AAA-Verlust: Und keiner war schuld...

''Wir erfüllen unsere Aufgabe.''

Das sagt Moritz Kraemer, der Leiter der für die Länderratings zuständigen Abteilung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Deutschland.

Die Reaktionen lassen jedoch anderes vermuten. Sowohl in Österreich als auch in Europa häufen sich die Ausreden, warum eigentlich niemand was für die Herabstufungen kann - außer S&P natürlich. Ein Überblick:(c) Reuters (Mal Langsdon)

''Eine politische Aktion, wenn ganz Europa auf einen Schlag heruntergestuft wird.''

Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny reagierte als Erster noch in der Nacht auf Samstag auf die Rating-Herabstufung. Er wertete diese als "spektakuläre Demonstration gegenüber dem Euroraum".(c) Reuters (Heinz-Peter Bader)

''Unverständlich, wenn sich eine von drei US-Ratingagenturen im Alleingang entschließt, die Bonität von Ländern der Eurozone herabzusetzen.''

Mit SP-Kanzler Werner Faymann und VP-Vizekanzler begann am Samstag der Reigen jener Aussagen, die die Schuld vor allem bei der Ratingagentur S&P suchen.(c) APA (Herbert Pfarrhofer)

''Wir werden uns nicht durch Ratingagenturen kopfscheu machen lassen.''

Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter kritisierte am Sonntag vor allem die Ratingagenturen. S&P habe das "Ostrisiko" für Österreich eher undifferenziert eingeschätzt, österreichische Staatsanleihen würden am Kapitalmarkt nach wie vor gut aufgenommen.(c) APA (Georg Hochmuth)

''Sehr undifferenzierte Blickweise.''

Schützenhilfe bekam sie von Erste-Bank-Chef Andreas Treichl. Er warf S&P eine "sehr undifferenzierte Blickweise" auf Mittel- und Osteuropa vor. Es werde zu wenig berücksichtigt, dass österreichische Banken in den strittigen Ländern Osteuropas nicht nur Kredite vergeben, sondern im gleichen Ausmaß auch Einlagen eingesammelt hat.(c) APA (Hans-Klaus Techt)

''Für Österreich selbst war der Schritt weitgehend unberechtigt.''

Am Montag setzte sich dann die Legende vom Rating-Opfer Österreich fort.

Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), sieht in den Abstufungen durch S&P hauptsächlich ein EU-Problem. "Das war ein Warnschuss für Europa, der zwar verständlich, aber nicht hilfreich war".(c) Reuters (Heinz-Peter Bader)

''Österreich hat das deutlich bessere AA+-Rating als Frankreich.''

Erste-Group-Chefanalyst Friedrich Mostböck sah am Montag ebenfalls keinen Grund in Hysterie zu verfallen, wenn nun eine von drei Agenturen Österreich um eine Stufe herabgesetzt habe: "Es steht jetzt 2:1 für Österreich - die zweitbeste Note ist noch immer sehr gut."(c) Die Presse (Clemens Fabry)

''Wir müssen in der Banken- und Versicherungsaufsicht darüber nachdenken, wie wir die Rolle der Ratingagenturen darauf beschränken können, was sie tatsächlich sind.''

Auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ortete die Schuld sofort bei den Ratingagenturen.(c) AP (Markus Schreiber)

Walter Rothensteiner, Chef der Raiffeisen Zentralbank und Chef des Bankenverbandes sieht in der Herabstufung durch S&P eine "überzogene Schlechtmache". Die Argumentation der Agentur sei "Unfug".(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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