Zypern: EZB bereitet Schritte gegen Kapitalflucht vor

22.03.2013 | 06:40 |   (DiePresse.com)

Die Europäische Zentralbank will den zu erwartenden Bankensturm in Zypern im Keim ersticken. So sollen Spareinlagen eingefroren werden.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet laut einem Zeitungsbericht Schritte zur Verhinderung einer massiven Kapitalflucht aus dem Krisenland Zypern vor. Zyperns Bürger sollten nach dem Willen der EZB für eine längere Zeit nur einen begrenzten Betrag an Bargeld an Bankomaten abheben können, berichtete das "Handelsblatt" an Freitag unter Berufung auf Notenbankkreise. Zusätzlich sei im Gespräch, die Spareinlagen vollständig einzufrieren und Überweisungen nur mit einer vorherigen Genehmigung der nationalen Zentralbank zu erlauben. Wie lange die Gelder auf den Sparkonten gesperrt werden, sei noch nicht entschieden, hieß es dem Bericht zufolge weiter. Dies wird auch russische, britische, ukrainische, griechische und auch deutsche Bürger treffen, die auf Zypern ständig wohnen.

Die EZB wolle den Kapitalverkehr auch dann reglementieren, wenn Zyperns Regierung ein Rettungspaket mit der Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) bis Anfang nächster Woche ausgehandelt habe, schrieb das "Handelsblatt". "Die Gefahr ist zu groß, dass es zu einem Ansturm auf die Banken kommt, wenn diese nach mehr als einer Woche wieder öffnen", sagte ein Notenbanker der Zeitung.

Inzwischen hat Zypern auch eine Option weniger in den Bemühungen um Lösungen für eine Finanzhilfe. Russland verwehrt dem krisengeschüttelten EU-Mitglied Zypern neue Finanzhilfen. "Die Verhandlungen sind beendet", sagte Finanzminister Anton Siluanow am Freitag der Agentur Interfax zufolge. Es gebe kein Interesse an den Vorschlägen des zyprischen Finanzministers Michalis Sarris (>>>mehr dazu).

Verhandlungen mit Russland gescheitert

Das Gesetz zum Zahlungsverkehr sollte zunächst am Donnerstag Abend vom Parlament verabschiedet werden, doch wurde die Sitzung schließlich auf den Freitag verschoben. Es gilt als sicher, dass größere Beträge nicht ohne Genehmigung der Zentralbank auf unbestimmte Zeit ins Ausland überwiesen werden dürfen. Die Popular Bank, die in eine funktionsfähige und eine "Bad Bank" aufgespalten werden soll, deckelt die Auszahlungen an den Geldautomaten. Pro Tag und Kunde würden künftig nur noch 260 Euro ausgegeben, teilte das Institut am Donnerstag mit.

Kontrollen "sozialverträglich"

Die EZB werde dafür sorgen, dass die Kapitalverkehrskontrollen "sozialverträglich" ausgestaltet würden. Jeder Bürger werde das zum Leben notwendige Geld erhalten, hieß es. Dazu gehörten auch die Auszahlung von Pensionen und anderen Sozialleistungen.

Die zypriotischen Banken sind seit Samstag geschlossen, um eine Massenkapitalflucht zu verhindern. Am Dienstag sollen die Institute nach bisheriger Planung wieder öffnen. Ohne einen Rettungsplan und ohne die Nothilfe der Europäischen Zentralbank müssen mehrere Geldhäuser in Zypern mit einer Pleite rechnen.

Vorbehalte gegen "Plan B"

Mittlerweile mehren sich die deutschen Stimmen gegen die Pläne Zyperns zur Rettung des Landes. In der deutschen Unionsfraktion gibt es große Vorbehalte gegen die neuen Vorschläge. Ein als Solidaritätsfonds bezeichnete Topf soll mit Kapital von Kirche, Rentenkassen und anderen Einrichtungen gefüllt werden und Staatsanleihen ausgeben. Auch die zypriotische Zentralbank soll mit ihren Goldreserven dazu beitragen. Seine Hoffnungen hätten im Laufe der Woche nicht zugenommen, sagte Vizefraktionschef Michael Meister am Freitag vor einem Treffen der Fraktion mit Kanzlerin Angela Merkel. Die Pläne Zyperns hätten zwei entscheidende Schwachstellen: Es drohe eine noch höhere Verschuldung des Landes und damit eine Gefährdung der Schuldentragfähigkeit. Zudem werde die Sanierung des überdimensionierten Bankensektors nicht angegangen.

