In der Eskalation der Euro-Schuldenkrise rufen immer mehr Politiker und Ökonomen nach der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese solle endlich große Geschütze auffahren und die klammen Euro-Länder retten. Fachleute sprechen von der panzerbrechenden Waffe "Bazooka" und meinen damit unbegrenzte Staatsanleihekäufe der Notenbank. Bis dato kauft die EZB in vergleichsweise bescheidenem Rahmen Bonds klammer Euro-Länder.
Der EZB bleiben bis zur "Bazooka" aber noch eine Reihe von Instrumenten, mit denen sie versuchen kann, der Politik Zeit für eine grundlegende Lösung der Schuldenkrise zu verschaffen:
ULTRA-LANGE REFINANZIERUNG DER BANKEN
Wie Reuters von Insidern erfuhr, denken die Notenbanker bereits intensiv darüber nach, ob sie den Geschäftsbanken für viel längere Zeiträume als bisher Liquidität zur Verfügung stellen. Im Gespräch sind demnach Refinanzierungsgeschäfte mit zwei oder sogar drei Jahren Laufzeit. Bisher leiht die EZB den Banken für maximal ein Jahr Geld gegen Sicherheiten. Längere Ausleihzeiten würden die Planungssicherheit der Banken erhöhen und sie vielleicht - quasi als angenehmer Nebeneffekt - wieder stärker dazu bringen, bei Staatsanleihen zuzukaufen.
RÜCKKEHR ZUR REFINANZIERUNG ZUM FESTZINS
In der Krise 2008/2009 hatte die EZB bereits ihre gesamten Refinanzierungsoperationen an einen festen Zinssatz gekoppelt, den Leitzins - egal, ob sich dieser über die Laufzeit ändert oder nicht. Davon rückte sie später wieder ab und indexiert, also koppelt, Ausleihungen an Banken aktuell an die künftige Leitzinsentwicklung. Eine Rückkehr zum Garantiezins würde die Planungssicherheit der Banken wieder erhöhen.
WEITERE AUFWEICHUNG DER SICHERHEITENREGELN
Eine Bank, die sich bei der EZB Liquidität besorgen will, muss der Notenbank Sicherheiten stellen - in Form von diversen Wertpapieren. Hier hat die Zentralbank noch einigen Spielraum. Sie könnte etwa zusätzliche Wertpapierarten oder schlechter geratete Papiere als Sicherheiten akzeptieren als bisher. Darüber hinaus könnte sie wie bereits vom Herbst 2008 bis Ende 2009 Wertpapiere, die nicht in der Euro-Zone begeben wurden, annehmen, etwa auf Dollar oder Pfund lautende Papiere. Damals hatte sie bei solchen Sicherheiten einen Abschlag von acht Prozent vorgenommen.
LEITZINS
Bei niedrigeren Zinsen wird es für Banken billiger, Geld bei der Notenbank zu leihen. Daher können sie auch billigere Kredite an Unternehmen vergeben. Diese wiederum werden dadurch angeregt, mehr zu investieren. Das stimuliert die Konjunktur und den Konsum. Allerdings ist auch der Geldwert vom Prinzip der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage bestimmt - eine höhere Geldmenge (durch mehr Kredite) kann die Inflation ankurbeln.
FINANZIERUNG EINER IWF-KREDITLINIE
Rein theoretisch könnten die EZB und die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken der 17 Euro-Länder in eine speziell für die Rettung großer Euro-Länder aufgelegte Kreditlinie des Internationalen Währungsfonds (IWF) einzahlen. Rechtlich steht den Zentralbanken diese Option zwar offen, allerdings dürften Kritiker vor allem aus Deutschland darin eine wenn auch indirekte Form der verbotenen Staatsfinanzierung sehen und dagegen Sturm laufen. Nach Informationen von Reuters gab es über diese Möglichkeit aber bereits Gespräche.
FINANZIERUNG DES EURO-RETTUNGSFONDS EFSF
Die EZB könnte dem Euro-Rettungsfonds EFSF Geld geben, wenn die Euro-Staaten den EFSF mit einer Banklizenz ausstatten würden. Diese Option wurde von Frankreich ins Spiel gebracht, um die Schlagkraft des EFSF zu erhöhen. Deutschland ist strikt dagegen und sieht darin nur eine weitere Variante, um das Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB zu umgehen. Die EZB sieht das bisher genauso.
(APA)

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