Griechische Ökonomen gründen Anti-Euro-Partei

14.05.2013 | 06:48 |   (DiePresse.com)

Die Bewegung "Drachme fünf Sterne" tritt dafür ein, dass alle südlichen Euro-Länder unter der Führung Italiens die Währungsunion verlassen.

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Ökonom Hans-Werner Sinn und Komiker Beppe Grillo zählen zu den Paten der neuen griechischen Bewegung "Drachme fünf Sterne". Und auch der Gründer der Partei, deren primäres Ziel der Euro-Austritt ist, ist in Athen kein unbeschriebenes Blatt mehr: Theodoros Katsanevas war Mitbegründer der sozialistischen PASOK, für die er von 1989 bis 2004 im Parlament saß. Außerdem war er mit der Tochter des mittlerweile verstorbenen Ex-Regierungschefs Andreas Papandreou verheiratet.

Katsanevas, der an der rennomierten London School of Economics studierte und heute Wirtschaft an der Uni Piräus lehrt, gründete gemeinsam mit rund 200 Ökonomen und Intellektuellen die Euro-Austrittspartei. Er setzt sich dafür ein, dass die südeuropäischen Mitgliedsländer die Währungsunion geschlossen verlassen - idealerweise unter der Führung Italiens. Die Verbindung zu Italien spiegelt sich auch im Parteinamen wider. Dieser bezieht sich auf Beppe Grillos Protestbewegung "Fünf Sterne", die bei den Wahlen im Februar die meisten Stimmen erhalten hatte.

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Sinn erfreut über Parteigründung

Außerdem beruft sich Katsanevas auf Hans-Werner Sinn, Chef des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo. Sinn, der sich schon lange für einen Euro-Austritt Griechenlands ausspricht, sagte der "F.A.S.", es freue ihn, dass nach "Plan B" nun schon die zweite Partei für den Austritt Athens ist: "Das ist die einzige Chance, die das Land hat, wieder auf die Beine zu kommen." Dass die Griechen Italien gleich mitnehmen wollen, freut ihn weniger. "Wenn ich über Italien zu bestimmen hätte, würde ich die Austeritätspolitik wählen", so Sinn.

EPA GREECE PARTIES

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Die letzten Parlamentswahlen in Griechenland gab es im Juni 2012, damals wurde ND-Vorsitzender Antonis Samaras Ministerpräsident gekürt. Aktuellen Umfragen zufolge ist die Mitte-Rechts-Partei Nea Demokratia (ND) mit rund 20 Prozent Zustimmung die populärste Partei, dicht gefolgt von der radikalen Linkspartei Syrzia.

Würde die Partei ähnlich gut abschneiden wie Grillos "Fünf Sterne", würde sie in Griechenland auf Platz eins liegen, berechnet die italienische Tageszeitung "La Repubblica". Dass das tatsächlich passieren wird, ist jedoch zu bezweifeln. Denn anders als Grillo war Katsanevas lange Zeit selbst Teil des politischen Systems, das die Schuldenkrise mitzuverantworten hat.

(sk)

 
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79 Kommentare
 
12 3
retired
14.05.2013 10:22
2

Wirkliche Euro-Fans hat Frank Stronach nicht in seinem Expertenteam,

dafür aber namhafte Euro-Kritiker. So konnte Stronach den Autor und Wirtschaftsprofessor Wilhelm Hankel als Berater für sich gewinnen.

Hankel hatte im Sommer 2012 gemeinsam mit anderen ESM-Gegnern gegen den permanenten Euro-Rettungsschirm geklagt. Für Hankel hat die deutsche Bundesregierung "den Rubikon überschritten", zitierte die Berliner Morgenpost ihn im Juli 2012.

Nach Ansicht des Wirtschaftsprofessors wurde mit dem dauerhaften europäischen Rettungsschirm ESM und dem Fiskalpakt Deutschland zu einem Bundesstaat, der seine Souveränität unwiderruflich an Brüssel abgetreten hat: "Wirtschaftlich bedeutet die Euro-Rettung zudem den Ruin Europas."