Auch Michael Fuchs, ein weitere Vizefraktionschef, sagte mit Blick auf den sogenannten Plan B Zyperns: "Ich halte nicht allzu viel davon." Er bemängelte vor allem, dass über einen vorgeschlagenen Solidarfonds erneut die "kleinen Leute" zur Kasse gebeten werden sollen, während die Besitzer großer Vermögen verschont würden. Bis eine entscheidungsreife Vorlage von Zypern vorliege, könne es noch dauern. Auch der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach kritisierte, diese Vorschläge könnten das Zypern-Problem nicht nachhaltig lösen.

 

 

 

(APA/AFP)

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178 Kommentare
 
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Bitcoins

Zyprioten wechseln Ihr Geld in Bitcoins. Der Kursanstieg ist gewaltig was auf der deutschen Handelsplattform https://www.bitcoin.de/r/sk64hv spürbar war.

Querdenker sagt,

und wenn die Schritte dann gegen die kapitalflucht stehen, ist von denen keiner mehr da, weil sie im grßen Stiel an der kapitalverkehrsampel durchrauschen. weil heute schon weitere viele MRD fehlen, kommt Zypern die2. daher. das nennt sich nachhaltige Routinerettung.

und wen triffts?? den Sparer und Kleinanleger!

jahrelang profitiert ein Land und dessen Wirtschaft von den Schwarzgeldflüssen und Veranlagungen in Milliardenhöhe und kaum bekommt es einen auf die Finger von der EZB werden die Kleinanleger bestraft indem sie nur noch eingeschränkt über ihr eigenes Hab und Gut am Konto verfügen dürfen und das wird noch gut geheißen? Die Herrschaften die das beschlossen haben sollten sich mal überlegen, was da für ein horrendes Geldwäschesystem dahinter steckt -das kann man nicht einfach von heute auf morgen rein waschen! mehr dazu im Blog von Dr. Galli (ECI Experte aus der Schweiz): http://economiccrimeintelligence.wordpress.com/tag/money-laundering/

Ein kleiner vorgeschmack

dessen was uns eines Tages vor lauter €-Rettung erwartet.

Noch reiben wir uns die Hände und sagen: Jetzt erwischt es die richtigen und Zypern ist weit weg.

Aber bald wird es bei uns ebensoweit sein und wir alle Enteignet werden.

EZB

Auf welcher rechtlichen Basis kann die EZB Banken oder Konten sperren?
Und wenn es eine rechtliche Basis gibt: Warum zum Teufel hat eine Notenbank solche Befugnisse?

Dass ein Run auf die Bank zu erwarten ist stimmt schon, aber wenn die nach einem Monat statt nach einer Woche wieder öffnen wird die Sache kaum besser...

Re: EZB

Haben Sie schon einmal was vom "Europäischen System der Zentralbanken" der auch die "Zentralbank von Zypern" dazu gehört vernommen ?

Re: Re: EZB

Und inwiefern beantwortet das jetzt seine Frage?

Re: Re: Re: EZB

Meine rhetorische Frage ist die Antwort:
WEIL ES EIN SYSTEM DER EUROPÄISCHEN ZENTRALBANKEN GIBT, DEREN MITGLIED DIE "ZENTRALBANK VON ZYPERN" IST !

Re: Re: Re: Re: EZB

Dass es ein europäisches System der Zentralbanken gibt ist mir klar. Aber es hat halt nicht nur die zypriotische Zentralbank geschlossen, sondern auch jede PRIVATE Bank.

Also nein, Ihre "rethorische Frage" ist keine Antwort.

Re: Re: Re: Re: Re: EZB

Im Vertrag von Maastricht wurde dem Europäischen System der Zentralbanken die AUFSICHT ÜBER DIE KREDITINSTITUTE übertragen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: EZB

Es wird besser, aber Sie haben die Frage noch immer nicht beantwortet. Und Großbuchstaben machen die Antwort nicht besser.

