Zypern: Ende einer russischen Steueroase

18.03.2013 | 23:07 |  NIKOLAUS JILCH, WOLFGANG BÖHM UND EDUARD STEINER (Die Presse)

"Unfair und gefährlich": Putin tobt und fürchtet um russisches Geld in Zypern. Die Eurogruppe bekräftigte indes, dass Kleinsparer von der Zwangsabgabe verschont werden sollen.

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Wien/Nikosia/Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin ist empört. Der Plan der EU-Troika und Zyperns, auch Bankkunden an einem Hilfspaket zur Rekapitalisierung der zypriotischen Banken zu beteiligen, sei „unfair, unprofessionell und gefährlich“, sagte ein Sprecher Putins am Montag nach einem Sondertreffen zum Thema. Premier Dmitrij Medwedjew sprach von einer „Konfiszierung fremden Geldes“. Der Kreml sorgt sich um die Vermögen reicher Russen, die ihr Geld in der Steueroase Zypern angelegt haben und um die Kredite russischer Banken an russische Firmen mit Sitz in Zypern.

Ende vergangenen Jahres hatten russische Banken laut der Ratingagentur Moody's 30 bis 40 Milliarden Dollar an Krediten an (russische) Unternehmen in Zypern ausständig – das entspricht etwa 15 bis 20 Prozent der Kapitalausstattung russischer Banken. Dazu kommen etwa zwölf Milliarden Dollar, die russische Banken bei zypriotischen Banken (wiederum vor allem Tochterfirmen russischer Institute) bunkern. Besonders betroffen von der Beteiligung der Bankkunden an einem Hilfspaket dürften russische Firmen und Privatleute sein, die laut Moody's rund 19 Mrd. Dollar auf zypriotischen Konten gelagert haben. Zypern hat mit niedrigen Steuern und Diskretion vor allem russische und britische Investoren angelockt.

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Auch wenn die Abstimmung über die Beteiligung der Kunden am Hilfspaket im zypriotischen Parlament auf Dienstag verschoben wurde, weil der Regierung am Montag zwei Stimmen zur notwendigen Mehrheit gefehlt haben: Die Bankkunden müssen in jedem Fall 5,8 Mrd. Euro zu dem Hilfspaket beitragen. Das ist der Deal. Erst dann gibt es die übrigen 10 Mrd. Euro von EU und IWF.

Doch Ausnahmen für Kleinanleger

Die Euro-Länder wollen, dass die Kleinsparer in Zypern von der geplanten Zwangsabgabe verschont werden. Die Gruppe der Finanzminister erklärte am Montagabend nach einer Telefonkonferenz, Bankeinlagen kleiner Anleger sollten anders behandelt werden als die großer Investoren. Die Eurogruppe bekräftige daher ihre Auffassung, dass Einlagen unter 100.000 Euro komplett garantiert werden sollten.

Zuvor schon hatte es Hinweise gegeben, dass die zypriotische Regierung Kleinsparer schonen will und einen Freibetrag von 20.000 Euro einräumen könnte. Vermögen zwischen 20.000 und 100.000 Euro sollten mit nur drei statt der bisher 6,75 Prozent beteiligt werden. Vermögen über 500.000 Euro sollen statt mit zehn mit 15 Prozent belastet werden. „Es liegt in den Händen der Zyprioten, zu entscheiden", sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen.

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Die Banken in Zypern sollen vorerst bis Donnerstag geschlossen bleiben, um einen Ansturm, einen Banken-Run, zu verhindern. Russische Investoren haben allerdings bereits seit Anfang des Jahres massiv Gelder abgezogen: 1,7 Mrd. Euro laut zypriotischer Nationalbank. Einige reiche Russen waren am Montag dennoch schockiert. In Moskau ist von Schimpftiraden russischer Milliardäre die Rede. Manche hätten dort Konten über 100 Mio. Euro und würden zehn Mio. oder mehr verlieren, empört sich ein Investmentbanker. Auf dem Flughafen von Larnaka landeten am Montag den ganzen Tag über Privatmaschinen russischer Unternehmer. „Viele russische Firmen sind dabei, ihre Unternehmen abzuziehen“, hieß es in Nikosia.