Hankel hatte bereits 1998 gegen die Einführung des Euro geklagt. Damals übrigens ebenfalls gemeinsam mit Ökonom Wilhelm Nölling und Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider, die Hankel auch 2012 bei der Klage gegen den ESM unterstützten.

Der Tenor der Klagschrift: "Der Euro darf 1999 nicht eingeführt werden; Deutschland und Europa sind für die Währungsunion nicht reif; sie würde scheitern, die Folgen wären für die Bürger, die Wirtschaft und den europäischen Einigungsprozeß katastrophal."

tecum
14.05.2013 10:14
2

Austritt fraglich?!

Mit einem Austritt aus der Währungsunion ist den südlichen Ländern vermutlich mehr geholfen als mit einem Austritt von der EU. Diese Länder könnten schneller Tritt fassen, aber auch in den alten Problemen verweilen.
Die angeblich einfache Rechnung mit einem Totalaustritt lässt sich in dieser Form nicht machen!

cybersmile
14.05.2013 07:54
4

Tja...Anti EU - Parteien

Wir,- Europäer (?) haben die Fremdbestimmung satt!

„Alternative für Deutschland“ (AfD)

Die neue griechischen Bewegung "Drachme fünf Sterne".

England und Wales hat die antieuropäische Unabhängigkeitspartei UKIP.

EU- Austrittpartei Österreich

Attac in
Frankreich, Deutschland, Spanien, Österreich, Griechenland, Norwegen, Island, Schweden, Belgien und Finnland,….

Bricop
14.05.2013 07:42
1

Euro befürworten ohne politische Union

ist unmöglich, oder soll die Troika für immer durch die Gegen sausen????
Leute glauben zu lassen dass es geht ist fahrlässig.

Bricop
14.05.2013 07:32
1

I like

wir haben die Wahl zwischen: alle "Reichen" raus oder alle Anderen, einen gemeinsamen Nenner für den Euro wird es niemals geben, zudem immer noch bei der Einführung beide Augen zugedrückt werden...

wosmenschelt
14.05.2013 01:39
4

Re-Drachme?

Aber zuerst die unzähligen eu-milliarden absahnen..? Und dann abwerten...!
Diese schlechte, griechische tradition hat sich für einige doch bezahlt gemacht...

dudelsack3.0
13.05.2013 22:48
10

gute idee!

italien, spanien, portugal, spanien und zypern sollen ihre eigene währungsunion gründen!

unter italiensicher führung.
der draghi kann sich dann endlich aus der EZB vertschüssen, und die neue südlichen zentralbank übernehmen.

in der nord EZB sollte dann ein vernünftiger, anständiger zentralbankchef übernehmen
mir kämen ua weidmann und weber in den sinn, sicherlich nicht der sozialistische nowotny, der vermutlich ständig gegen deutschland stimmt, und österreich in der EZB an die südländer verkauft!

der deutsche bundesbankchef sollte so wie der bundesfinanzminister im ESM eine sperrminorität erhalten.

dann würde endlich wieder preisstabilität und anstand in die geldpolitik einkehern

ceteracenseo
13.05.2013 21:57
4

Sinngeschwafel = sinnlos

Treten die alle aus dem Euro aus, sind wir die Gelackmeierten, das Geld, das die Griechen nie gesehen haben, sondern die deutschen und französischen Banken, geht in Rauch auf, und wir (nicht die schuldigen und gestützten Zockerbanken) dürfen zahlen. Für einen schadensminimierenden Austritt ist es viel zu spät. Außerdem wurde ja speziell GR von Frau Merkel kaputtgespart, wobei auf die schieflastigen GR-Steuergesetze nur zu Lasten des Klein- und Mittelstandes, nicht der Großen (Multis, Reedereien, Parteibonzen von PASOK und ND etc.) Einfluss genommen wurde.

