OECD-Ausblick: "Die Eurozone bleibt verwundbar"

28.03.2013 | 16:22 |   (DiePresse.com)

Die Eurozone gefährdet laut OECD die Erholung der Weltwirtschaft. Es gebe "ein starkes Argument, die Geldpolitik noch weiter zu lockern".

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Die Euroländer bleiben nach Einschätzung der OECD unter den großen Industrieländern die Stiefkinder der weltwirtschaftlichen Erholung. Allein Deutschland könnte unter den großen europäischen Volkswirtschaften mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten in der ersten Jahreshälfte 2013 mithalten, wie aus dem Konjunkturausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die sieben etablierten Industrieländer am Donnerstag hervorgeht. In Deutschland erwarten die OECD-Volkswirte im ersten Quartal ein Wachstum auf Jahressicht von 2,3 Prozent und im zweiten Quartal von 2,6 Prozent. Stärker dürften von Jänner bis März nur die USA mit 3,5 Prozent und Japan mit 3,2 Prozent zugelegt haben. Im zweiten Quartal allerdings werde der Zuwachs dieser beiden Länder unter dem Deutschlands liegen.

Schwache Nachfrage, geringe Teuerung

Eine Schlüsselrolle zur Förderung des Wachstums kommt der OECD zufolge der Geldpolitik zu, auch wenn dies Risiken mit sich bringe. Die finanzpolitischen Spielräume seien begrenzt. "Die Eurozone bleibt verwundbar", warnen die Experten. Gerade die aktuelle Zypern-Krise zeige, dass den Schwächen im Bankensektor noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. "Es gibt ein starkes Argument, die Geldpolitik noch weiter zu lockern", erklärten sie und verwiesen auf die schwache Nachfrage und die geringe Teuerung. Die Gefahr eines größeren Inflationsdrucks durch eine expansivere Geldpolitik sei gering.

"Die Weltwirtschaft erholt sich, doch Europa bleibt zurück", urteilt die OECD. Die anhaltende Krise im Euroraum laste auf dem globalen Aufschwung. Insgesamt rechnen die Volkswirte der Organisation mit einem Wirtschaftswachstum im ersten Quartal in den Ländern der G-7 - USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland - von zusammen 2,4 Prozent und von 1,8 Prozent im zweiten Quartal. .

Beim Wachstum in den ersten drei Monaten liegt Deutschland auf Rang drei. Im zweiten Quartal führt das Nachbarland nach den OECD-Zahlen sogar die Liste an. Die drei größten Industrieländer im Euroraum sollten demnach von Jänner bis März lediglich um eine Jahresrate von 0,4 Prozent wachsen und von April bis Juni um 1,0 Prozent. Dabei werde die Wirtschaft Italiens um 1,6 beziehungsweise 1,0 Prozent weiter schrumpfen. Frankreich sollte nach einem Minus von 0,6 Prozent im ersten Quartal im zweiten Vierteljahr die Trendwende schaffen und ein Plus von 0,5 Prozent verzeichnen.

Schwellenländer als Wachstumslokomotiven

Wachstumslokomotiven für die Weltwirtschaft blieben aber auch 2013 die Schwellenländer, resümierte die OECD. Sie legten im Durchschnitt erheblich kräftiger zu als die Industrieländer. In China beispielsweise lägen die Wachstumsraten auf jährlicher Basis im ersten Halbjahr oberhalb von acht Prozent. Allerdings gebe es auch zwischen den einzelnen Schwellenländern erhebliche Unterschiede. Generell bleibe der Unsicherheitsfaktor bei den neuen Prognosen hoch, warnte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Die Flaute am Arbeitsmarkt bleibe in vielen OECD-Ländern eine großes Problem - in Teilen der Eurozone habe sich die Lage noch weiter verschlechtert. Auch in den USA gebe es hier noch Verbesserungsbedarf.

Für die Eurozone warnte Padoan angesichts des schwachen Wachstums und der hohen Arbeitslosigkeit vor zusätzlichen harten Sparmaßnahmen - auch wenn dies bedeuten könnte, dass Defizitziele vermutlich nicht eingehalten würden. Padoan appellierte insbesondere an die Staaten mit einem Handelsüberschuss, zu mehr Wachstum in Europa beizutragen. So sollten in Deutschland die Löhne angehoben und damit die Binnennachfrage angekurbelt werden.

(APA/Reuters/AFP)

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2 Kommentare
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Kapitalismus und die Privilegien- und Pfründewirtschaft suchen endloses Wachstum,

. . . doch der Parameter einer sozial gerechten Marktwirtschaft sollte Vollbeschäftigung und im Interesse des Konsumenten sein.
Die Welt brauchte Produktivität, Investitionen für den Konsumenten, nicht Abzocker, die Multinationalen und Spekulanten, die Großbanken am globalen Finanzmarkt.
Zypern sollte dem miesesten Hausverstand erleuchten, dass es ökonomisch katastrophal, ja unmoralisch war, dass Banken mit fremdem Geld die Miss- und Schuldenwirtschaft eines Staates, Griechenlands finanzierten.

Bei einer Krankheit muß man den Herd bekämpfen!


Nich die Symtome, das bringt nichts!

Deshalb, weg mit der EU und dem Euro!

Wir könnten reicher sein als die Schweiz!


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