Verhandlungen in Moskau

Mit einem originellen Vorstoß versuchte sich der halbstaatliche russische Energieriese Gazprom einzuschalten. Das Unternehmen will demnach die Restrukturierung des zyprischen Bankensektors finanzieren – und zwar ohne Beteiligung der Kunden. Im Gegenzug verlangt Gazprom „nur“ die Rechte, die bisher unangetasteten Gasfelder vor der Insel ausbeuten zu dürfen. Am Mittwoch werden Verhandlungen in Russland stattfinden, das Zypern 2011 einen Notkredit gewährt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2013)

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1182 Kommentare
 
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Hat der Putin sein Schwarzgeld auch in Zypern ?

Blöd gelaufen!

Re: Hat der Putin sein Schwarzgeld auch in Zypern ?

Eh, schauns mal auf dem Foto seinen Gesichtsausdruck an... gleich beisst er bei der Kamera ab....


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Der europäische Frühling naht


Ich habe mich schon vor Monaten gefragt, wie lange es in Österreich noch dauern wird, bis die Bürger auf die Straße gehen, so wie im arabischen Frühling. Nun der europäische Frühling ist im Anmarsch. Die Bürger marschieren schon auf die Banken. Bald werden sie nicht mehr nach Hause zurückkehren, sondern davor und vor den Palästen der nimmersatten Banker, Polis und Apparatschicks verharren, bis sie das zurückerhalten haben, was man ihnen (seit dem EU-Beitritt) still und heimlich weggenommen hat.

Re: Der europäische Frühling naht

Kunnt schon sein; nur wenn die Leute mal recherchieren würden oder sich schlauer machen, dann würden sie eher vor das österr. Parlament gehen als vor die EU Institutionen. Denn letztere sind immer der Prügelknabe für die ganze dampfende Kacke, die uns unserer eigenen Politiker einbrocken....

Re: Der europäische Frühling naht

Fürchte ich auch! Unsere Politiker und Banker arbeiten heftig daran !

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Mein Vorschlag

Den Zinsüberschuss abschöpfen bis zum Wert der auch in Österreich oder Deutschland für Einlagen ohne Risiko bezahlt wird.
Also Erhalt des Kapitals und Miniverzinsung, so wie bei uns.

Der Rest ist eben Spielkapital und Risiko. Wenn ich mit Aktien spekulieren, kann ich gewinnen oder verlieren. In dem Fall sogar das Kapital dazu.

Nicht die anderen EU-Bürger heranziehen zum Zahlen, die für das eigene Geld nicht mal die Inflation abgegolten bekommen.

Das würde ich fairer finden.

Wir werden alle gegeneinander ausgespielt

Ein Nationalstaat gegen den anderen. Ein Volk gegen das andere. Und die Fäden zieht die Hochfinanz, die ihre "systemrelevanten" Banken sich von den Menschen retten lassen will.
NEIN zur Diktatur aus Brüssel!
Holen Sie sich Ihr Klopapier aus dem Bankomat und lösen Sie Ihre Sparbücher auf.

Armer Staat, reiche Einwohner°

Viele Staaten sind zwar arm, ihre Bürger sind aber reich. Mittlerweile gibt es Berechnungen, daß die Bürger jener Staaten, deren Banken durch die europäischen (sprich; mitteleuropäischen) Steuerzahler aufgefangen werden sollen, oft weitaus mehr Privatvermögen besitzen als die Mitteleuropäer. Ein weiterer Gesichtspunkt, der zum Unmut der mitteleuropäischen Steuerzahler beiträgt!

Re: Armer Staat, reiche Einwohner°

Richtig, die Studie wird aber von der EZB nicht veroeffentlicht, im ZDF gabs vorige Woche einen Vergleich von Italien und Deutschland. Die italiener hatten 136000/Kopf und Deutschland ca. 80000/kopf

Frau Schmied

Eine Tussi aus unserer Regierung des Lichts
hat dort in Zypern auch schon UNSERE Milliarden verzockt !
aber das darf man nicht sagen
googeln sie wenn sie sich nicht mehr erinnern können! zypern schmied -genügt!

0 0

Wenn Gazprom

das schafft, warum sollte man sie nicht lassen? Nach dem jetzigen Imagedebakel der EU in Zypern werden ja ohnehin die Russen die Förderrechte an den Gasfeldern kriegen.

zu Erinnerung (der 5. Versuch)

Frau Schmied jetzt BundesministerIN für Bildung
vorher Chefin der Kommunalkredit Bank
war in Zypern groß vertreten. News:" Die Kommunalkredit hatte einen Verlust von 2,6 Milliarden Euro eingefahren und musste vom Staat vor dem Exitus gerettet werden. 4,65 Milliarden Steuergeld wurden bisher an Haftung und Kapital in die Zombie-Bank gesteckt. " siehe
http://www.news.at/a/kommunalkredit-steuergeld-zockerbank-322507
Die Frau hat mehr als 2 Milliarden dort versenkt !!
Die wir Österreicher Zahlen.
da können die Zyprioten doch wohl 6 Milliarden € aufbringen!

