Schuldenmachen in Zeiten der Herabstufungen

15.01.2012 | 18:14 |  MATTHIAS AUER UND STEFAN RIECHER (Die Presse)

Mit Spannung blicken die Märkte auf bevorstehende Verkäufe von Staatsanleihen der Euroländer. Es stellt sich die Frage, zu welchen Konditionen Investoren den Staaten noch Geld leihen.

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Nach den Herabstufungen kommt das Schuldenmachen. Die krisengeplagten Euroländer werden in den kommenden Monaten Staatsanleihen in Höhe von hunderten Milliarden Euro begeben müssen, um ihre Verschuldung auch weiterhin finanzieren zu können. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von neun Euroländern gesenkt hat, stellt sich die Frage, zu welchen Konditionen Investoren den betroffenen Staaten noch Geld leihen. „Die Presse“ beantwortet die wichtigsten Fragen.

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1 Welche großen Emissionen von Staatsanleihen stehen nun an?

Allein Italien muss in den ersten vier Monaten des Jahres 300 Milliarden Euro an Schulden refinanzieren, weil bestehende Staatsanleihen auslaufen. Griechenland muss im März 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen – Geld, das das Land auf dem Kapitalmarkt nicht mehr bekommt, weshalb es auf die weitere Unterstützung von EU, IWF und EZB hofft.

Zuletzt hatten die Emissionen im Euroraum Anlass zu Hoffnung gegeben. Spanien und Italien konnten vergangene Woche relativ problemlos zwölf beziehungsweise zehn Milliarden Euro an neuen Schulden aufnehmen, was nicht zuletzt an einer 500 Milliarden Euro schweren Geldspritze der EZB an die Großbanken liegen dürfte. Einen Vorgeschmack darauf, was sich durch die Herabstufungen geändert hat, könnte schon der Montag bringen: 8,7 Milliarden Euro will Paris einsammeln – erstmals seit 1975 nicht mehr mit der Bestnote aller drei großen Agenturen ausgestattet.

2 Stürzen die Herabstufungen die Eurozone noch weiter in die Krise?

Auch wenn Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel versichert, dass die Abstufung die Euro-Rettung „nicht torpedieren“ werde: Einfacher wird sie dadurch sicher nicht. Mit Frankreich und Österreich verliert die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), jene Hilfskonstruktion mit der Europas Politik versucht, Geld für angeschlagene Mitgliedsländer einzusammeln, zwei seiner kreditwürdigsten Unterstützer. Umgehend warnte die Deutsche Bank, dass nun auch der Rettungsfonds seine AAA-Bonität verlieren könne. Dann müsste wohl auch die EFSF ihren Investoren mehr Zinsen bieten.

Schon bisher zeigten Großinvestoren kaum Interesse, in die Rettung der Eurozone zu investieren. In den kommenden Wochen benötigt die EFSF einen zweistelligen Milliardenbetrag, um Griechenland stützen zu können. Noch heuer soll der ESM seine wenig erfolgreiche Vorgängerin EFSF ablösen. Ein Jahr früher als geplant. Bis dahin freunden sich Europas Politiker offenbar schon mit den geänderten Bedingungen an. So meinte Merkel am Sonntag: „Auch AA+ ist kein schlechtes Rating“.

3 Wie relevant ist der Alleingang von Standard & Poor's?

Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger hoben hervor, dass Österreich nur bei Standard & Poor's sein Triple A verloren hat. Die beiden anderen wichtigen Agenturen, Moody's und Fitch, stufen sowohl Frankreich, wie auch Österreich nach wie vor als Topschuldner ein. Deshalb allerdings den Schluss zu ziehen, dass dies automatisch so bleiben wird, wäre fatal. S&P ist der größte und wichtigste Spieler am Markt und gilt als Vorreiter. Die US-Agentur war es auch, die den USA als erste das Triple A entzog. Bislang sind Moody's und Fitch weder bei den USA, noch bei Frankreich und Österreich nachgezogen – das könnte sich aber durchaus ändern.

4 Warum bedeuten Herabstufungen nicht automatisch höhere Zinsen?

Erstens, weil die Investoren die „Downgrades“ ohnehin bereits erwartet haben. Österreich musste für zehnjährige Staatsanleihen im November 3,8 Prozent Rendite zahlen, obwohl das Land noch bei allen Agenturen die beste Kreditwürdigkeit genoss. Im Dezember fiel die Rendite und liegt nun bei 3,1 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland, als einziges Euroland mit Triple A und stabilem Ausblick, bezahlt nur 1,75 Prozent für seine zehnjährigen Papiere.

Zweitens spielt auch die EZB eine wichtige Rolle. Die Zentralbank kauft am Sekundärmarkt Staatsanleihen der Krisenländer auf und versucht so, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, damit sich die Staaten günstiger refinanzieren können. Mittlerweile sitzt die EZB auf Staatsanleihen von mehr als 200 Milliarden Euro – ein Betrag, der in Zukunft noch weiter steigen dürfte.

