Warnung "negativer Ausblick" wird kaum beachtet

16.01.2012 | 15:46 |   (DiePresse.com)

Bei 15 Staaten der Eurozone, darunter Österreich, hat Standard & Poor's den Ausblick auf "negativ" geändert. Gesprochen wird darüber kaum.

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"Watch ist nicht negativ", war die erste Reaktion von VP-Finanzministerin Maria Fekter, als die US-amerikanische Ratingagentur Stand & Poor's im Dezember 2011 die Bonitätsnote von 15 Euro-Staaten mit einem "Credit Watch negative" versah. Mit dieser Einstufung wurde Ländern wie Deutschland, Österreich, Belgien, Finnland, die Niederlande und Luxemburg eine Abwertung um eine Stufe in Aussicht gestellt.

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Nun wurde die Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Eurozonen-Länder durch S&P Wirklichkeit. Österreich und Frankreich verloren das begehrte "Triple A". Österreich muss den Haushalt sanieren, unabhängig davon, wie die internationalen Ratingagenturen die Bonität des Landes einstufen. Darüber war sich eine hochkarätige Diskussionsrunde in der ORF-Sendung "Im Zentrum" am Sonntagabend einig. Die Politiker und Fachleute hatten aber vornehmlich die Ratingagentur S&P im Visier. Maria Fekter etwa sagte, "aber wir werden uns nicht durch Ratingagenturen kopfscheu machen lassen".

Ernst der Lage erkannt?

Untergegangen in allen Beschwichtigungsversuchen ist die Tatsache, dass Standard & Poor's in ihrem Rundumschlag 15 der 17 Euro-Staaten - nur Deutschland und Slowakei kamen ungeschoren davon - mit dem Ausblick "negativ" versehen hat. Aus manchen Diskussionsbeitragen in der Fernseh-Sendung konnte man den daraus resultierenden Ernst der Lage nicht zweifelsfrei erkennen.

AAA-Verlust: Und keiner war schuld...

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"Wir hatten jetzt für die meisten Euro-Staaten auch einen negativen Ausblick gleich mit angekündigt", sagte der Leiter der für die Länderratings zuständigen Abteilung bei S&P Deutschland, Moritz Kraemer. "Das bedeutet, dass innerhalb der nächsten ein oder zwei Jahre weitere Herabstufungen folgen könnten."

1:3 Chance bei Ausblick "negativ"

Im Wortlaut der S&P-Entscheidung zu Österreich wurde der langfristige Rating-Ausblick "negativ" damit begründet, dass die Ratingagentur glaubt, dass eine Chance von zumindest 1:3 bestehe, dass das Rating schon heuer oder 2013 weiter nach unten gesetzt werden könnte. Vor allem dann, wenn die allgemeine Nettostaatsverschuldung auf über 80 Prozent steigt, weil die Regierung österreichischen Banken Geld borgen muss.

Geld vom Staat brauche sein Haus in absehbarer Zeit nicht, sagte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl zum wiederholten Mal. Treichl kritiserte in der ORF-Sendung "Im Zentrum" die "sehr undifferenzierte Blickweise" von S&P auf Mittel- und Osteuropa. Es werde zu wenig berücksichtigt, dass seine Bank - wie andere österreichische Banken auch - in den strittigen Ländern Osteuropas nicht nur Kredite vergeben, sondern im gleichen Ausmaß auch Einlagen eingesammelt hat.

 

(Red. / herbas)

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16 Kommentare
Gast: Übernehmer
17.01.2012 08:48
1

rettung

Rechnungshofpräsident Dr. Moser soll die Amtsgeschäfte der Regierung übernehmen. Vize soll der Vorgänger Moser`s werden. Sonst wird es nur Steuererhöhungen geben. Faymann und Co machen einem depressiv und fahren das Land in die Pleite!

Gast: b754
16.01.2012 17:26
3

der größte raub in der geschichte

profitiern tun die die die krise verursacht haben und jetzt an den zinsen verdienen und sich wieder fette boni zuschieben

Gast: lkdurf
16.01.2012 17:16
2

Rücktritt


der Marionettenregierung.

