Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt vor dem Austrocknen der Anleihenmärkte der Industrieländer, berichtet die britische Zeitung "Financial Times". Demnach werden sich 2012 die OECD-Staaten 7,9 Billionen Euro leihen müssen - vorwiegend weil bestehende Verbindlichkeiten auslaufen und neu begeben werden müssen. Bereits heuer mussten 7,7 Billionen Euro neu aufgenommen werden - das entspricht einer Verdoppelung seit 2005.
Bereits jetzt tun sich angeschlagene Staaten wie Italien und Spanien schwer, Abnehmer für ihre Anleihen zu finden - vor allem zu akzeptablen Zinsen. Besonders besorgniserregend: Der OECD-Bericht, der noch im Dezember veröffentlicht werden soll, nennt neben Frankreich nun offenbar auch Österreich explizit als Wackelkandidaten - beide Staaten werden von den Ratingagenturen bislang mit der Höchstnote AAA bewertet.
"Animal Spirits" als große Herausforderung
In der nahen Zukunft werde es für viele OECD-Staaten eine "große Herausforderung" sein, Anleihen in größerem Umfang auf den Märkten zu platzieren. Im OECD-Papier ist von "animal spirits" die Rede, die die Zinsen hochzutreiben drohen - mit allen Konsequenzen. Die Stabilität vieler Regierungen stehe auf dem Spiel.
Gelingt es Staaten nicht länger sich durch die Ausgabe von Anleihen zu refinanzieren, sind sie in Europa gezwungen, sich an die Europäische Zentralbank (EZB) zu wenden oder um Hilfen anzusuchen - wie das bereits bei Griechenland, Irland und Portugal der Fall war.
Österreich braucht rund 30 Milliarden Euro
Die Länder benötigen das Geld, um auslaufende Kredite zurückzuzahlen, Zinsen zu zahlen und Haushaltsdefizite zu decken. Deutschland muss sich etwa 280 Milliarden Euro von Investoren leihen. Die Republik Österreich braucht laut der Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA rund 27 bis 30 Milliarden Euro.
Aus Angst vor Staatspleiten müssen Länder wie Italien und Spanien hohe Risikoaufschläge zahlen, um an das Geld der Investoren heranzukommen. Die Marktzinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen liegen derzeit bei knapp 7,2 Prozent, die für spanische Papiere bei mehr als sechs Prozent. Das erhöht die Kosten für die Staaten enorm und erschwert die Haushaltssanierung.
(Red./Ag.)

AAA bis RamschSo kreditwürdig sind EU-Länder und USA