Über die exakte "Geburtsstunde" der Eurokrise gibt es keine Aufzeichnungen. Viele sehen den Beginn mit der Finanzkrise 2008. Am 15. September ging die große US-Bank „Lehman Brothers“ Pleite. Daraufhin verteuerten sich die Kredite, die Zinsen sprangen noch oben und Aktien verloren deutlich an Wert. Länder wie Griechenland, Irland und Portugal hatten riesige Staatsschulden angehäuft, die sie ohne Unterstützung Dritter niemals hätten wieder abbauen können. Zudem haben einige Euro-Staaten den Banken mit Steuergeldern Unterstützung gegeben. In der Konsequenz ist die Staatsverschuldung in allen Euroländern gestiegen.
Staaten decken ihren immensen Finanzbedarf auch über Schulden, die sie über die Ausgabe von Staatsanleihen aufnehmen. Viele Jahre mussten selbst als weniger solide geltende Euro-Länder den Investoren geringe Zinsen bieten. Mit der Schuldenkrise hat die Kreditwürdigkeit zahlreicher Eurostaaten aber gelitten, weswegen die Anleger immer höhere Zinsen für ihre Kredite verlangten. Spitze des Eisbergs ist Griechenland: Viele Jahre musste Athen den Investoren für zehnjährige Schulden Zinsen von teils unter fünf Prozent bieten. Seitdem die Schuldenlage Athens aber aus dem Ruder gelaufen ist, hat sich das Zinsniveau bei etwa 28 Prozent eingependelt.
Bis zu diesem Sommer war die Schuldenkrise auf kleine Euroländer wie Griechenland, Irland und Portugal begrenzt. Nach der Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung Athens ist die Krise aber auf Italien und Spanien übergeschwappt. Mittlerweile müssen die dritt-und viertgrößte Euro-Wirtschaft den Anlegern ähnlich hohe Zinsen bieten, wie die kleineren Euro-Länder kurz vor ihrer Rettung. Unlängst sind an den Finanzmärkten sogar Euro-Länder unter Druck geraten, die bisher als solide galten und von den Ratingagenturen Top-Bewertungen erhalten. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat praktisch die gesamte Eurozone unter verschärfte Beobachtung gestellt.
Im Grunde ist der Zusammenhang einfach: Höhere Renditen erhöhen die Zinsbelastung der Länder, was deren ohnehin angespannte Haushalts- und Schuldenlage zusätzlich verschlechtert. Allerdings geschieht dies nicht schlagartig, denn viele Länder refinanzieren sich über die Ausgabe teils sehr lang laufender Staatsanleihen. Laufen diese Anleihen aus, müssen die Staaten neue Anleihen ausgeben - nun jedoch zu einem spürbar höheren Zins.
Weder Milliarden-Hilfspakete noch die zähen Debatten um immer neue Vorschläge zur Lösung der Euro-Schuldenkrise vermochten bisher, die Märkte zu beruhigen. Die Renditen und damit die Refinanzierungskosten der Länder sollen gesenkt werden, damit sich deren Schuldenlage nicht noch weiter verschlechtert. Wichtige Voraussetzung: Das Vertrauen der Investoren in die Länder muss erhöht werden. Drei Instrumente stehen derzeit zur Diskussion: der Euro-Rettungsschirm EFSF, die gemeinsame Ausgabe von Staatsanleihen (Euro-Bonds) und Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB).
(Red. / herbas)

AAA bis RamschSo kreditwürdig sind EU-Länder und USA