Zypern: "Entscheiden heute über Verbleib im Euro"

22.03.2013 | 12:45 |   (DiePresse.com)

Zyperns Notenbankchef denkt laut über den Verbleib des Landes im Euro nach. Die Regierung stehe in "harten Verhandlungen" mit der Gläubiger-Troika.

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Der zyprische Notenbankchef Panikos Demetriades kündigte heute an, dass das Land noch am Freitag entscheide, ob es beim Euro verbleiben will. "Wenn wir keinen Plan vorlegen, dann wird die europäische Zentralbank unseren Banken am Montag den Geldhahn zudrehen und das Land geht Bankrott", sagte er.

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Indessen ringt das pleitebedrohte Zypern mit den internationalen Geldgebern um seine finanzielle Zukunft. Die zyprische Regierung stehe in "harten Verhandlungen" mit der Gläubiger-Troika, sagte Regierungssprecher Christos Stilianides am Freitag in Nikosia. Doch die Zweifel an dem von Zypern ausgearbeiteten Rettungsplan werden immer größer.

Über das Rettungspaket könnte ein Euro-Gipfel der 17 Staats- und Regierungschefs der Währungsunion am Sonntag befinden. Dieses Gerücht zirkulierte Freitagnachmittag in Brüssel. Ursprünglich wäre eine Eurogruppe der Finanzminister zur Absegnung eines von Zypern auszuarbeitenden Hilfsplans geplant gewesen. Nun könnte auf alleroberster Ebene die Entscheidung fallen, auch im Hinblick auf die Stabilität des Euro und die Zukunft Zyperns, wurde kolportiert.

Entscheidung mit "schmerzhaften Aspekten"

Stilianides bereitete die zyprischen Abgeordneten vor der für den Nachmittag erwarteten Abstimmung über den Rettungsplan auf "große Entscheidungen" mit "schmerzhaften Aspekten" vor: "Aber das Land muss gerettet werden." Das Parlament hatte am Dienstag einen mit der Eurozone ausgehandelten Rettungsplan abgelehnt, weil alle Bankguthaben über 20.000 Euro mit einer Zwangsabgabe belegt werden sollten.

Die Regierung in Zypern hat daher einen Gegenvorschlag gemacht, der am Freitag von Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) geprüft wurde. Nikosia will einen Fonds einrichten, der unter anderem mit Mitteln aus der Rentenkasse, künftigen Einnahmen aus Erdgasvorkommen und von der orthodoxen Kirche in Zypern gespeist werden und Anleihen ausgeben soll. Aus EU-Kreisen hieß es, ein solcher Fonds könne lediglich Teil einer Lösung sein. Dadurch könne Zypern ein bis zwei Milliarden Euro aufbringen, aber nicht die geforderte Eigenbeteiligung von knapp sechs Milliarden Euro. Es zeichnete sich immer deutlicher ab, dass der "Solidaritätsfonds" weder politisch noch technisch umsetzbar ist.

Zyperns Regierung denkt nun erneut darüber nach, eine Zwangsabgabe auf Geldeinlagen einzuführen. Dies sagte der konservative Abgeordnete Prodromou am Freitag im zyprischen Fernsehen. "Es wird die hohen Geldeinlagen betreffen", sagte Prodromou. Über derartige Überlegungen war zuvor bereits spekuliert worden, nun bestätigte dies erstmals ein Politiker.

Merkel gegen Anzapfen der Pensionskassen

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte eine Belastung der Rentenkassen des Landes ab. Es sei "nicht leicht nachzuvollziehen", warum der Rückgriff auf die Pensionskasse zur Sanierung der Bankenbranche "eine besonders gute Idee sein soll", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert. In einer Sitzung der FDP-Fraktion stellte Merkel Teilnehmern zufolge klar: "Wir wollen, dass Zypern in der Eurozone bleibt." Sie warnte Zypern demnach aber, die Geduld der Euro-Partner auszureizen.

