Countdown: "Der Finanzplatz Zypern ist ohnehin erledigt"

22.03.2013 | 21:58 |  Von unserem Korrespondenten MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Während in Nikosia fieberhaft nach alternativen Geldquellen gesucht wurde, machte Kanzlerin Angela Merkel klar, dass ein Griff in die Pensionskassen für sie nicht infrage komme.

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Brüssel. Es ist ein Wettlauf gegen die Uhr. Spätestens bis Montag muss die Isolationsstation für den zyprischen Patienten bereitstehen, damit das Virus der Kapitalflucht nicht auf die anderen Länder der EU übergreift. Freitagabend wollte Zyperns Parlament erneut zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über einen Gesetzesvorschlag zu beraten, der die überschuldete Mittelmeerinsel vom internationalen Geldmarkt abschneiden soll.

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Als Kompromissvariante zur Abwendung eines Staatsbankrotts war nach Angaben des zyprischen Fernsehens zuletzt eine Zwangsabgabe von 15 Prozent auf Guthaben von mehr als 100.000 Euro im Gespräch. Präsident Nikos Anastasiades stimmte die Bevölkerung auf „schmerzhafte Schritte“ ein. Das Land müsse gerettet werden, schrieb er in einer Twitter-Botschaft. Ein Regierungssprecher erklärte: „Das wird alle etwas kosten.“ Die Entscheidung darüber soll am Samstag fallen.

Auch Finanzminister Michael Sarris, gerade erst von einer Sondierungsmission in Moskau zurückgekehrt, bekräftigte, dass nun wieder eine Zwangsabgabe zur Debatte stehe. Ein solches Modell hatte das Parlament in Nikosia vor wenigen Tagen mit großer Mehrheit abgelehnt. Auf dem Tapet stand überdies eine Abwicklung eines Teils der Laiki-Bank. Dadurch würde der Finanzbedarf zur Rettung des Bankensektor reduziert, die Verluste für Kontoinhaber allerdings noch höher ausfallen.

17 Mrd. Euro Finanzierungsbedarf

Aus Brüsseler Sicht darf Nikosia die Freiheit des EU-Binnenmarkts einschränken. Wie berichtet, will die Europäische Zentralbank ihre Geldzufuhr für Zypern am Montag kappen, falls es keine Einigung über die Rettung von Banken und Budget gibt. EU und IWF wollen der Insel nicht mehr als zehn Milliarden Euro leihen, der Finanzierungsbedarf wird auf 17 Mrd. Euro geschätzt. Staatschef Anastasiades muss also die fehlenden Milliarden auftreiben – da eine Erhöhung der Unternehmenssteuer sowie Privatisierungen bereits fix eingeplant sind, geht es „nur“ um 5,8 Mrd. Euro, die über eine Sondersteuer für Kontoinhaber eingespielt hätten werden sollen.

Fusion von „Good“ und „Bad“ Bank

Nachdem Zyperns Parlament diese Option abgelehnt hat, sollte ein Plan B, der gestern ebenfalls auf der Agenda des Parlaments stand, Abhilfe schaffen. Er sieht die Gründung eines „Nationalen Solidaritätsfonds“ vor, in den Gelder der öffentlichen Pensionskassen, Kirchenvermögen und Goldreserven der Nationalbank einfließen sollen. Da dies aber nicht reichen dürfte, ist eine Fusion der zwei größten Banken des Landes geplant. Die neue Entität soll dann in eine „gute“ und eine „schlechte“ Bank aufgespaltet werden: die erste mit allen Einlagen unter 100.000 Euro, die zweite mit den restlichen Großkunden der maroden Leiki-Bank – die, so die unausgesprochene Annahme, dann einen massiveren „Haircut“ zu befürchten hätte als die anvisierten 9,9 Prozent.