5 Wird Österreich den Investoren nun mehr bieten müssen?

Das ist schwer vorherzusagen. Bereits jetzt würde sich Österreich pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro sparen, wenn es seine Staatsanleihen zu den selben Konditionen wie Deutschland an den Mann brächte. Trotzdem ist ein weiterer Anstieg der Zinsen durchaus möglich – vor allem wenn die Reformbemühungen der Regierung die Geldgeber nicht überzeugen. Heuer benötigt Österreich mehr als 20 Milliarden Euro und bis zum Jahr 2015 rund 100 Milliarden Euro von den Kapitalmärkten, um auslaufende Staatsanleihen zu refinanzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)

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70 Kommentare
 
12
Gast: Kleinbürger
17.01.2012 00:28
0 0

Was ist das für ein Journalismus!?

Immer gut wenn sich alle für Dumm verkaufen lassen - oder? Die gesammte Diskussion ist sinnlos und geht komplett am Thema vorbei!!! Alle hier - inkl. den Journalisten der Presse - sollten bitte mal nachschlagen was alle diese im Artikel erwähnten Ratingagenturen für Ratings z.B. für die Lehman Brothers / AIG und alle anderen Verursacher der - ja noch bestehenden - Finanzkrise abgegeben haben und das noch als die Fakten längst belegten, dass man bereits längst mitten in der Krise steckt! D.h. diese Ratings sind allesamt genau gar nichts Wert. Und der Wahnsinn dabei - die Hauptschuldigen dieser Krise sitzen nun Großteils an den Finanzschlüsselstellen der US-Regierung: im Weißen Haus, in den Ministerpositionen, leiten die Finanzmarktsaufsicht in den USA und die Notenbank!!! Auch - und übrigens - kein einziger der Urheber wurde bislang deswegen angeklagt oder Ähnliches. Wie wär's also, wenn das hier mal offen auf den Tisch gelegt wird - warum spricht das keiner aus bzw. an, egal ob Politiker, Presse...??

Gast: Antensteiner
16.01.2012 19:15
0 1

Besser

Dafür hat Frankreich den besseren Wein !!!

Sparkassenfla...e !

Gast: ebenholz
16.01.2012 18:28
0 0

Von der Erste Bank

sind wir schon einiges gewohnt,also kann das jetzt doch wenig überraschen. Aber : Hin-,Auf,-
Ab- oder gar Wegwiegeln , egal , diese Ratingerei
erweckt beim genauen Hinsehen einiges Misstrauen. Folgt man dem deutschen EU- Parlamentarier Elmar Brok, der wirklich nicht sozenverdächtig ist, scheinen hier erhebliche US-
Interessen mitzuwirken.Daneben haben die Amis
sicher nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Eine europäische Agentur hätte sicher viele Vorteile ,aber sicher auch gewaltige Nachteile : da würde doch J E D E R mitreden wollen.

Ätschbätsch Butterkeks,

wir haben ein besseres AA+ - Rating als Frankreich. Das hilft uns sehr viel weiter. Schuld an der Misere sind natürlich immer die anderen, niemals unsere Fachleute, Experten oder gar die Regierung.

Alles Schwachsinn ! Schauts in die Schweiz !!

BUDGETPLUS !, 8 statt 22 Pers. im öff. Dienst je 1000 Einwohner, KEINE autom. Vorrückungen, 7% MWST, usw usw.

Nur wer SCHULDENSOZIALISMUS pflegt, muss sich um Ratings kümmern !!!!

Gast: Gusibauer
16.01.2012 17:05
0 0

was bedeutet AA?

wir sind Am Arsch

DANKE SPÖ..

....DANKE SPÖ, wir sind jetzt ein AA.

Na so lange wir ein besseres AA+ als Frankreich

haben, kann ja nichts passieren.
Ich würde ja auch diese Ratings nicht überbewerten. Aber das geschäftsmäßige Abwiegeln ist mittlerweile genauso mühsam wie das Aufwiegeln der "Wutbürger".

Gast: Falke2012
16.01.2012 15:09
0 0

Und Gusch!

wer hat den österreichischen Lämmern eingeredet, dass die Fremdwährungskredite DAS URSUPER GESCHÄFT ist? Nicht zu vergessen, gepaart mit einem URSUPER geilen Tilgungsträger, wo man zum Schluss sogar noch Geld für die Kreditaufnahme bekommen soll? Wer ist blöder? Die Kreditnehmer oder die Bank?

Antworten Gast: Anarchie2013
16.01.2012 18:14
0 0

Re: Und Gusch!

Banken sind nicht blöd - der Kreditnehmer ist blöd, der Sparer ist blöd, der Wähler ist blöd, der Arbeitnehmer ist blöd, der Bürge(r) ist blöd...