Auch in Zypern gab es Kritik an dem Rettungsplan der Regierung. Die Chefs der beiden größten Banken des Landes forderten, zu einer Zwangsabgabe für alle Guthaben über 100.000 Euro zurückzukehren. Ein solcher Plan müsse ohne weitere Verzögerung angenommen werden, forderte der Chef der Bank of Cyprus, Andreas Artemis. "Der ursprüngliche Vorschlag der Eurogruppe war schmerzhaft", sagte der Vorsitzende der Cyprus Popular Bank, Takis Phidias. "Aber er hätte die Zukunft des Bankensektors gesichert."

Die beiden Großbanken sind von der Pleite bedroht. Damit das zyprische Bankensystem nach der geplanten Wiedereröffnung der Geldhäuser in der kommenden Woche nicht durch den massenhaften Abzug von Guthaben zusammenbricht, soll der Kapitalverkehr eingeschränkt werden. Eine Sprecherin der EU-Kommission rief Zypern auf, ein entsprechendes Gesetz schnell umzusetzen.

Barroso "bügelt" in Moskau aus

Zypern kann bisher ergebnislosen Verhandlungen zum Trotz offenbar doch noch auf Hilfe von Russland hoffen. Russland habe "die Tür nicht geschlossen", sagte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew in Moskau. Erst müssten aber Zypern und die Europäische Union eine Einigung finden, bevor Moskau Schritte unternehme. Russische Firmen und Investoren haben auf Zypern Milliardenvermögen deponiert.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hielt sich seit Donnerstag für ein lange geplantes Treffen mit der russischen Führung in Moskau auf. Dabei kam auch die Zypern-Krise zur Sprache. Aus EU-Kreisen hieß es, die Russen seien "rasend" gewesen, weil sie während der Verhandlungen über die Zwangsabgabe für Bankkunden nicht informiert worden seien. Das sei nun aber "geklärt".

(md)

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234 Kommentare
 
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EU in der Doppelmühle

Die EU weiß sicher jetzt schon, daß sie auf jeden Fall Steuergelder ihrer Mitgliedsstaaten in das Faß ohne Boden hineinpumpen wird. Andernfalls wird möglicherweise Rußland es sich etwas kosten lassen, einen Stein aus der EU herauszusprengen. Das Verhältnis der russichen Regierung zu den Oligarchen wird intern geregelt werden. Im Gegensatz zu den sehr wenig weitblickenden Funktionären in Brüssel ist Putins Kalkül, so wie es aussieht, bisher aufgegangen, was im Sinne des Gleichgewichtes in der Welt sicher kein Nachteil ist. Setzt man aber die diversen Rettungsmechanismen wieder einmal in Aktion, wird die EU auf dem Weg der Unbeliebtheit bei der Bevölkerung weiter fortschreiten und sich letztlich dadurch früher oder später selbst zur Strecke bringen.

Feigmann und Spinndi fragen

Liebe Zyprioten, fragt unsere zwei Idioten. Die zahlen gern. Weil's ja nicht ihr Geld is, sondern das von uns Steuerzahlern. Auch wenn wir keine 4,5% Verzinsung bis vor Kurzem hatten.

zypern hatte die wahl:

entweder das eine übel wählen (die beteiligung aller sparguthaben und eine geordnete abwicklung des überdimensionalen finanzsektors, von dem ja auch alle profitiert haben) oder das wahre übel (populismus und daraus folgend "Der Finanzplatz Zypern ist ohnehin erledigt").

wie in solchen fällen üblich hat es sich für den weg entschieden, der das ganze land in den abgrund reissen will.
populismus rules!

Re: zypern hatte die wahl:



Es war die zypriotische Regierung und nicht die EU, die auch eine Zwangsabgabe auf Einlagen unter 100.000,- vorgesehen hatte!

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Re: Re: zypern hatte die wahl:

Das ist keine Zwangsabgabe, es sind Forderungen 1,5 Jahre an zuviel ausbezahlten Zinsen zurückzuzahlen. In dieser Zeit haben Sparguthaben in Österreich inflationsbereinigt einen Verlust von 3 - 4 % eingefahren, in Zypern einen Gewinn von rd. 7,5% oder bei 100000.- € rd. 7500.- € Gewinn, in Österreich rd. 3000 - 4000.- € Verlust.
Differenz Österreich - Zypern rd.
10000.-€ zu Gunsten Zypern, diese Falschmeldungen über Solidarabgaben von den Medien sind unerträglich.

