Troika legt Veto gegen griechische Bankenfusion ein

Der Zusammenschluss von National Bank of Greece und Eurobank hätte eine neue Großbank geschaffen. Mit einer Bilanzsumme so groß wie die griechische Volkswirtschaft wäre die neue Bank „too big to fail“ gewesen.

Die Bankkunden sind nach der geplatzten Fusion verunsichert.
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Die Bankkunden sind nach der geplatzten Fusion verunsichert.
Troika legt Veto gegen griechische Bankenfusion ein – (c) REUTERS (JOHN KOLESIDIS)

Athen. Überraschung im griechischen Bankenpoker: Kurz vor Abschluss der Hochzeit zwischen der größten griechischen Geschäftsbank, der National Bank of Greece (NBG), und der Eurobank, legte sich die Gläubiger-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds quer. Ihr war die Schaffung einer europäischen Großbank zu riskant, deren Bilanzsumme mit um die 170 Milliarden Euro so groß wie die gesamte griechische Volkswirtschaft gewesen wäre. Eine reichlich späte Entscheidung – immerhin war die Fusion bereits im Oktober 2012 eingeleitet worden, ohne dass man vonseiten der Troika entscheidende Einwände gehört hätte.

Die Finanzmärkte reagierten auf die Neuigkeiten verunsichert: Die Aktien der beiden Banken brachen am Montag ein. Tatsächlich ist die Zukunft der lange staatlichen NBG und der Eurobank, gegründet von der Reeder-Familie Latsis, nun völlig offen. Die beiden Banken müssen aufgrund des im Frühjahr 2012 vorgenommenen griechischen Schuldenschnitts über den Bankenrettungsfonds mit insgesamt 15,6 Milliarden Euro rekapitalisiert werden, dann werden die Banken in Staatsbesitz übergehen.

Die zuständige „Griechische Kassa zur finanziellen Stabilität“ lässt sich noch nicht in ihre Karten blicken. Sie könnte die Fusionierung weiterbetreiben, die Banken getrennt verkaufen oder aber, wie viele Anleger fürchten, abwickeln. Der griechische Finanzminister, Giannis Stournaras, jedenfalls beeilte sich den griechischen Sparern zu versichern, dass „alle Bankeinlagen gesichert“ sind. Tatsächlich ist ein „Schnitt“ der Einlagen unwahrscheinlich: Die insgesamt 50 Milliarden Euro zur Rettung der griechischen Banken wurden bereits nach Griechenland überwiesen, die Europäer haben die vollständige Rekapitalisierung zugesichert.

Späte Kapitalaufstockung

Die Bankenrettung übrigens, auf die die finanziell ausgetrockneten griechischen Unternehmen und potenzielle ausländische Investoren immer ungeduldiger warten, hat sich stark verspätet. Erst verzögerten die griechischen Wahlen 2012 das Programm, dann zierten sich die internationalen Gläubiger mit der Auszahlung der nötigen Geldmittel. Den Banken war das recht, sie suchten Ende 2012 durch Fusionierungen den privaten Anteil am Eigenkapital zu stärken – horteten dadurch aber das Geld, anstatt es in Umlauf zu setzen. Inzwischen aber sperrten tausende Firmen zu, die keine Kredite mehr bekamen. NBG und Eurobank wollten die Kapitalaufstockung weiter hinauszögern, um die Fusionierung abzuschließen. Auch das wollte die Troika vermeiden.

Das größte Problem des Bankensektors sind die krisenbedingten „faulen“, das heißt unbedienten Kredite. Internationale Prüfer schätzten bereits 2012, dass die Verluste der Banken durch faule Kredite bis 2014 nicht weniger als 46,8 Milliarden Euro betragen werden, eine immense Summe.

Die griechische Zentralbank beruhigte damals: Rückstellungen der Kreditinstitute und das Bankenrettungspaket seien genug, um diese Verluste auszugleichen. Aber allein im Jahr 2012 stieg die Zahl der problematischen Kredite um 20 Milliarden Euro, weit schneller als erwartet. Inzwischen sollen bereits um die 30 Prozent aller Kredite nicht mehr bedient werden. Das hat wohl auch eine Rolle bei der Entscheidung der Troika gespielt, den Griechen keine potenziell „faule“ Großbank mehr zu gestatten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2013)

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