6 1

Ich sehe schon die nächsten 10 Milliarden

nach Zypern wandern.
Die vielgeforderte Bildungsmillarde Österreichs könnte sich darunter befinden.

ach da

darf nicht gepostet werden!
sogar mit angeführten Quellen! danke
freies land und so .....


Holen Sie sich heute ihr Klopapier aus dem Bankomat!


Wenn durch die Kleinsparer...

..."nur" 300 Mio reinkommen würde sieht man, wieviel der Rest auf den Konten hat.

Skylla und Charybdis

Wenn die zypriotische Regierung ihre Zusagen von Brüssel nicht einhalten kann, muß sie eben zurücktreten. Wenn das zypriotische Volk die Pleite wählt, dann ist das zur Kenntnis zu nehmen!

Re: Skylla und Charybdis

Sich der Finanzdiktatur beugen und fremde Eingriffe in die Souveränität eines Landes zulassen: RÜCKTRITT!

Wer sich 3x so hohe Zinsen für eine Bankeinlage

bezahlen läßt, hat eben spekuliert und das Risiko falsch eingeschätzt. Richtigerweise sollten alle, egal ob reich oder arm, 2/3 der Zinsen, die ihnen tatsächlich ausbezahlt wurden, zurückzahlen. Jedenfalls kann es nicht sein, das der mitteleuropäische Steuerzahler, der für Bankeinlagen Zinsen bekommt, die nicht einmal die Inflation abgelten, den Kunden der zypriotischen Banken die Spekulationserträge auch noch ersetzt!

Mein Mitgefühl für solche Spekulanten hält sich in Grenzen!

WARUM nicht die Eigentümer der Banken zur Kasse bitten ??


Was kann der Euro-Steuerzahler für falsches Risikomanagement zyprischer Banken ?

Verstaatlichen u. später verkaufen. Eigentümer kriegen NULL. Wäre IRRE heilsam für alle anderen Banken, meint zumindest Joseph Stiglitz uva.

Doch die Bankster haben die Euro-Politiker fest im Griff !!


Re: WARUM nicht die Eigentümer der Banken zur Kasse bitten ??

WEN meinen Sie mit Eigentümer? Der Eigenkapitalanteil der Banken beträgt doch - unter Nachsicht aller Taxen - bestenfalls 10 - 15 %. Wenn die die 10-fache Haftung übernehmen müssen, gehen doch alle Banken pleite. Bei einem Konkurs hat doch der Gläubiger (= Bankkunde) sicherlich einen Verlust von 80 % seines Kapitals oder noch mehr! Da ist ein Beitrag aus den überhöhten Zinsen sicherlich ein Schnappchen, auch für den kleinen Sparer!

The unguided missle

Wo der EU Finanzterror demnächst zuschlägt ist schwer zu erraten, aber die Sparer von Spanien, Portugal und Italien wären gut beraten samt ihre Ersparnisse in die Deckung zu gehen. Die staatliche Einlagensicherung ist hiermit ein Märchen. Die einzigen noch sicheren Einlagen sid die von Carefree.

Re: The unguided missle

Manche Banken haben in den guten Zeiten ihre Geschäftsfelder durch überhöhte Zinsen riesig ausgeweitet. Jetzt sind sie auf die Nase gefallen. Und wer das Risiko, das mit den überhöhten Zinsen immer schon verbunden war, ignoriert hat, um schneller zu Geld zu kommen als die meisten anderen Sparer, ist mit auf die Nase gefallen.

Wenn eines Ware besonders "billig" ist oder für eine "Einlage" besonders hohe Zinsen geboten werden, muß man eben mißtrauisch sein und kann nicht verlangen, daß man - nachdem man jahrelang ohnehin überhöhte Zinsen kassiert hat - von anderen Steuerzahlern den Verlust ersetzt bekommt. Die Wahrheit ist: die risikobereiten Sparer wollen jetzt ihre Verluste auf Kosten des Steuerzahler (insbes. anderer Länder) "sozialisieren"!!!

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Clever gemacht...

Schritt 1: Ankündigen, das Allen Geld weggenommen wird
Schritt 2: Nach Empörung, dann doch die Kleinsten verschonen
Schritt 3: Titeln: "Durch die geplante Entlastung der Kleinsparer....."

 
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