"Deutschland über alles": Banker witzeln über Irland-Krise

27.06.2013 | 11:47 |   (DiePresse.com)

Telefonmitschnitte zeigen, wie irische Top-Banker sich 2008 über die Banken-Rettung amüsierten. Die Causa könnte ein Nachspiel vor Gericht haben.

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Die Empörung in Irland ist groß, nachdem die Zeitung "The Irish Independent" entlarvende Telefonmitschnitte von Gesprächen zwischen Top-Bankern veröffentlichte. In den Telefonaten witzelten die Manager im Jahr 2008 über die Rettung der Maroden Anglo Irish Bank, die mittlerweile abgewickelt wurde. So rief David Drumm, Ex-Chef der Bank, seine Mitstreiter am Telefon dazu auf, "einfach das Geld einzutreiben" - oder sagt lapidar: "Ein neuer Tag, eine neue Milliarde". An anderer Stelle amüsiert er sich köstlich, während ein Kollege "Deutschland, Deutschland über alles" singt. Der Hintergrund: Mit der Garantie des irischen Staates für die Banken wollte Drumm deutsche Großinvestoren anlocken.

>>> zu den Mitschnitten über Deutschland

"Summe aus dem Arsch gezogen"

Aus den Telefonaten geht auch hervor, dass die Anglo-Irish-Bank-Manager zum Ausmaß des nötigen Überbrückungskredits für das marode Instituts dreist gelogen haben, als sie sieben Milliarden von der Zentralbank forderten. So sagte der Leiter des Kapitalmarktgeschäfts der Bank, John Bowe, zu seinen Kollegen: "Diese Summe ist frei erfunden. Ich habe sie mir aus dem Arsch gezogen." Die Bank benötigte tatsächlich viel mehr Geld.

Dass in der Bevölkerung die Wogen hoch gehen, ist mehr als verständlich: Die Kapitalspritzen für die inzwischen abgewickelte Anglo Irish Bank sowie zwei weitere Institute kosteten die irischen Steuerzahler rund 30 Milliarden Euro und machten das ehemalige Boom-Land der Eurozone zum Bittsteller in Brüssel und Washington.

Finanzkrise in Irland
Die Finanzkrise hatte Irland besonders hart getroffen - der extrem aufgeblähte Bankensektor geriet nach dem Platzen einer Immobilienblase 2008 in Schieflage. Die Anglo Irish Bank erhielt rund 28 Milliarden Euro an Kapitalspritzen. Sie wurde heuer abgewickelt. Zuletzt hatte sie noch 850 Mitarbeiter.

2010 machte das Institut einen Verlust von fast 17 Milliarden Euro. Irland erhielt aufgrund der Verwerfungen in der Krise von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds eine Nothilfe in Höhe von 85 Milliarden Euro.

Nachspiel vor Gericht?

Den Managern droht jetzt ein Nachspiel: Regierungskreisen zufolge könnte Irland nun doch Einzelne für ihr Verhalten im Jahr 2008, als die Bankenkrise das Land finanziell fast in den Abgrund stürzte, zur Rechenschaft ziehen. Eine 2011 gescheiterte Volksbefragung, mit der die Befugnisse des Parlaments entsprechend erweitert werden sollten, könnte wiederholt werden, sagte ein Regierungsvertreter in Dublin am Mittwoch. Ein solches Referendum hätte durchaus Aussicht auf Erfolg.

"Als das Referendum gescheitert war, hatte sich die Regierung damit abgefunden", sagte der Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Aber weil das Thema auf so dramatische Weise ins öffentliche Interesse zurückgekehrt sei, müsse die Regierung nun alle Optionen prüfen. Im Raum steht auch der Verdacht, dass die Bank-Manager die irische Zentralbank in die Irre geführt haben, um sich von den internationalen Geldspritzen möglichst viele Mittel für ihr Institut zu sichern. Im Schatten der Präsidentenwahl 2011 war das Referendum nur mit einer halbherzigen Kampagne vorbereitet worden. Eine Wiederholung könnte in der Zustimmung der meisten Iren enden.

Parlamentarische Untersuchung erwartet

Die Enthüllungen des "Irish Independent" seien "wirklich schockierend", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Eamon Gilmore. Sie verdeutlichten Arroganz, Überheblichkeit und Desinteresse an den Belangen der Steuerzahler und des irischen Volkes. Er versprach, schnell nötige Rahmenbedingen für eine parlamentarische Aufarbeitung zu schaffen. Eine Untersuchung wird für den Herbst erwartet, über die Modalitäten und Zuständigkeiten des Untersuchungsausschusses wird noch gestritten. Joan Burton von der Labour-Partei hatte zuvor den ehemaligen Ministerpräsidenten Brian Cowen aufgefordert, Einzelheiten zu veröffentlichen.

(APA/Reuters/dpa)

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35 Kommentare
 
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Hauptsache Frau Merkel hat brav gemacht

was Ackermann ihr zugetragen hat. Alle Banker lachen uns aus.

Der "grosse Bruder" hört mit

Ich staune, mit welcher Selbstverständlichkeit es heutzutage möglich ist, Telefonate abzuhören. Verstehen Sie mich richtig: Auch ich halte die Konversation zwischen diesen beiden Bankern für einen Skandal. Aber die andere Seite, eben das Abhören von privaten Telefongesprächen, macht mich auch wütend. Der grosse Bruder steht nicht vor, sondern schon in der Tür.

Surprise, Surprise,

wer hat ernsthaft gedacht, dass es anders läuft?

Für diese Abschaum Banker

wird auch noch die Stunde der Wahrheit schlagen.

