Moody's: Britisches AAA-Rating von Euro-Krise bedroht

21.12.2011 | 11:59 |   (DiePresse.com)

Der Ausblick für Großbritannien wird von der Ratingagentur mit stabil bewertet. Die Fähigkeit des Landes, zusätzliche Belastungen für den Haushalt zu kompensieren, habe sich aber verschlechtert.

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Nach mehreren Ländern der Eurozone hat nun auch das Nicht-Euro-Land Großbritannien einen deutlichen Warnschuss von den Ratingagenturen erhalten. Die Bemühungen der Regierung um einen ausgeglichenen Haushalt könnten durch weitere Schocks für die Wirtschaft untergraben werden, erklärte Moody's am Dienstag.

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Bislang genießt Großbritannien das Top-Rating AAA, und der Ausblick wird von Moody's mit stabil bewertet. Die Fähigkeit des Landes, zusätzliche Belastungen für den Haushalt zu kompensieren, habe sich aber verschlechtert. Der Handlungsspielraum für Großbritannien sei geringer geworden, sagte Moody's-Analystin Sarah Carlson der Nachrichtenagentur Reuters.

>>> Karte: Die Ratings der EU-Länder

Der gegenwärtige stabile Ausblick für Großbritannien basiere auf der Annahme, dass die Regierung in London ihre Politik zur Haushaltskonsolidierung fortsetze, heißt es in der Jahresend-Einschätzung von Moody's. Eine Verschlechterung der makroökonomischen Aussichten oder die Notwendigkeit, dem Bankensystem zu helfen, könnten für die Haushaltskonsolidierung einen Rückschlag bedeuten. Daher sei der Ausblick für das Rating Großbritanniens auch von den Entwicklungen in der Eurozone betroffen, obwohl das Land nicht selbst Mitglied des Währungsverbundes sei. Moody's betonte, dass diese Einschätzung keine Bewertungsaktion der Agentur für Großbritannien sei.

Hohes Budgetdefizit

Großbritannien kämpft spätestens seit der Bankenkrise 2008 mit erheblichen Konjunkturproblemen. Das Budgetdefizit stieg zeitweise auf über zehn Prozent und wird im nächsten Jahr bei nach wie vor hohen 8,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwartet. Die Inflation lag in diesem Jahr bei zeitweise mehr als fünf Prozent. Die Gesamtverschuldung wird im nächsten Jahr bei 81 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Die Geldpolitik in Großbritannien, dessen Regierung gute Beziehungen zu den Ratingagenturen nachgesagt werden, wird von der Bank of England gesteuert. Die Eigenständigkeit der britischen Geldpolitik und damit die relative Unabhängigkeit von Entwicklungen im Euroraum war von den Finanzmärkten stets honoriert worden. Die Zinsen für britische Staatsanleihen liegen deshalb nur wenig über denen Deutschlands.

(Ag.)

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12 Kommentare

Wenn's nicht so dramatisch wäre

Man müßte über das Kasperltheater der Ratingagenturen lachen, wenn es nicht so dramatisch wäre, was diese Büros anrichten. Es wird mit Triple-A herumgeschmissen, mit Plus und Minus, ein Modus zur Verunsicherung aller, um umso leichter bestimmte Ziele der Destabiliserung zu erreichen. Die amerikanischen Zündler haben ihr Ziel fast erreicht: die Europäer versenken sich gegenseitig. Der Euro wurde zur Massenpsychose umfunktioniert. Man kann beobachten, wie der gefährlichste Konkurrent des Dollars lendenschwach geredet wird - und alle glauben es, obwohl es nicht wirklich stimmt!

Gast: mundm
21.12.2011 13:27
0

soll heissen...

... nähert euch ja nicht an den rest der eu an, sonst wird's teuer. es lebe die neue schattenregierung.

Gast: nestbeschmutzer
21.12.2011 08:05
7

Wirtschaftskrieg....

Langsam kommt es endlich heraus: US und GB sind im Wirtschaftskrieg gegen die EU, und die Finanz des Euro wird massiv angegriffen. Es darf nach Washington keine EU als starke Union geben! GB soll alles versuchen, die EU zum Kippen zu bringen, dann hat man endlich den "bösen" Mitbewerber weg. Denn die Verschuldungen der beiden ist absolut Diströs! Nach Ratings sollten die D- (?) bekommen!

Re: Wirtschaftskrieg....

immer ein Problem wenn Leute die von globaler Wirtschaft null Ahnung haben ihren Senf abgeben.
1. messen die Rating Agenturen die "probability of default". und die ist bei Ländern die ihre eigene Wahrung haben und zur Not Geld Drucken natürlich geringer.
2. weiß es jederman in us und gb dass sie bei einem Euro-Kollaps auch voll in der Tinte stecken.

Re: Re: Wirtschaftskrieg....

Ihnen ist aber schon auch klar, was passiert, wenn ein Land "einfach so" Geld druckt, um Schulden zu bezahlen?

Ratingagenturen

na ja; bisher wurde die Sinnhaftigkeit der Ratingagenturen damit begründet, das Risiko eines Zahlungsausfall zu bewerten. Zuletzt bei der Bewertung von Deutschland als "Ausblick negativ" wurde als Begründung NICHT der mögliche Zahlungsausfall, sondern die geringen Renditemöglichkeiten als Begründung angegeben - und spätestens da schießen die Ratingagenturen über das Ziel

Re: Re: Wirtschaftskrieg....

oder wer Null Ahnung hat

Re: Re: Re: Wirtschaftskrieg....

Daddy ist ein EU/Euro Gegner, da nimmt er lieber die USA/GB in schutz bevor er zu AT steht. leider gibts noch sehr viele "Verräter" in der EU.

Gast: Anonymus
21.12.2011 07:56
4

Konsolidierungsbemühungen

Ich mag mich ja täuschen, aber ich denke Spanien, Italien, Frankreich usw. bemühen sich auch ihren Staatshaushalt zu konsolidieren.
Die werden aber vom Rating ständig hinunter gesetzt bzw. der Ausblick auf neg. gesetzt.

GB deren Verschuldung größer ist bleibt aber stabil.
Ein Schelm wer glaubt das Schoßhündchen der Amis wird von den amerikanischen Ratingagenturen anders behandelt.


Antworten Gast: Hammurabi
21.12.2011 16:36
0

Re: Konsolidierungsbemühungen

Es liegt ja eh auf der Hand, daß die Ratingagenturen von der US Politik beeinflusst werden. Leider kann man sie nicht verbieten, aber vielleicht lassen sie sich durch "lukrative Aufträge" steuern. Bekanntlich beißt man die Hand, die einen füttert, nicht.

Antworten Gast: jou
21.12.2011 11:36
1

Re: Konsolidierungsbemühungen

Genau so isses, AAA für GB, der volle Witz

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