Neuwahlen und Expertenregierung sind das Gebot der Stunde.

Vom Sozi der den überbezahlten Bundespresidänten spielt, ist keinerlei Aktivität zu erwarten, da er in diesem Falle sein AMT NICHT wahrnehmen will.

Es erhebt sich die Frage, ob nicht eine Klage gegen die obersten Organe wegen bewusster Verletzung der Verfassung, zB. der Aufsichtspflicht oder derartiges einzubringen wäre.

Erinnert irgend wie an die Pisa-Diskussion:

Schuld waren auch damals die Tester, aber nicht unser Bildungssystem und schon gar nicht jahrzehntelanges Missmanagment durch das Unterrichtsministerium.
Erinnert irgend wie an das Verhalten vieler Raser, die mit 160 über unsere Autobahnen brettern und sich dann wahnsinnig darüber aufregen, wenn sie geblitzt und bestraft werden.

Gast: Maria die Barbarin
16.01.2012 17:14
3

Watch ist nicht negativ

Mit dem ihr eigenen skurril anmutenden Sprachmix
wird sie womöglich noch ein Filmstar in Amerika.

Na was sonst. Totschweigen und Ignorieren.

Da sind unsere Politiker spitze. Alles damit sich die Bevölkerung 'nicht beunruhigt' natürlich.


Gast: Was sonst?
16.01.2012 16:59
4

Außer negativem Ausblick?

Oder glaubt jemand wirklich, die herrschende Nomenklatura könnet sich wie weiland Münchhausen selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen, in dem sie sich seit Jahrzehnten genüßlich suhlt?

Im Gegenteil: Jeder bereichert sich, so gut er noch kann und beutet das Volk aus...

solange es sich das gefallen läßt.

Gast: SchauGenau
16.01.2012 16:44
1

Kreditsicherheiten

Auch ich dachte, zum Absichern aushaftender Kredite werden - nomen est omen - von den Kreditnehmern Sicherheiten verlangt, welche im Falle des Kreditausfalles verwertet werden.
Erst dann, wenn auch das nichts bringt, müssen die Einlagen herhalten.
Sollte aber bei seriöser Bonitätsprüfung nicht notwendig sein.

grosses Kino

wie sieht die Nettoverschuldung von z.B. Großbritanien aus ?
nach einem kostspieligen Nah Ost Krieg und der Vorbereitung auf den nächsten
einer Wirtschaft die ,ja wo eigentlich dahindümpelt
aber die Freunde Amerikas sind ja auch nicht im Euro
drücken wir mal ein Auge zu ,oder besser gleich beide
grosses Kino eben

Einlagen gesammelt...

In der Regel können bei den Banken aushaftende Kredite nicht mit den Einlagen saldiert werden. Oder ist das bei der Erste Bank anders?

Antworten Gast: Febobo
16.01.2012 16:58
1

Re: Einlagen gesammelt...

Pssst.... nicht so laut, laut Eigendefinition von Topbanker Treichl gehören die Spareinlagen ja nun quasi der Bank, sind also Eigenkapital, oder so... fallen Kredite aus, nimmt sich die Bank das dann einfach.

Vermutlich hat ihm das der Pröll so erklärt, der hat das ja 2008/09 schon einmal vollmundig so erklärt.

Gast: Hansi Hüpfer
16.01.2012 15:24
10

Die Elefantenrunde mit dem Amöbengehirn, exkl. Schellhorn!

Die hochkarätigen Dodeln haben sich gestern Abend immer wieder bestätigend und aufmunternd zugenickt um dadurch die einheitliche und damit einzig richtige Auffassung zu bestätigen, dass eh alle alles richtig gemacht haben, nur das grausame Schicksal hat Ö. für die Fehler Italiens und Ungarns bezahlen lassen.
Wäre nicht Schellhorns 200 Sekunden Einlage gewesen, hätte man an dieser Runde verzweifeln können. Besondern Nowotny wirkt total ahnungslos, der sollte schnellsten in den Stadtpark versetzt werden, um die dortigen Tauben zu füttern. In der Nationalbank hat der nichts verloren. Inkompetanz bis zum geht nicht mehr!