Und wer ....

....hat geglaubt, dass es anders ist? Die Branche ist seitdem sie dereguliert wurde völlig außer Rand und Band, geradezu verrottet!
Und bei diesen Gehältern, die interessanterweise auch in der Krise markant angestiegen sind, muss ein Banker doch größenwahnsinnig werden.

Moral Hazard

Das kommt eben dabei heraus, wenn man solche Blanko-Vollkasko-Schecks ausstellt. Man wird hinten und vorne ausgeplündert, betrogen und zum Dank noch ausgelacht.

Darum darf es in Zukunft kein "too big to fail" mehr geben. Banken gehören genauso behandelt wie auch jeder andere privatwirtschaftliche Betrieb. Lediglich die Einlagen gehören gesichert und der Rest schonungslos abgewickelt, durch Bilanzfälschung und Konkursverschleppung erschlichene Bonuszahlungen eingeklagt und Bankmanager die sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Staatshilfen erschlichen haben wegen Betrugs abgeurteilt.
Damit würde den Psychopathen im Nadelstreif schnell ihr arrogantes Gelächter vergehen. So aber haben sie wegen der dummen Politiker die ihnen das Geld der Steuerzahler förmlich nachschmeißen leider allen Grund dazu in Feierlaune zu sein und NICHTS aus ihren Fehlentscheidungen zu lernen. Moral hazard at it's best.

Re: Moral Hazard

Meine Meinung. Und die Theorie, dass dann durch Dominoeffekt eine Bank nach der anderen fällt, halte ich für ein brutales Märchen, das nur zur öffentlichen Aufwiegelung kolportiert wurde und wird....
Lasst die schwarzen Schafe sang und klanglos untergehen! WIe in der klassischen Wirtschaft auch...

Bankeinlagen darf man nicht staatlich garantieren!!

Dann würden Sparer nur sicheren Banken ihr Geld anvertrauen, und die Bankmanager hättein ein Interesse daran, die Bank sicher aufzustellen.

Sobald die Einlagen garantiert sind, zocken die Banker mit dem Geld der Sparer, und wir haben den Schlamassel, in dem wir uns gerade befinden.

ich wette,

dass die bangster in der deutschen bank oder besonders in london noch weit mehr gaudi mit uns haben...

wer zuletzt lacht

werden wir in dieser Angelegenheit sicher noch sehen

28-06-13 07:05

Vergebliche Mühe

Presse:" Er versprach, schnell nötige Rahmenbedingen für eine parlamentarische Aufarbeitung zu schaffen. Eine Untersuchung wird für den Herbst erwartet, über die Modalitäten und Zuständigkeiten des Untersuchungsausschusses wird noch gestritten."

Da sollen Lumpen das Vergehen von Lumpen prüfen. Was soll dabei herauskommen ??

Bleibt noch zu erwähnen...

...dass nach dem Willen von Rot, Schwarz und grün auch österreichisches Steuergeld dafür aufgewendet wurde um diesen Abschaum zu retten.

Wir sollten uns keine Illusionen machen. Für diese Herrschaften und ihresgleichen sind wir bestanfalls Vieh, dass es zu melken gilt. Und das finden die auch noch lustig.

Re: Bleibt noch zu erwähnen...

und noch Danke an Glatwitschnig.

Banker schmiert Politiker..

..Politiker bestiehlt Steuerzahler

Steuerzahler geht auf die Strasse und revoltiert (Brasilien, Türkei, Nordafrika.... bald auch bei uns) - das Lumpenpack wird seine Rechnung noch präsentiert bekommen!

Wenn Unrecht zu Recht wird..

..wird Widerstand Pflicht!

Die Insel darf alles machen!

Weil Internet für Merkel ein Neuland ist, hören die Briten alle Kommunikationen von Merkel ab! SMS inbegriffen!
Was passiert, nichts...

Wer den Hamstern im Laufrad zusieht, hat auch allen Grund zu lachen.

Banken, Versicherungen, die Politik,
sind doch alles Leute die auf Kosten anderer leben.

das einzig sinvolle nachspiel

wäre aufzuhören, den banken das geld dort hineinzuschieben, von wo der werte bankmanager seine zahlen herausgezogen hat.

die Tonbandmitschnitte

sind unbedingt zu empfehlen. Sie sind zudem
vertextet, man kann gleichzeitig mitlesen.

Ein Regisseur der einen Finanzthriller dreht
hat es wohl schwer auch nur annähernd an
die Realität heranzukommen.
In den Gesprächen ist ganz offen von Betrug
die Rede, deutlicher als dies in dem Artikel
dargestellt wird.

Re: die Tonbandmitschnitte

Man sollte so was auch mal in GR machen bei den dortigen Banken. Ich glaub, die kommen dort aus der Champanerlaune gar nicht richtig raus....: "der Angie, der hammas zeigt...!"

Island hat den ganzen Banken-Kudelmudel einen ordentlichen Reset unterzogen ...

.... das sollte der Rest der Welt auch mal machen, werden sie vermutlich auch, aber erst wenn alle komplett Pleite sind.

Jede Wette

das genau nichts passiert und die Hochfinanzmafia weitermacht wie bisher.

ich fürchte,

es wird niemand dagegen wetten ...

sapperlot!

hat irgendwer geglaubt, dass es anders gelaufen ist?

Re: sapperlot!

Ohne Beweise strampeln sogar die Staatsanwälte mit kurzen Beinchen auf ihren hohen Stühlen.

Re: Re: sapperlot!

Wenn man erst gar keine Beweise sucht können sie gut bezahlt lange strampeln ...

 
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