher. Nach monatelangem Streit einigte sich die Regierung in Dublin am Donnerstag mit der Europäischen Zentralbank sowie der irischen Notenbank auf ein Modell zur Verringerung des erdrückenden Schuldendienstes für einen Hilfskredit der irischen Notenbank.

„Es gibt einen Deal“, sagte eine an den Verhandlungen beteiligte Person zu Reuters. Details wurden zunächst nicht bekannt.

EZB-Chef Mario Draghi wollte sich zum Irland-Deal am Donnerstag gar nicht äußern und verwies an die irische Zentralbank. Die Regierung in Dublin pocht seit 18 Monaten auf Zinserleichterungen für Irland, um wie geplant noch in diesem Jahr an den Kapitalmarkt zurückkehren zu können. Irland wird seit 2011 mit internationalen Finanzhilfen von insgesamt 67,5 Mrd. Euro vor einer Staatspleite bewahrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2013)

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11 Kommentare

Schönes Signalphoto mit Finger im Gesicht

Damit die Brüder auch ja nicht vergessen für wen dieser Typ arbeitet.

Vertrauen

heißt hier eher die Hoffnung auf schnelle Day-Trading Gewinne. Warten wir die Italien-Wahl ab. Je nachdem wie die ausgeht, dann kommt Pepp ins Jahr 2013 und wenn nicht nach diesen Wahlen, dann wenn wir von Frankreich hören.
Hollandes Saga vom starken Euro, der die wirtschaft schwächt (kann man die französische Wirtschaft noch schwächen?) ist für mich bereits die Ankündigung der Leitzinssenkung.

Warum steigt der Euro?

Weil andere Länder noch mehr Geld drucken als Europa-so einfach ist das! Kein Vertrauen sondern der Einäugige ist unter den Blinden zur Zeit König und trotzdem wird der Abverkauf beginnen! Spätestens dann wenn China das restliche Gold der Welt aufgesogen hat....

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die EZB hat ihren Sitz in Frankfurt

Damit setzte die EU ein Signal, die stabile Währungspolitik der deutschen Bundesbank fortzusetzen.
Und diese Währungspolitik ist trotz allem auf den Hausherrn Deutschland zugeschnitten, obwohl bereits zwei deutsche Bundesbänker die EZB aus Protest verlassen haben.


Naja, da haben wir wieder den Konflikt .....


....der Club Med inkl. Frankreich will einen weichen Euro...

....der Rest einen starken Euro, der inflationsdämpfend ist.

Warten wir ab, wer sich durchsetzt.

Re: Naja, da haben wir wieder den Konflikt .....

Wahrscheinlich wird der Club Med das Rennen machen. Man braucht doch nur in die kürzere Vergangenheit schauen und schon weiß man, wer in der Euro-Politik das Sagen hat. Der Club Med braucht einen schwachen Euro für den Export, das ist nun einmal Fakt, zum Leidwesen der stabilen Länder.

Re: Re: Naja, da haben wir wieder den Konflikt .....

Ich denke es war so geplant. Am Ende heißt es Deutschland, Finnland und eventuell Österreich und Holland gegen den Rest und in erster Linie geht es darum Deutschland zu "beschäftigen".

Naja ....

Da gerade alles Geld von Europa in Japan veranlagt wird , wird dieser unlogische Höhenflug bald vorbei sein . Aber sonst gehts der EU ja gut ......

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Augen aus wisch



aber mit uns doch nicht, Draghi-Goldmännchen !

2 0

tja

ha ha ha selten so einen bloedsinn gelesen ha ha ha

Euphemismus

Die Wahrheit ist: Not schlägt Elend. Gegen Yen und USD kann selbst der Euro einen Stich machen. Gegen wirkliche Währungen wie den Schweiz. Franken hingegen nicht. Es gibt da ein Sprichwort: Unter Blinden ist der Einäugige König. Er ist aber deswegen doch nur einäugig. Also kein Grund zum Jubeln. Hingegen ein Grund zum Jubeln für die PIIGS. Sie verdienen an der inneren Repression.

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