ifo-Institut: "Stümperhafte Rettungspolitik in Europa"

05.03.2013 | 12:03 |   (DiePresse.com)

Hätte die Politik eine starke Abwertung des Euro zugelassen, wäre ein Teil der Volkswirtschaften Südeuropas heute bereits wieder wettbewerbsfähig, sagt das Münchner Institut.

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Das Münchner ifo-Institut hat den Euro-Rettern ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Die Sorgenkinder des Währungsraumes drohten sogar noch tiefer in die Krise zu stürzen. Es sei mittlerweile klar, "dass die Rettungspolitik die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer verringert hat", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten "Ifo Standpunkt" zum Wahlausgang in Italien. "Ohne die stümperhaften Rettungsversuche der Politik hätte die Krise den Euro in eine starke Abwertung getrieben und einen Teil der Volkswirtschaften Südeuropas bereits wieder wettbewerbsfähig gemacht." Zudem hätten Abwertung und niedrigere Preise "auf ganz natürliche Weise Kapital angezogen" - und so die Basis für künftiges Wachstum gelegt.

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Das Dilemma der Rettungspolitik in Europa sei, dass Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte nicht nur die Kurse von Staatsanleihen nach oben trieben, sondern auch den Euro. Das sei zwar gut für die Bilanzen der Gläubiger, aber schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit. Inländer und Ausländer wendeten sich in der Folge von den Krisenländern ab und kauften verstärkt im Ausland. Die Euro-Rettungspolitik würde somit eher die Rezession verstärken.

Ifo: Starker Wechselkurs als Problem

Für die Euro-Aufwertung sind aus Ifo-Sicht vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) und der dauerhafte Rettungsschirm ESM verantwortlich. Der vergleichsweise starke Wechselkurs gegenüber dem Dollar und Yen bereite nun Frankreich große Probleme. Dies sei ein Kollateralschaden. Diese Aufwertung könnte die EZB aber leicht verhindern.

Das Wahlergebnis in Italien mit seinen unklaren Mehrheitsverhältnissen hatte zuletzt die Zinsen für die Staatsanleihen des schuldengeplagten Landes wieder nach oben getrieben und zugleich den Eurokurs gedrückt.

(APA/Reuters)

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20 Kommentare
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Die angeblich EU-freundlichen Schwarzen waren..

...ja immer Feuer und Flamme wenn es darum ging Staaten aufzunehmen von denen von Haus aus klar war dass sie nie ohne am EU-Topf hängen würden. Ist der Wirtschaft ja auch wurscht. Letzt endlich zahlt eh alles der Steuerzahler.

bled kann ma sein

und wir Esel wählen in Kärnten die Verwaltung statt die reiche Erbtante auf dem Grünen Plakat die eh schon zeitweise im Land ist und Geld ausgeben will. Da hat man die Chance in einem Pleiteeuropa einen Stronach zu haben und die Roten und Schwarzen denken dabei nur an Ihre Macht - einfach grauslich!

Statt den Herrn Stronach auf einen Cafe einzuladen hihihi, macht man den netten älteren Herrn nur lächerlich!

Möchte mal in die Runde fragen, was ist die wichtigste Aufgabe einer Bank?


Das hat der Ifo-Chef Hans-Werner Sinn schon in seinem Buch "Die Target-Falle" ausführlich beschrieben!

Allerdings ist es völlig falsch, den Euro als solchen abzuwerten. Der Euro hat ja nur die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Südens vernichtet, während der Norden- insbesondere Deutschland - davon profitiert hat.
Die EU erlaubt dem eigentlich zahlungsunfähigen Süden massive Einkäufe in Deutschland, was zu gewaltigen Target2(ein künstliches Verrechnungskonto)-Überschüssen Deutschlands führt, die laut Hans-Werner Sinn von den Südländern nicht ausgeglichen werden können. Diese Abschreibungsverluste müssen dann von allen Euroländern je nach ihrem Anteil an der EZB ersetzt werden. Weil die Südländer aber faktisch zahlungsunfähig sind, müssen die anderen deren Anteil übernehmen, was auch die Zahlungsfähigkeit des Nordens überfordert!

Dann ist der ganze Euroraum Pleite!