Kritik kommt nicht nur – wenig überraschend – vom Pensionistenverband und den betroffenen Banken, sondern auch aus Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ am Freitag wissen, dass sie die Plünderung der Pensionskassen für keine gute Idee halte: „Das können wir auf keinen Fall akzeptieren.“ Grund: Pensionen sind nichts anderes als gesetzlich gedeckte staatliche Zahlungszusagen, Zyperns Geldproblem wäre damit also nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben – es sei denn, Nikosia hätte ernsthaft vor, nicht die Kontoinhaber, sondern die Pensionisten zu enteignen.
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble warnte Zypern vor einer Staatspleite. In Zypern wachsen unterdessen die antideutschen Ressentiments. „Wer ist das nächste Opfer?“, fragte Zyperns Ex-Zentralbankchef Orphanides: „Luxemburg? Malta?“ Er sagte: „Europa ist tot.“

Zsolt Darvas von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel weist gegenüber der „Presse“ auf einen weiteren Grund für das fehlende deutsche Mitleid hin: „Noch Ende 2012 waren die Sparkonten auf Zypern mit 4,5 Prozent und in Deutschland mit 1,5 Prozent verzinst.“ Viele ausländische Kontoinhaber – Zypern ist beliebte Anlaufstelle für russisches Kapital, dessen Volumen auf bis zu 30 Mrd. Euro beziffert wird – hätten also darauf gewettet, dass die EU im Fall des Falles die Banken der Insel retten würde.

Und zwar auf Kosten deutscher Steuerzahler und Sparer. Diese Wette ist nun verloren. Darvas: „Als Finanzplatz ist Zypern ohnehin erledigt.“ Selbst mit einem Hilfspaket werde am ersten Tag, an dem die Kapitalschranken nicht mehr gelten, die große Geldflucht einsetzen.

Euro-Krisengipfel am Sonntag?

Sollte Nikosia seinen Plan B absegnen hätte die EU nur wenig Zeit, um ihn zu begutachten. In EU-Kreisen kursierte das Gerücht, die Staats- und Regierungschefs der Eurozone würden am Sonntag in Brüssel das weitere Vorgehen erörtern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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234 Kommentare
 
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EU in der Doppelmühle

Die EU weiß sicher jetzt schon, daß sie auf jeden Fall Steuergelder ihrer Mitgliedsstaaten in das Faß ohne Boden hineinpumpen wird. Andernfalls wird möglicherweise Rußland es sich etwas kosten lassen, einen Stein aus der EU herauszusprengen. Das Verhältnis der russichen Regierung zu den Oligarchen wird intern geregelt werden. Im Gegensatz zu den sehr wenig weitblickenden Funktionären in Brüssel ist Putins Kalkül, so wie es aussieht, bisher aufgegangen, was im Sinne des Gleichgewichtes in der Welt sicher kein Nachteil ist. Setzt man aber die diversen Rettungsmechanismen wieder einmal in Aktion, wird die EU auf dem Weg der Unbeliebtheit bei der Bevölkerung weiter fortschreiten und sich letztlich dadurch früher oder später selbst zur Strecke bringen.

Feigmann und Spinndi fragen

Liebe Zyprioten, fragt unsere zwei Idioten. Die zahlen gern. Weil's ja nicht ihr Geld is, sondern das von uns Steuerzahlern. Auch wenn wir keine 4,5% Verzinsung bis vor Kurzem hatten.

zypern hatte die wahl:

entweder das eine übel wählen (die beteiligung aller sparguthaben und eine geordnete abwicklung des überdimensionalen finanzsektors, von dem ja auch alle profitiert haben) oder das wahre übel (populismus und daraus folgend "Der Finanzplatz Zypern ist ohnehin erledigt").

wie in solchen fällen üblich hat es sich für den weg entschieden, der das ganze land in den abgrund reissen will.
populismus rules!

Re: zypern hatte die wahl:



Es war die zypriotische Regierung und nicht die EU, die auch eine Zwangsabgabe auf Einlagen unter 100.000,- vorgesehen hatte!

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Re: Re: zypern hatte die wahl:

Das ist keine Zwangsabgabe, es sind Forderungen 1,5 Jahre an zuviel ausbezahlten Zinsen zurückzuzahlen. In dieser Zeit haben Sparguthaben in Österreich inflationsbereinigt einen Verlust von 3 - 4 % eingefahren, in Zypern einen Gewinn von rd. 7,5% oder bei 100000.- € rd. 7500.- € Gewinn, in Österreich rd. 3000 - 4000.- € Verlust.
Differenz Österreich - Zypern rd.
10000.-€ zu Gunsten Zypern, diese Falschmeldungen über Solidarabgaben von den Medien sind unerträglich.