Antworten Gast: Penunze
16.01.2012 16:59
3

Re: Die Elefantenrunde mit dem Amöbengehirn, exkl. Schellhorn!

Der Novotny hatte bereits im Herbst 2010 erklärt , dass " die Krise längst vorbei sei und wirkt unseren Garantien ganz schön Geld verdienen werden"....

Mittlerweile steht GR vor dem Zusammenbruch, wir werden kein Geld oder Geldeswert erhalten, sonder die gegebenen Garantien einlösen müssen!

Das alles wird in den zukünftigen Sparpaketen zu berücksichtigen sein und jedem, vor allem die bereits jetzt sehr wenig zum Leben haben, ungeheuere Schmerzen verursachen.

Das gestrige " Im Zentrum ". hat neuerlich den Beweis erbracht dass wir von Nichtskönnern und ausgesprochenen Politheinis regiert werden.

Die Moderatorin, selbst linientreu (sonst wäre sie ja nicht an dieser Stelle), hat mit ihren andauerndem ins Wort fallen, mehr gestört als moderiert!

Bankeinlagen


Was soll man sich als Sparer denken, wenn Herr Treichl meint "dass seine Bank ... in den strittigen Ländern Osteuropas nicht nur Kredite vergeben, sondern im gleichen Ausmaß auch Einlagen eingesammelt hat.

Heißt das, dass eine solche Bank sicherer ist ? Wegen der Spareinlagen ?
Heißt das also, dass die Spareinlagen dafür verwendet würden, um allfällige Kreditausfälle auszugleichen ?

Wenn dem so ist, dann kenn ich mich aus, und weiß was ich mit meinen Spareinlagen tun werde; "shortly without von delay".

Re: Bankeinlagen


Darf man hier nichts negatives über Treichl schreiben, warum wurde mein Kommentar gelöscht?

Jedenfalls zweifle ich an der Fähigkeit Treichels, ein Unternehmen zu leiten, mit derartigen Aussagen!

Man kann doch keine Spareinlagen mit vergebenen Krediten aufrechnen.

Im Kindergarten vielleicht...


Re: Bankeinlagen

Meines Wissens sind alle Kredite aller Banken durch Spareinlagen gedeckt - und immer nur bis zu dem in letzter Zeit viel diskutieren Deckungs-Untergrenzen.
Dh: Eine Bank verborgt etwa 10x so viel, wie sie hat. Das ist ihr Geschäft.
Sie borgt sich Geld aus (Spareinlagen) und verborgt es teurer weiter.
Solange es keinen run auf eine Bank gibt, und die Kreditausfälle einen bestimmten %Satz nicht übersteigen, macht sie damit gute Geschäfte und auch der Sparer profitiert, bekommt er doch Zinsen für sein Geld.
Treichl meinte mit seiner Aussage lediglich, dass die %uelle Deckung in einigen der osteurop. Länder durch dortige Spareinlagen gesichert sei, nicht durch hiesige.
Wenn alle, die von Banken nicht allzu viel verstehen, Treichl derart missverstehen, wird es allerdings zu einem run und damit einem Bankenkrach kommen. Denn wenn mehr als 10% der Sparer oder Anleger ihr Geld von den Banken zurückwollen und diese keine kurzfristigen Kredite bekommt, wird sie allerdings zahlungsunfähig.
Im Übrigen sind Spareinlagen in Österreich vom Staat garantiert - dh: wenn die Bank krachen geht, springt bis zu einer bestimmten Höhe (100.000€ glaube ich) der Staat ein. Wenn Sie also nicht zu viel auf der Bank haben, müssen Sie sich erst sorgen machen, wenn Sie Bank UND Staat nicht mehr trauen.
Wenn Sie mehr auf Ihrem Sparbuch haben, sollten Sie ohnehin über effizientere Anlagemöglichkeiten nachdenken.

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