Wenn der Euro, so wie er ist abwertet, wird diese Entwicklung verstärkt, die Target-Salden steigen, es kommt im Norden zu einer gefährlichen Konjunkturüberhitzung, die wohl zu einer Inflation führen würde.

Die einzig mögliche Lösung wäre ein Ausscheiden der Südländer (inkl. Frankreichs) aus dem Euroraum und eine massive Abwertung ihrer neuen Währungen!

Das wollen die EU-Mächtigen aber auf jeden Fall vermeiden, denn da würden alle sehen, welche "Todsünde"(@Theo Waigel) es war, den Euroraum auf den europäischen Süden auszudehnen und wie unsinnig die EU-Rettungspolitik überhaupt ist!

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das IFO institut sagt noch was sache ist - der teuro und die eurobankendeals mit billionen steuergeldern werden europas volkswirtschaften u. völker in den abgrund stürzen. und es gibt nicht wenige, die davon profitieren.


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Es

gibt nur eine Möglichkeit , die Aufspaltung in Nord- und Südeuro alles andere ist zwecklos!

Glaube ich nicht.

Der Unterschied zwischen Deutschland und dem Süden bleibt auch bei einem schwachen Euro ein Problem. Aber die EU will das so, also: jacque un a son gout.

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Sinn und co haben immer recht

aber auf sie hört leider keiner.

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hätten wir keinen euro

hätten wir auch keine probleme ....

Der Euro selbst ist das Problem und nicht die Rettungspolitik des selben.

Für die Südländer ist diese Währung zu hart,
und für die Nordländer zu weich.

Im Grunde genommen gibts ja nur eine Lösung:

Der Euro muss wieder weg!

Je früher desto besser für alle.




Euro soll stark bleiben!

Es wäre verantwortungslos den euro verfallen zu lassen. Österreich importiert auch sehr viel und ist mit einer starken Währung gut bedient. Es wäre fatal, hier eine Änderung der Wirtschafstpolitilk anzustreben.

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Re: Euro soll stark bleiben!

Es geht hier nicht um Verantwortung oder um das Anstreben einer Änderung - es geht ums Überleben.

In den USA mag Helicopter-Ben und sein Nachfolger noch einige Jahre die fault-lines (s. Raghuram Rajan) noch einige Jahre übertünchen können, die EZB kann es mit Italien und Frankreich nicht mehr.

Schön langsam weiss ich erst, was Barbara Tuchman mit der "Torheit der Regierenden" gemeint hat, früher erschienen mir die Beispiele etwas konstruiert.

Re: Euro soll stark bleiben!

eine Währung ist das Ergebnis der eigenen Leistung eines Volkes.
Der Euro verwischt diese Grenzen total und suggeriert den Ländern etwas das sie nicht haben, nämlich eine leistungsfähige Wirtschaft.

Da sie sie nicht haben, muß sie finanziert werden. Diese kostenlose Finanzierung durch andere Ländern täuscht das Volk über seine mögliche Leistungsfähigkeit.
Die Folgen sind bekannt.

Es ist ein Irrglaube zu meinen, man könnte ganz Europa mit Fabriken pflastern die alle mehr oder weniger das selbe herstellen.

Politiker in diesen Ländern haben in gerade einer Unverantwortlichkeit größten Ausmaßes dem eigenen Volk den Glauben vermittelt das Geld liegt auf der Strasse.

Die Politiker dieser Länder haben nichts anderes gemacht als versucht an der Macht zu bleiben, koste es was es wolle auf Kosten von Anderen.
Hinzu kommen noch Korruption und Überheblichkeit.
Deshalb wurden sie auch ein dankbares Opfer von Banken.
Es gibt keinen besseren Schuldner als einen Steuerzahler der auch davon noch keine Ahnung hat was die Verantwortlichen machen.

Eine Wirtschaft hat als wichtigstes den Menschen als denjenigen der eine Währung stabilisieren kann und dessen Wert steigern kann. Niemand sonst und schon gar kein Politiker.

Wenn Österreich den Schilling wieder einführen wollte (rein theoretisch), dann wäre die erste Feststellung, die Schulden sind zu hoch gegenüber der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Volkes.

Im Export hätte das den Vorteil gegenüber anderen Währungen.

Re: Euro soll stark bleiben!

ER wird aber nicht stark bleiben.