Zum Vertrag von Maastricht: In Artikel 105 Abs 5 steht ausdrücklich, dass das ESZB die zuständige Stellen bei der Umsetzung von Maßnahmen unterstützt. Ich finde nirgendwo eine Bestimmung in dem Vertrag, dass die EZB zuständiges Aufsichtsorgan wäre. Bitte um Quellenangabe.

Es steht auch in Art 25 der Satzung des ESZB, dass es für Aufsichtausgaben spezielle Verordnungen braucht, also bezweifle ich mal sehr, dass da wirklich was im Vertrag von Maastricht steht.

Außerdem wäre das nur die halbe Antwort. Denn selbst wenn die EZB für die Bankenaufsicht zuständig ist muss irgendwo geregelt sein, dass die Aufsichtsbehörde erstens Banken schließen kann und zweitens unter welchen Voraussetzungen sie das darf. Zumindest in einem Rechtsstaat.

Also wenn Sie wissen wo das geregelt ist, dann sagen Sie es doch einfach gerade heraus. Und wenn nicht, dann hören sie auf zu raten. Das kann ich selber auch.

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Wie dumm ist das Volk ???

Anstatt Europaweit gegen die Enteignung der Spargroschen des kleinen Mannes zu protestieren.
Kuschen alle und sind froh,dass es die bösen Zyprioten erwischt hat und nicht sie selber.
Diese Leute sollten sich eher die Frage stellen wer sind die nächsten welche von der EU DIKTATUR geschröpft werden.
Das Spiel hat erst begonnen es wird dann zu Ende sein wenn die Staaten (EU) sich der Gelder der Sparer bemächtigt haben
Was Politiker Versprechen und Zusagen wert sind sollte auch der DÜMMSTE nun erkannt haben.

Re: Wie dumm ist das Volk ???

Proteste nutzen nix mehr
Das geld ist weg

Ja nun wird dicht gemacht

,denn die Politiker und Freunde haben ja ihre Schäfchen schon längst im trockenen
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/19/in-letzter-minute-zypern-politiker-pluenderten-ihre-bank-konten/comment-page-1/

Zypern: EZB bereitet Schritte gegen Kapitalflucht vor

Die Russen haben sicher schon längst das Weite gesucht! Vielleicht wissen das eh alle, und deshalb ist Zypern nicht mehr zahlungsfähig?

Re: Zypern: deshalb ist Zypern nicht mehr zahlungsfähig?

Nicht Zypern, sondern die zypr. Banken sind nicht mehr zahlungsfähig. Wäre es Zypern, so wäre der ESM schon lange angezapft worden. Das idente Dilemma wie bei den spanischen Banken, nur dort hat man noch ohne Ausehen zu erregen die Kurve gekratzt und gezahlt.

Und die Zahlungsunfähigkeit hat ihren Hauptgrund im Schuldenschnitt von GR. Denn das meiste Geld war in GR-Staatsanleihen (welche ja als Staatsanleihen juristisch, bis zum Schuldenschnitt, als zu 100% sicher galten) angelegt.

immer nur auf die Kleinen geht man los

Das überdimensionierte, aufgeblasene europäische Bankensystem muss verkleinert werden.

Am leichtesten fängt man bei den Schwachen an. Zypern passt da gut - klein, schwach und voller Banken.

Deutschland und Frankreich soll doch selbst mit guten Beispiel vorangehen und vorher ihren eigenen Banken-Saustall aufräumen.
Bei den Landesbanken, den franz. Banken liegen genug Leichen im Keller. Da sind auch die großen toxischen Beträge deren Bereinigung die europäische Bankenlandschaft sanieren könnte und nicht der Zwerg "Zypern".

Aber Politiker gehen immer den Weg des geringsten Widerstands.