Und was ist mit Luxemburg?

Oder wartet da die EU auch wieder so lange zu bis es zu spät ist.

Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....


Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....


Solches postet also einer aus der Fraktion der Hirnlosen ...

Re: Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....

Btw, cklicken Sie einmal Ihren Nicknamen an. Sie werden feststellen, dass Sie 60 % negative Bewertungen haben, weshalb Sie sich mit unbedachten und primitiven Bemerkungen etwas zurückhalten sollten - speziell wenn Ihnen diese Materie Schwierigkeiten bereitet.

Re: Re: Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....

ich hab ja keine Ahnung, was cybercondor sonst so von sich gibt, aber ich finde, seine "negativ - Bewertungen" als Argument gegen ihn zu verwenden macht wenig sinn.

Ich hoffe doch, dass Sie hier nicht so posten, dass sie möglichst viele "+" kriegen, oder?

Ich wußte nichtmal, dass es eine Übersicht über die "Gesamtstricherln" gibt.

UND - ich find auch, dass ihr obiger kommentar überhaupt nichts aussagte... sorry (ich nehme hiermit ihr "-" an)

Re: Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....

Wenn Sie damit Ihre eigene Fraktion meinen, haben Sie recht !

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Besser gesagt

Der Geldwäscheplatz Zypern ist erledigt. Es ist unnatürlich, daß die Bilanzen zypriotischer Banken das 7-fache des BIP betragen. Zurück auf den Boden der Realität. Das ist gar nicht so schlecht.

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"Der Finanzplatz Zypern ist ohnehin erledigt"

wenn das stimmt dann ist Zypern ein Fischmarkt ohne Fische.

Die hatten nie was anderes als geruchsmäßig bedenkliche Ware und jetzt haben sie nichts mehr.
Gar nichts.
Oder kennen Sie ein zyprisches Produkt?
Keine zyprische Markenware - einfach irgendwas?
Kennen Sie nicht ?

Eben!
Das ist die Antwort.

Das Deutsche Schrapnell soll sich

endlich aus der Sache raushalten.

Re: Das Deutsche Schrapnell soll sich

genau, und vor allem keinen weiteren Euro der deutschen Steuerzahler mehr in dieses Fass ohne Boden werfen. Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es dann auch unserem Aushilfstaxler und seiner Id..tenmanschaft dämmert, dass wor uns das nicht mehr länger leisten können.

Nun sehe ich die zypriotische Staatspleite in völlig neuem Licht.

Bei derartiger Orthographie, wie auf obigen Bild zu sehen, wird die Zinzeszinsrechnung zum unlösbaren Problem.

Re: Nun sehe ich die zypriotische Staatspleite in völlig neuem Licht.

Kannst noch etwas peinlicher?

Genau das ist ja das Ziel, Zypern zu erledigen!


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Re: Genau das ist ja das Ziel, Zypern zu erledigen!

keineswegs - das machen die Zyprioten schon selbst. Man braucht nur ruhig zuzusehen.
Oder wollen Sie sagen deutsche Rentner sind schuld wenn Zyprioten (seit Generationen) finanzkriminellen Mist bauen?

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Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

normale Menschen tun das nicht

Re: Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

Dr. Bruno Kreisky hatte es 2 Mal getan ;-)

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Re: Re: Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

Ich schrieb über Fakten, nicht Phantasien

Re: Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

Richtig und kein A*sch hat sich darüber aufgeregt, auch Frau Merkel nicht! Ich habe den Eindruck, Zypern wird teilweise absichtlich ruiniert, wahrscheinlich haben die deutschen und französischen Banken nicht so viel Geld investiert wie in Griechenland!

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Ist das Ihr Ernst?

Sie wollen ernsthaft behaupten Deutschland ruiniert die Zyprioten weil sie nicht jedem Einwohner den Gegenwert eines nagelneuen Mittelklasse Audi schenkt?


Re: Ist das Ihr Ernst?

Bei Dummheit sind Argumente sinnlos, sorry.

MERKEL - KAPUT!

geiles schild :)))

 
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