Warum ist der Euro überhaupt noch so stark ???ß

Weil alle darauf setzen das Deutschland bis zum bitteren Ende versucht jeden zu retten, wenn dann Deutschland selbst in Schwierigkeiten kommt ist Ende.

Ausserdem hält Draghi den euro Künstlich weiter oben als er überhaupt wäre indem er Staatsanleihen aufkauft (kürzlich erst 100 MRD von Italien) und billiges Geld druckt. Wir können bisher von glück reden das das Geld noch nicht in den Wirtschaftskreislauf geflossen ist denn sonst hätten wir schon 2stellige Infl. Raten.

Am Ende wird der Euro, wenn nur genügend unterm Rettungsschirm sind und die Finanzierzung zum Problem wird, gnadenlos abwerten und die Bürger über die Infl. enteignet.

Natürlich wäre das sinnvoll gewesen

nur hätte man den Auftrag der EZB dafür ändern müssen . So haben jene den schwarzen Peter , die für die Überschuldung bürgen , dafür sind die Spareinlagen aber auch -noch- nicht entwertet worden . Das Schuldenspiel lautet seit Lehmann - wer für nichtwerthaltige Schulden bürgt - der verliert .....

So!

Jetzt behauptet ein wissenschaftliches Institut, dass die Wirtschaftspolitik der EU "stümperhaft" ist.
Auch das genügt nicht, um dem Wähler zu verklickern, dass wir weniger Politik brauchen? Dass der EURO schlecht für uns ist? Dass die EU ein Haufen Irrer sind, die planlos herumirren?

NEIN! Wir vertrauen denjenigen, von denen wir wissen, dass sie "stümperhaft" sind und nicht uns selbst.

Re: So!

Wenn Sie mit "wir" das österreichische Volk meinen dann gebe ich zu Bedenken dass "wir" mMn den Überblick längst verloren haben.

der tag wird kommen

im endeffekt haben mit der gewählten vorgangsweise die industrieländer und ihre industrien ihre forderungen gerettet und einbringlich gemacht. somit ist eh alles paletti für die nächste wahl. die geber und nehmer waren sich durchaus einig wie der deal ablaufen soll. solange die "gesamtrendite" aus wirtschaftswachstum, politischem goodwill und vorgeblichem sparerschutz höher war als die kosten hat das niemanden aufgeregt. das inflationsrisiko ist hoch wie nie und wird es bleiben.

Interessante Zeit

Die Südländer hätten profitiert, das ist richtig. Die Spareinlagen etc. der BürgerInnen der Nordländer hingegen wären der Inflation zum Opfer gefallen. Man kann es drehen und wenden wie man will - so unterschiedliche Volkswirtschaften und Mentalitäten passen nicht in eine gemeinsame Währungsunion. Mal sehen wie das noch ausgeht. Ich tippe auf die Manifestierung einer dauerhaften Transferunion vom Norden in den Süden ähnlich dem Konstrukt des Länderfinanzausgleichs. Das kommt spätestens nach den Bundestagswahlen in Deutschland - es sei denn, die in Gründung befindliche Lücke-Partei schafft ein entsprechendes Ergebnis.

Re: Interessante Zeit

@Spareinlagen: Mit dem eingeschlagenen Weg wurde die Geldmenge erhöht. Das wird noch zu Inflation führen. Womit die Spareinlagen in den Nordländern für mich als Entscheidungsgrund gestorben sind.

Das ifo-Institut würdigt den wesentlichen Punkt nicht

Es ist nicht Ziel, Kapital auf "ganz natürlichem Weg anzuziehen". Dies würde nämlich Wettbewerb bedeuten. Dieser ist schlecht, da mit Arbeit verbunden. Das Ideal ist, Wohlstand ohne Arbeit. Und nur so lässt sich eine Wahl gewinnen.

Das Gesamtsystem (Erklärung der Systemrelevanz von jedem Furz, EFSF, ESM, nie ausgeglichene target-Salden, Rettung von Allem und Jedem, Stimmverteilung im EZB-Rat) ist daher durchaus konsequent aufgebaut - und somit das Gegenteil von "stümperhaft".

Wir setzen darauf, dass der gesamte Wirtschaftsraum "too big to fail" ist. Die schlechte Nachricht: Er schrumpft relativ.

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