Re: immer nur auf die Kleinen geht man los

Ohne die Scheinleistung der Banken würde das europäische BIP aber ganz, ganz anders aussehen und die Politik hätte etlichen Erklärungsbedarf bzgl. vermeintlichem Wachstum und Wohlstand der letzten 2 Dekaden ;)

Sie haben aber Recht, wir brauchen die Banken welche mittlerweile offensichtlich vor allem der Realwirtschaft nicht mehr dienen sondern schaden in der heutigen Form nicht mehr.

Stellens zur OENB einen Server mit einem Austria-Bitcoin Generator, verteilens die Clients ans Fussvolk und gut.

Aus den alljährlich neu generierten Bitcoins werden die "Kredite" vergeben und gut.

Stabile Geldmenge, Politik kann sich nicht mehr an der Notenbank bedienen.

Auf jede Transaktion noch 25% Steuer und man kann das komplette Finanzamt samt Steuergesetzgebung aufs AMS schicken.


Re: immer nur auf die Kleinen geht man los

Die zyprischen Banken haben Schwarzgeld gehortet, zu aberwitzigen Zinsen. Jetzt sind sie pleite.

Auch die Hypo AA und die staatliche bad - Volksbank ist pleite, aber keiner spricht darüber.

wie sich Geschichte wiederholt...

"Als Cavallo Ende November 2001 äußerte, das vom IWF vorgegebene Haushaltsziel nicht zu erreichen, führte dies zu einer Weigerung des IWF, eine vorgesehene 1,25 Mrd. USD-Tranche an Argentinien zu überweisen.
Diese Schreckensnachricht führte zu einem drastischen Vertrauensverlust für den Staat und
so zu einer raschen Kapitalflucht, die das Bankensystem in eine tiefe Krise stürzte.
Um ein komplettes Chaos zu verhindern, führte Cavallo Anfang Dezember das so genannte Corralito ein, das eine
Obergrenze von 250 Peso die Woche für das Abheben von Bargeld von Girokonten vorsieht"

jetzt wiss´ma, was auf uns zukommt....

http://de.wikipedia.org/wiki/Argentinien-Krise

Zypern: EZB bereitet Schritte gegen Kapitalflucht vor

Das Asiatische Zypern an den meistbietenden verscherbeln.
Zyprer sind wie die Griechen ein faules Ei,Wie kann es sein das Zypern mit einem BIP von 19 Milliarden per Anno auf ein p.P von 29.000 Euro kommt?

...es sein denn die Greifen wahllos in die Staatskasse.

Schmeißt das gelumpe raus,mich graust es wenn ich den Schuldenberg virtuell nur vorstelle.


gottes strafe

obwohl die türken im norden für ein gemeinsamen staat mit grosser mehrheit abgestimmt hatten, wollten die zyprioten nichts davon wissen. zyprioten argumentierten, "wir möchten unseren wohlstand und die eu gelder nicht mit den türken teilen."
jetzt liegen sie am boden und weinen um ihre pension und erspartes.
die gerechtigkeit gottes wird früher oder spâter eintreten.

Der STAAT ist der FEIND des Menschen

Keiner hat mehr gemordet als er. Keiner hat mehr gestohlen als er. Keiner hat mehr gequaehlt als er. Keiner unterdrueckt wie er. WEG MIT DEM STAAT.

Re: Der STAAT ist der FEIND des Menschen

Keiner hat mehr gemordet als der Mensch, denn wann immer der Staat gehandelt hat, dann hat er auf Entscheidung von Menschen und durch Menschen gehandelt. Also weg mit dem Menschen.

Sehr gut!

Wer jetzt hier denkt "Oh, ein Anarcho! Er will Chaos", der möge sich bitte genau informieren, was Anarchie ist. Kleiner Tipp: Es ist nicht das, was die Medien uns immer einzutrichtern versuchen.

Re: Der STAAT ist der FEIND des Menschen

Jein
Der SOZIALstaat, der von seiner Regierung überschuldet wird um mit "sozialen Wohltaten" Wähler zu kaufen ist der Feind.

Es braucht einen schlanken Staat, der sich auf seine Kernaufgaben beschränkt.

Ein aufgedunsener Nannystaat, der sich schikanös in alles einmischt und reguliert ist wie ein bösartiges Krebsgeschwür.
Am Ende steht ein schmerzvoller Tod.

 
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