20.05.2013 15:28 Merkliste 0

Nach Rating-Urteil: Merkel offen für Gesetzesänderung

14.01.2012 | 15:51 |   (DiePresse.com)

Die deutsche Kanzlerin denkt über eine Lockerung der Anlage-Vorschriften für Staatsanleihen nach.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die deutsche Bundesregierung denkt nach der Herabstufung einiger Euro-Staaten durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's über eine Lockerung der Anlage-Vorschriften für Staatsanleihen nach. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Samstag in Kiel, die vom CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Meister angeregten Gesetzesänderungen seien "eine Betrachtung wert". Die Politik müsse darauf achten, dass durch die Herabstufung keine Folgen entstünden, die mehr schadeten als nützten.

"Die Folgemechanismen, dass wenn eine Herabstufung erfolgt, dann zum Beispiel für Versicherer der Ankauf bestimmter Staatsanleihen nicht mehr möglich ist, die sind sehr, sehr strikt", sagte sie zur Erklärung. Die Vorschriften bewirkten einen "sich selbst verstärkenden Effekt". Deshalb sei es wertvoll, "sich das mal anzuschauen und zu überlegen, wo man hier gegebenenfalls Gesetzesänderungen machen könnte".

Meister hatte gefordert, Versicherungen und Banken müssten sich unabhängig vom Urteil der Ratingagenturen machen und eigene Beurteilungen von Anlagen vornehmen. Der Gesetzgeber könne dafür sorgen, dass bestimmte Anleger weniger stark vom Urteil der Agenturen abhängig seien.

Auswirkungen auf Rettungsschirm?

Merkel unterstrich zugleich, dass sie durch die Herabstufung Frankreichs keine Auswirkungen auf den Euro-Rettungsschirm EFSF befürchte und keinen Handlungsbedarf sowie keine Zusatzkosten für Deutschland erwarte. S&P hatte gewarnt, auch der EFSF, der angeschlagenen Euro-Staaten notfalls mit Hilfskrediten unterstützen soll, müsse um seine Best-Bonität fürchten. Auch deshalb nannte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, die Herabstufung einen "nicht zu überhörender Warnschuss" für Deutschland. "Damit drohen Deutschland zusätzliche Belastungen im Rahmen der europäischen Rettungsschirme", warnte Oppermann.

Die deutsche Bundeskanzlerin hingegen sagte, der EFSF könne seine Aufgaben auch mit den bestehenden Methoden erfüllen. "Dies wird die Arbeit des EFSF jetzt nicht torpedieren." Sie habe ohnehin nie verstanden, wieso der Euro-Rettungsschirm unbedingt ein AAA-Rating haben müsse. Die Zinssätze für von der EFSF aufgenommene Anleihen seien ohnehin schon etwas gestiegen. Es sei jetzt noch wichtiger, dass der dauerhafte Euro-Rettungsmechanismus ESM schnell komme, der mit einem Kapitalstock unterlegt sei. Wichtig sei, die Basis der Rettungspakete zu verbreitern und damit Risiken von einzelnen Staaten wie Deutschland zu nehmen, betonte Merkel. Hintergrund ist, dass S&P die Herabstufung der AAA-Staaten auch damit begründet, dass diese möglicherweise mit hohen Milliardenbeträgen für angeschlagene Euro-Staaten einstehen müssten.

"Keine Zeit zu verlieren"

Merkel und am Freitag schon Finanzminister Wolfgang Schäuble drängten beide auf rasche weitere Reformen in der EU und einen schnellen Abschluss des Fiskalpakts für eine straffere Haushaltsdisziplin bis Ende Januar. "Es ist so, dass das Vertrauen der Anleger in europäische Staatsanleihen nicht ausreichend gut ist", räumte die CDU-Chefin ein. "Die Ratingagenturen machen ihre Arbeit, wir machen unsere Arbeit." Deshalb müssten neben der Sparpolitik auch das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit in der EU gestärkt werden. "Wir haben keine Zeit zu verlieren in Europa", warnte sie. Sonst lasse sich der Wohlstand auf dem alternden Kontinent nicht mehr bewahren.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

1 Kommentare
Gast: D-Kritik
14.01.2012 17:17
0 0

selektive Wahrnehmung in D?

"Schäuble drängten beide auf rasche weitere Reformen in der EU und einen schnellen Abschluss des Fiskalpakts für eine straffere Haushaltsdisziplin "
Zwar muss der Fiskalpakt fertig gestellt werden, keine Frage.

Aber nicht vernachlässigen darf man den Einfluss der erwarteten Rezession auf das Downrating durch S&P.

Die EU und speziell D ist auch gefordert rasche Wachstumsmaßnahmen zu setzen. Die sollen möglichst nichts kosten oder querfinanziert sein.

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...