Griechen: Zorn gegen Deutsche mit ''dickem Portemonnaie''

In der griechischen Bevölkerung kocht die Wut über die Sparauflagen, für die vor allem die Politik der deutschen Bundesregierung verantwortlich gemacht wird. Von manchen Demonstranten wird Angela Merkel sogar mit Adolf Hitler verglichen.(AP Photo/Thanassis Stavrakis)

"Merkels Bank: Ihr Reichtum - unser Blut", ist hier auf der Fassade der Griechischen Nationalbank zu lesen.AP Photo/Thanassis Stavrakis

Auch die Medien teilten heuer immer wieder gegen Merkel aus: "Deutschland ist es doch egal, dass hier drei Millionen Rentner sterben", sagt etwa der Moderator des griechischen TV-Senders Extra 3.

Eine griechische Zeitung zeigte die Politikerin sogar in SS-Uniform (siehe Foto).(c) AP (Dimitri Messinis)

Auch der Chef der rechten Partei LAOS, Giorgos Karatzaferis, spricht angesichts des harten Sparpakets von einer Demütigung für das Land.

"Die Europäische Union leidet unter Deutschland", sagt Karatzaferis weiter. Das wohlhabende Land zwinge den Südeuropäern seinen Willen auf, "weil es über ein dickes Portemonnaie verfügt".(c) Reuters (YIORGOS KARAHALIS)

Bei Protesten gegen das Sparpaket verbrannte eine Gruppe nationalistischer Demonstranten eine deutsche Flagge vor dem Parlament in Athen.

Mehr dazu: "Sieg oder Tod": Griechen verbrennen deutsche Flagge(c) EPA (Orestis Panagiotou)

Bereits im Februar 2010 lagen die deutsch-griechischen Beziehungen in Trümmern. Auslöser war damals das Cover des deutschen Magazins "Focus" mit dem Titel "Betrüger in der Euro-Familie". Auf der Titelseite war die griechische Göttin Aphrodite zu sehen, die dem Betrachter den Stinkefinger entgegenstreckt.

Daraufhin wurde in Griechenland anti-deutsche Stimmung geschürt.(c) EPA (Marc Müller)

''Wie kann Deutschland die Frechheit besitzen, uns wegen unserer Finanzen zu denunzieren, wenn es noch immer keine Entschädigung für die griechischen Opfer des Zweiten Weltkriegs gezahlt hat?'', fragte etwa der frühere Minister Margaritis Tzimas von der größten Oppositionspartei, den Neuen Demokraten.

"Es gibt immer noch Griechen, die um ihre verlorenen Brüder weinen", so Tzimas.(c) AP (Christos Angelou)

"Finanznazitum bedroht Europa" urteilte die griechische Zeitung "Eleftheros Typos" und goß weiter Öl ins Feuer.

Die römische Göttin des Sieges auf der Berliner Siegessäule wurde statt eines Lorbeerkranzes mit einem Hakenkreuz ausgestattet.(c) EPA (ORESTIS PANAGIOTOU)

Der stellvertretende griechische Ministerpräsident Theodoros Pangalos legte nach. Deutschland stehe keine Kritik zu, weil die Nationalsozialisten die Wirtschaft Griechenlands ruiniert und überdies tausende Menschen ermordet hätten.

"Sie haben das Gold aus der Bank von Griechenland und auch griechisches Geld weggeschafft, und es nie zurückgegeben", sagte Pangalos in einem BBC-Interview.(c) AP (Lefteris Pitarakis)

Parlamentarier der Linken Koalitionspartei forderten Reparationszahlungen. Auch sie sahen in Deutschland einen Mitschuldigen an der katastrophalen Finanzlage Griechenlands.

"Mit ihren Äußerungen spielen deutsche Politiker und deutsche Finanzinstitute eine führende Rolle in einem erbärmlichen Spiel, bei dem Geschäftemacherei auf Kosten der Griechen betrieben wird".(c) AP (Petros Giannakouris)

Der schweizerisch-deutsche Streit um illegale Steuer-CD's mutete dagegen wie eine Plänkelei unter Freunden an.(c) REUTERS (Arnd Wiegmann / Reuters)

Die deutsche Bundesregierung wies die Äußerungen damals jedenfalls vehement zurück. Sie verwies auf ein Abkommen zur Wiedergutmachung aus dem Jahr 1960, dem zufolge die Bundesrepublik Zahlungen von damals 115 Millionen D-Mark (knapp 59 Millionen Euro) geleistet hat.

Zudem hätten auch griechische NS-Zwangsarbeiter Geld erhalten.(c) AP (Markus Schreiber)