Entblödung tut not - ansonsten später nur: Not kennt kein Gebot

Den (Staats-)bürgen sollst du würgen

PS: Infos über das heutige Geldsystem und seine Folgen sind jetzt - noch - "unzensiert" im WWW abzurufen

Andreas Popp
Bernd Senf
Nicolas Hofer
Dirk Müller
Helmut Creutz
Franz Hörmann
u.v.a.

Antworten Gast: HB4242
16.01.2012 15:31
0 0

Re: Und Gusch!

NIEMAND !!! (es sind beide gleich blöd)

zu ungenau!

AAA
AA+
AA
AA-
A+
A
A-
BBB+
BBB+
BBB-
BB+
BB
BB-
B+
B
B-
CCC+
CCC+
CCC-
CC
C
D

Das ist ja alles nicht Aussagekräftig. Wir sollten pro Kategorie noch Schwach/Mittel/Gut hinzufügen, sonst verlgeichen wir ja rote mit gelben Äpfeln ;)

Die Banken reden sich jetzt auch auf die Ratingagenturen aus

weil neben unserer unfähigen Regierung sind sie ja die Hauptschuldigen an unserem downgrade, weil sie par jeglicher Vernunft Geld in die Ostblase geschickt haben wie die US-Banken in die subprime-papiere.

Und dafür können die Ratingagenturen nichts

(Abgesehen davon geht S&P nicht mit dem Rasenmäher vor, im Gegenteil die Ratings sind in der Euro obwohl sie ja schon fast ein Haftungsverbund ist ziemlich differenziert)

Gast: AA Emanze
16.01.2012 13:36
0 0

wie im Kindergarten...

wer hat jetzt das schönere AA gemacht?

ICH HAB DEN BESSEREN FÜNFER!!!!!


Re: ICH HAB DEN BESSEREN FÜNFER!!!!!

Bis zu einem gewissen Grad hat es aber einen Sinn:

Es ist soviel Geld im Umlauf, das nicht weiß wohin, dass es derjenige mit dem besten Fünfer bekommen wird.

Mir kommt die galle hoch

Wenn von der Ersten Sparkasse die "Fachleute" aus der Führungsetage eine Bühne bekommen um Unsinn zu verbreiten und bei der allgemeine Verarschung der Österreicher so unsinnige Scheinargumente verbreiten!

Gast: Selfmade Man
16.01.2012 13:15
0 0

Na Herr Analyst,ui sogar Chef- Analyst !!

Auch diese Analyse ist falsch! Die Analyse über Bankgeschäfte in Osteuropa ist ja wohl auch völlig daneben gegangen,ich mein die Analyse bevor ihr Staatshilfe beantragt habt nicht die Analyse danach!! Das sich solche subventionierten Gehaltsempfänger überhaupt noch öffentlich den Mund zum Thema Wirtschaft aufmachen trauen !! So abgebrüht oder behirnen sie es nicht ?? PS: Liebe DiePresse, der Gerechtigkeit halber befragt doch auch einen Analysten von der Agrargenossenschaftsbank (ohne Haftung) was er so tolles weiss über dieses Thema.... ausserdem a bissl a Gaudi muss auch in Zeiten wie diesen sein !!

Re: Na Herr Analyst,ui sogar Chef- Analyst !!

Mann wird sich doch noch ein bissl irren dürfen, das ist menschlich. Nur blöd, dass das den Staat, also uns allen, einen Haufen Geld kostet.

Wie steht's ?


1:1

Für uns ??


Gast: Der Hansiburli
16.01.2012 13:12
5 0

Matheschularbeit

Du Mami, ich hab einen Fünfer in Mathe bekommen, aber es ist ein besserer Fünfer als der vom Karli.


Gast: Sparefroh
16.01.2012 13:09
2 0

AA+ bleibt AA+

es gibt kein AA+1 oder -1
also ist die Aussage bzgl. Frankreich absoluter Selbstbetrug und Schönrederei.

Man darf allerdings nicht ausser acht lassen dass die Ratingagenturen privat finanzierte Unternehmen sind die an diesen Bewertungen verdienen, also im Sinne ihrer Kunden arbeiten. Den Rest kann mich selbst zusammenreimen.

Oder anders formuliert: was ist das schon wert? die Deutschen haben sie sich nicht getraut abzuwerten ;-)

Stärker differenzieren ? 14% mehr Ausgaben als Einnahmen.



10.000.000.000 € neue Schulden jedes Jahr ohne jegliche Aussicht dass das Budget einmal ausgeglichen sein wird.

Na in Wahrheit ist AA+ mehr als großzügig bemessen !!!!!

zurzeit noch AA+

bin neugierig, was dieser Bankchef zu berichten weiß, wenn wir auf AA abgewertet werden ...und in Folge weiter auf A+ ...

Daher sollte man "nicht die Nerven verlieren"...

... auch ein "Argument" am Stillstand festzuhalten! ^^

Experten!

Experten für Müll und Lügen.


 
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