Aber noch eine Kleinigkeit: Wer dividiert die USA auseinander (Kalifornien ist bankrotter als GR), wie Amerika insgesamt schlechter dasteht als I oder FR. Nur die gekauften (pardon lobbyistenhörigen) EU-Politiker lassen sich von den - wohlgemerkt - amerikanischen Ratingagenturen treiben.

Solange keine intelligenten Ideen gegen die Krise und gegen die Zockerbanken (z.B. 0,5%-1% Finaztransaktionssteuer statt 0,01%, Verbot von Derivaten der 2. Stufe auf Lebensmittel, Öl, u.) gibt, wird der Wirtschaft immer mehr Geld entztogen u8nd die Steuerzahler zusätzlich geschröpft, egal ob mit oder ohne Euro.

Antworten Bricop
14.05.2013 07:33
1

Re: Sinngeschwafel = sinnlos

das passiert wowieso, früh oder spät, das Geld ist weg.

Antworten wosmenschelt
14.05.2013 01:44
6

Re: Sinngeschwafel = sinnlos

Stimmt schon.
Allerdings wäre es verfehlt, zb. die mehrheit der griechischen bürger als unschuldslämmer anzusehen!

Antworten Antworten Bricop
14.05.2013 07:35
0

Re: Re: müssen sie welche sein?

sie müssen keine Unschuldslämmer sein, aber bitte außerhalb des Euros! Woher nehmen wir uns das Recht zu bestimmen wie sie sein müssen????

Antworten Antworten Antworten wosmenschelt
18.05.2013 18:56
1

Re: Re: Re: müssen sie welche sein?

- wer unsummen bezahlt, der darf ein wenig mitreden??

Antworten Antworten Johan Meltini
14.05.2013 07:22
2

Re: Re: Sinngeschwafel = sinnlos

Kennen sie die Mehrheit der Griechen?
Ich kenne einige Griechen und nicht nur solche aus Gastronomie und Tourismus, bei denen ich in der Lebenführung keinen Unterschied zu meiner, grob gesagt, durchschnittlich bürgerlich-deutschsprachigen gesehen hätte, außer dass ich frei von den chauvinistischen Affektdispositionen bin, die mir die Sachlichkeit vernebelten.

Antworten Antworten Antworten wosmenschelt
18.05.2013 18:59
0

Re: Re: Re: Sinngeschwafel = sinnlos

Kennen sie (griechische) zeitgeschichte?

Antworten Antworten Antworten Bricop
14.05.2013 07:36
0

Re: Re: Re: Sinngeschwafel = sinnlos

es ist ihr gutes Recht... sie arbeiten länger als die Deutschen, wobei die Anwesenheit am Arbeitsplatz gemeint ist.

culo con oreja
13.05.2013 20:50
5

eh nicht schlecht.....

...jetzt hat man über Jahre kriminelle Polit-Odioten gewähren lassen, da wäre es jetzt höchste Zeit, endlich einmal kluge Menschen werken zu lassen!
PS: aber vor der Währungsumstellung, wäre es mir recht, wenn sie die fektrischen Daswirdeingeschäftmillionen, BITTE, an die österreichischen Steuerzahler zurückzahlen...ansonsten müssen wir ihre Eseln und Eselinnen pfänden lassen...eine haben wir eh schon da, die könnts euch aber bitte abholen!

yamo
13.05.2013 19:40
2

Bin schon gespannt

ob die Foren auch dann noch jubeln, wenn die EURO-Austreter beschließen auch ihre Schulden in die neue Währung zu übertragen, diese dann mit abwerten und damit die nächste Runde in der Bankenkrise auslösen...

Antworten Bricop
14.05.2013 07:38
7

Re: Bin schon gespannt

Noch nicht kapiert dass das Geld auf jedem Fall weg ist????

