Ungarn und Italien als letzte Auslöser

14.01.2012 | 08:40 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Ursachen. Neben den heimischen Schulden sind die Probleme Ungarns und die Lage in Italien für Standard & Poor's ausschlaggebend für die Herabstufung Österreichs.

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[Wien] Es hat wenig genutzt: Um die Ratingagenturen zu beruhigen, verabschiedeten die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Finanzmarktaufsicht Ende November schnell strenge Auflagen, damit Österreichs Großbanken ihre Risken in Osteuropa einschränken. Trotzdem folgte am Freitag die Herabstufung durch Standard & Poor's.

Aus Sicht der Agentur waren neben der hohen Verschuldung Österreichs zwei aktuelle Faktoren ausschlaggebend für diesen Schritt: Ungarn, mit dem Österreich wirtschaftlich eng verflochten ist und wo die heimischen Banken besonders stark engagiert sind – ohne Hilfe steht Ungarn vor der Pleite. Und die Probleme Italiens, das sowohl export- als auch importseitig der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs ist. Acht Prozent aller heimischen Exporte gehen nach Italien. Auch im Finanzsektor gibt es enge Verbindungen zwischen den Nachbarländern: Die Bank Austria, die größte Bank in Österreich, gehört der Mailänder UniCredit. Diese will im Zuge einer Kapitalerhöhung 7,5 Milliarden Euro einsammeln, was für massive Turbulenzen an den Kapitalmärkten sorgt. Der Aktienkurs von UniCredit stürzte in den vergangenen Wochen ab, daher müssen die neuen Papiere zum Schleuderpreis ausgegeben werden.

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Weitere Herabstufung droht

Die Bank Austria gehört zu den wichtigsten Töchtern im UniCredit-Konzern. Von Wien aus wird das Geschäft in Zentral- und Osteuropa gesteuert. Wegen der Finanzkrise legte die Bank ihre Expansionspläne in einigen Ländern Osteuropas, wie in Ungarn und Rumänien, vorerst auf Eis.

Neben der Herabstufung des Ratings hat Standard & Poor's auch den Ausblick für Österreich auf negativ gesenkt. Damit erhöht sich das Risiko, dass innerhalb der nächsten beiden Jahre ein weiteres „Downgrade“ bevorsteht. Auch dafür gibt es zwei Gründe: Die österreichischen Banken könnten bei einer Verschärfung der Krise wegen ihres Osteuropa-Engagements weiter finanziell in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn der Staat dann neuerlich für eine Rekapitalisierung der Banken sorgen muss, könnte der Schuldenstand Österreichs auf über 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen, befürchtet S&P. Dasselbe Szenario gelte, wenn die Konjunktur in Österreich einbricht.

Bereits im Herbst hat Standard & Poor's angemerkt, dass der österreichische Staat im Krisenfall nicht genügend Geld hat, um alle Banken und deren Osteuropa-Töchter retten zu können. Österreichs Banken sind in Osteuropa Marktführer: Erste Bank, Bank Austria, Raiffeisen Bank International, Volksbanken AG und Kärntner Hypo kommen in der Region auf einen Marktanteil von 22 Prozent. Sie haben dort Kredite von 223,9 Milliarden Euro ausständig.

Ungarn als größter Problemfall für Banken

Aufgrund der sich verschlechternden Wirtschaftslage könnte es bei vielen Darlehen nun zu Rückzahlungsproblemen kommen. Zwar sind auch belgische, französische und deutsche Finanzkonzerne in Osteuropa engagiert. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung des Landes aber sind die Österreicher in der Region besonders stark exponiert.

Das größte Problem haben die heimischen Finanzkonzerne in Ungarn, das ohne internationale Hilfe vor der Pleite steht. Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic bezeichnete vor Kurzem nicht Griechenland, sondern Ungarn als größten Problemfall für Österreichs Banken. Vor der Finanzkrise hatten sich hunderttausende Ungarn wegen der niedrigen Zinsen in einer ausländischen Währung – meist in Schweizer Franken – verschuldet.

Ab 2010 legte der Franken aber als Fluchtwährung aufgrund der Eurokrise massiv zu, während die Lokalwährung Forint abstürzte. Das verteuerte die Zins- und Tilgungsleistungen der Kreditkunden dramatisch. In keinem anderen osteuropäischen Land wurden so viele Frankenkredite vergeben wie in Ungarn. Rund 70 Prozent aller Hypotheken wurden in Franken aufgenommen. Alle großen Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit des osteuropäischen Landes auf Ramschniveau herab. Das Engagement von Österreichs Banken in Ungarn beläuft sich auf 41 Milliarden US-Dollar (32 Milliarden Euro), gefolgt von Italien mit 23,39 Milliarden Dollar und Deutschland mit 21,38 Milliarden Dollar.

Firmen drohen mit Rückzug aus Ungarn

Neben den Banken geraten auch immer mehr heimische Firmen in den Sog der Ungarn-Krise. Der Baukonzern Porr hat vor Kurzem einen Jahresverlust von 70 bis 80 Millionen Euro bekannt gegeben und als Hauptursache Zahlungsverzögerungen der öffentlichen Hand in Ungarn genannt. Sogar ein Rückzug aus dem Land sei denkbar, sollte Porr nicht zu seinem Recht kommen. Die Regierung in Budapest führte Sonderabgaben ein. Der österreichische Spar-Konzern muss zusätzlich 25 Mio. Euro pro Jahr abliefern. Spar-Chef Gerhard Drexel kritisierte die Abgabe als „rechtswidrig“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2012)

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3 Kommentare
Gast: Schwarzer Peter
14.01.2012 20:33
0

Immer sind die anderen Schuld

Jetzt sind auch schon Ungarn und Italien am Downgrade Österreichs Schuld. Mit der österreichischen Wirtschaft, der stagnierend Politik und der Eurokrise hat das nichts zu tun.

Die Schuld liegt halt immer jenseits der Alpen und nie bei Österreich selbst.

Jaja,

und bei welchen Banken ist die überwiegende Mehrheit dieser Ungarn verschuldet? Bei Erste und Raiffeisen.

Gast: Huch
14.01.2012 07:04
4

Soso

Vor der Finanzkrise hatten sich hunderttausende Ungarn wegen der niedrigen Zinsen in einer ausländischen Währung – meist in Schweizer Franken – verschuldet.

Tja....und jetzt sollen diese armen Teufel selber schuld sein??? Sagt mal, wie blöd sind denn die Ö-Banken eigentlich??? Vielleicht sollte mal ein Gesetz her, in der die Blödheit dieser Manager unter Strafe gestellt werden sollte!

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