Und was ist mit Luxemburg?

Oder wartet da die EU auch wieder so lange zu bis es zu spät ist.

Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....


Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....


Solches postet also einer aus der Fraktion der Hirnlosen ...

Re: Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....

Btw, cklicken Sie einmal Ihren Nicknamen an. Sie werden feststellen, dass Sie 60 % negative Bewertungen haben, weshalb Sie sich mit unbedachten und primitiven Bemerkungen etwas zurückhalten sollten - speziell wenn Ihnen diese Materie Schwierigkeiten bereitet.

Re: Re: Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....

ich hab ja keine Ahnung, was cybercondor sonst so von sich gibt, aber ich finde, seine "negativ - Bewertungen" als Argument gegen ihn zu verwenden macht wenig sinn.

Ich hoffe doch, dass Sie hier nicht so posten, dass sie möglichst viele "+" kriegen, oder?

Ich wußte nichtmal, dass es eine Übersicht über die "Gesamtstricherln" gibt.

UND - ich find auch, dass ihr obiger kommentar überhaupt nichts aussagte... sorry (ich nehme hiermit ihr "-" an)

Re: Re: Zypern ist ein 'gutes' Beispiel für den Zustand in der gesamten Europäischen Union .....

Wenn Sie damit Ihre eigene Fraktion meinen, haben Sie recht !

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Besser gesagt

Der Geldwäscheplatz Zypern ist erledigt. Es ist unnatürlich, daß die Bilanzen zypriotischer Banken das 7-fache des BIP betragen. Zurück auf den Boden der Realität. Das ist gar nicht so schlecht.

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"Der Finanzplatz Zypern ist ohnehin erledigt"

wenn das stimmt dann ist Zypern ein Fischmarkt ohne Fische.

Die hatten nie was anderes als geruchsmäßig bedenkliche Ware und jetzt haben sie nichts mehr.
Gar nichts.
Oder kennen Sie ein zyprisches Produkt?
Keine zyprische Markenware - einfach irgendwas?
Kennen Sie nicht ?

Eben!
Das ist die Antwort.

Das Deutsche Schrapnell soll sich

endlich aus der Sache raushalten.

Re: Das Deutsche Schrapnell soll sich

genau, und vor allem keinen weiteren Euro der deutschen Steuerzahler mehr in dieses Fass ohne Boden werfen. Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es dann auch unserem Aushilfstaxler und seiner Id..tenmanschaft dämmert, dass wor uns das nicht mehr länger leisten können.

Nun sehe ich die zypriotische Staatspleite in völlig neuem Licht.

Bei derartiger Orthographie, wie auf obigen Bild zu sehen, wird die Zinzeszinsrechnung zum unlösbaren Problem.

Re: Nun sehe ich die zypriotische Staatspleite in völlig neuem Licht.

Kannst noch etwas peinlicher?

Genau das ist ja das Ziel, Zypern zu erledigen!


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Re: Genau das ist ja das Ziel, Zypern zu erledigen!

keineswegs - das machen die Zyprioten schon selbst. Man braucht nur ruhig zuzusehen.
Oder wollen Sie sagen deutsche Rentner sind schuld wenn Zyprioten (seit Generationen) finanzkriminellen Mist bauen?

Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

normale Menschen tun das nicht

Re: Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

Dr. Bruno Kreisky hatte es 2 Mal getan ;-)

Re: Re: Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

Ich schrieb über Fakten, nicht Phantasien

Re: Nur Orban hat den Arbeitern die Pensionskassen ausgeraubt,

Richtig und kein A*sch hat sich darüber aufgeregt, auch Frau Merkel nicht! Ich habe den Eindruck, Zypern wird teilweise absichtlich ruiniert, wahrscheinlich haben die deutschen und französischen Banken nicht so viel Geld investiert wie in Griechenland!

Ist das Ihr Ernst?

Sie wollen ernsthaft behaupten Deutschland ruiniert die Zyprioten weil sie nicht jedem Einwohner den Gegenwert eines nagelneuen Mittelklasse Audi schenkt?


Re: Ist das Ihr Ernst?

Bei Dummheit sind Argumente sinnlos, sorry.

MERKEL - KAPUT!

geiles schild :)))

 
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