Antworten Hubertine
13.05.2013 22:56
6

Re: Bin schon gespannt

Dümmlicher Kommentar.
1)Das Geld ist sowieso schon weg, ob mit oder ohne Euro.
2) GR kann sowieso nicht zahlen .Es ist pleite. Mit oder ohne Euro.
3)GR hat nicht mehr viele private Gläubiger.Wer leiht auch Zahlenfälschern, also Betrügern Geld? Nur die EU, derESM, der EFSF und die EZB.
4) Wer ist denn an der Misere schuld? Zuvorderst natürlich die betrügerischen Kreditnehmer. Dann aber auch die Gläubiger. Die Eurogruppe hat jetzt erfolgreich aber für die Steuerzahler desaströs, die vorher privaten Gläubiger GR in öffentliche Gläubiger umgewandelt. Jetzt schmerzt ein Euroaustritt die Banken nicht mehr so sehr, den Steuerzahler umso mehr. Aber das hat unseren Taxifahrer, den Kartoffelbauer Pepi Pröll(ein gutes Geschäft) und andere wirtschaftliche "Koryphäen" noch nie gestört, wie man am Desaster der HypoAA ersehne kann. Der einzige Vorteil des Euroaustritts wäre, daß endlich die Alimentierung GR mit fremder Leute Geld aufhörte.

Antworten Antworten yamo
14.05.2013 08:17
0

Re: Re: Bin schon gespannt

Wenn es so weit käme, und die Banken wieder um Rettung anstehen, dann werden Sie sehen dass mein Kommentar 100 % richtig lag. Poster wie Sie verhalten sich nämlich sehr vorhersehbar.

eurasia
13.05.2013 19:29
1

das ist die lösung

ein esel hat auf einer pferderennbahn nichts verloren!

Novaris
13.05.2013 19:27
1

EURO-Austritt --- aber wie ?

Der EURO-Austritt ist nach den abgeschlossenen Verträgen nicht vorgesehen.
Es bleiben somit folgende Varianten :
1. EURO-Austritt durch EU-Austritt -
2. EURO-Austritt durch Vertragsbruch -
3. EURO-Austritt durch Vertragsänderungen -
Die Varianten 1 und 2 dürften für Deutschland zu politischen "Verwerfungen" führen, da Deutschland nach dem Willen der westlichen Siegermächte des WKII in die EU
(+ NATO)"eingebunden" sein soll.
Es bleibt Variante 3. Vertragsänderungen müssen allerdings z.Zt. 27 EU-Staaten zustimmen. Ein voraussichtlich langjähriges Verfahren. Für Deutschland ein Zeitraum, der
vermutlich von der "Entwicklung" überholt werden dürfte.
Es bleibt somit nur zu hoffen, dass Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal, Irland etc. kurzfristig den Vertragsbruch wählen.
Die "Sparschmerzen" müssen somit noch größer werden.
Der EURO wird sich jedoch spätestens dann erledigt haben, wenn Deutschland durch den "Export seiner Kreditwürdigkeit" im Rating soweit geschädigt ist, dass es als Garant für "Rettungen" der verschiedensten Art inakzeptabel geworden ist.

Antworten Bricop
14.05.2013 07:40
0

Re: wer hat angefangen Verträge zu brechen?

3% Schulden
ESM und no bail out...
dann können wir so weiter machen.
Vorgesehen war die Krise auch nicht.

warning signal
13.05.2013 19:06
9

Der kontrollierte Euro Ausstieg wird real

Diese Partei ergänzt sich doch super mit der AFD in Deutschland. Jetzt dürfen unsere Hoffnungen auf einen Euro Ausstieg aber berechtigt wachsen.

Max B.
13.05.2013 18:24
6

ein paar sind ja doch noch bei verstand.

italien würde ich auch nicht dazunehmen.
aber die anderen - ja.
ranhalten und zsammhalten. dann wird das schon.

Antworten Max B.
13.05.2013 23:23
0

Re: ein paar sind ja doch noch bei verstand.

ja - natürlich nur wenn die das wollen.
wenn sie meinen daß ihnen das hilft.
optimal ist natürlich immer die unabhängigkeit.
souveränität.

die probleme sind nämlich nirgendwo die selben, und deshalb kann die lösung auch nicht die selbe sein.
also wenn schon dann besser ganz ohne faule kompromisse.
so haben sie die beste chance.

 
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