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"Griechenland bedroht Stabilität mehr als S&P-Herabstufung"

17.01.2012 | 10:43 |   (Die Presse)

Die Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und der Regierung in Athen über einen Schuldenschnitt sind in einen Machtkampf ausgeartet. Ein weiteres Hilfspaket in der Höhe von 130 Milliarden Euro droht zu platzen.

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Wien/Wb/Ag. Griechenland steht vor der schwierigsten und auch entscheidenden Phase seiner Finanzprobleme. Da die Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und der Regierung in Athen über die Bedingungen eines 50-prozentigen Forderungsverzichts privater Gläubiger festgefahren sind, droht das damit verknüpfte weitere Hilfspaket der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Höhe von 130 Milliarden Euro zu platzen. Deutschland hat sich bereits am Montag darauf festgelegt, dass es an dieser Verknüpfung festhalten werde. Der britische Finanzminister George Osborne wies darauf hin, dass die Ungewissheit über eine Lösung der griechischen Schuldenprobleme die Stabilität Europas derzeit mehr bedrohe als die Herabstufung von neun Euroländern durch Standard & Poor's (S&P).

Eigentlich sollten die Verhandlungen mit den privaten Gläubigern diese Woche abgeschlossen werden. Doch seit Ende vergangener Woche, sind die Gespräche unterbrochen. Statt sich anzunähern, sind die Beratungen in ein Machtspiel ausgeartet. Auf der einen Seite verlangen die Banken zusätzliche Zugeständnisse der griechischen Regierung und neue Sicherheiten der Europäischen Zentralbank (EZB). Auf der anderen Seite droht die griechische Regierung damit, alle Gläubiger durch eine gesetzliche Regelung zum Schuldenerlass zu zwingen. In die Verhandlungen eingebundene Bankenvertreter berichten, dass die Regierung in Athen offen mit einem erzwungenen Schuldenschnitt gedroht habe. Das sei der Grund gewesen, warum die Gespräch auf Eis gelegt worden seien. Insgesamt geht es um einen Erlass von 100 Milliarden Euro, der im Rahmen des letzten EU-Gipfels im Dezember vereinbart wurde. Schon damals wurden Bankenvertreter in die Entscheidung eingebunden.

Die griechische Regierung muss damit rechnen, dass sie bereits im März zahlungsunfähig wäre, wenn die nächsten Staatsanleihen in der Höhe von 14,5 Milliarden Euro auslaufen. Das wissen auch die Vertreter der Banken. Sie wissen aber auch, dass einige Investoren mehr als den nun geplanten 50-prozentigen Forderungsverzicht abschreiben müssten, wenn das Land tatsächlich bankrott ginge. Problematisch ist, dass die privaten Investoren unterschiedliche Interessen verfolgen.

Für einige von ihnen wäre ein Schuldenschnitt von Vorteil, sie würden damit zumindest einen Teil ihrer Investitionen zurückerhalten. Andere Banken und vor allem Hedgefonds haben ihre griechischen Anleihen mit Kreditausfallsversicherungen (CDS) abgesichert. Sie spekulieren damit, dass sie im Falle einer griechischen Pleite mehr Geld zurückerhalten würden als durch einen freiwilligen Schuldenschnitt. Die CDS, die ebenfalls auf den Finanzmärkten gehandelt werden, haben in den letzten Tagen deutlich an Wert zugelegt, was darauf hinweist, dass Spekulanten bereits auf einen Ausfall der griechischen Staatsanleihen setzen. Wie aus Verhandlerkreisen verlautet, drängen denn auch mehrheitlich Hedgefonds, die bis zu 70 Milliarden Euro an griechischen Papieren halten, darauf, dass sie von der Regierung in Athen bessere Konditionen bekommen. Der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, warnte bereits die Banken, sie sollten ihre Forderung an Griechenland nicht „überziehen“.

 

Troika-Urteil nächste Woche

Am heutigen Dienstag werden Experten der Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB in Athen erwartet. Sie werden die Reformfortschritte und Sparanstrengungen der griechischen Regierung unter die Lupe nehmen. Erst am Freitag werden laut griechischer Regierungskreise die Chefunterhändler der drei Organisationen über eine Auszahlung der nächsten Hilfstranche beraten. Ihre Anreise wurde wegen der ausstehenden Einigung mit den Banken verschoben.

Es wird erwartet, dass die Troika die mangelnden Fortschritte bei der Sanierung des Staatshaushalts kritisiert. Sowohl die Privatisierung als auch die Verwaltungsreform stockt. Verweigern die internationalen Geldgeber die Auszahlung der nächsten Tranche von fünf Milliarden Euro, schlittert der griechische Staat in einen akuten Liquiditätsengpass. Dieser könnte sich bis zum Sommer zuspitzen. Im Falle einer Pleite müssten auch die Europartner auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2012)

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10 Kommentare
Gast: i gast
17.01.2012 18:55
0 0

Bravo Merkozy + Brüssel!

Warum schreibt die Presse nicht, dass die "braven" Hedgefonds die griechischen Staatsanleihen mehrheitlich bereits abgewertet zu 25% ihres Wertes gekauft haben. Gleichzeitig haben die auch CDS gekauft. Also, egal was kommt werden die Heuschrecken gewinnen. Die Frage ist werden die am meisten gewinnen? Entweder zahlt Griechenland "freiwillig" 50 Cent zu einer Nominale von 1 Euro zurück nach dem Haircut, oder geht Griechenland Pleite und die Hedgefonds kassieren die Kreditausfallsversicherungen ab. Die Frage ist also, wie verdienen die mehr unterm Strich? Griechenland ist nur ein Werkzeug zum Profit zu kommen. Und je schneller, desto besser. All die europäischen Politiker, die im Laufe der Jahre keine Maßnahmen für die Regelung des "grauen" Bankenbereichs vereinbaren konnten, tragen die Verantwortung, dass der Euro zerfällt und wir (das Volk) unser Geld verlieren werden.

Gast: Arbeitsdepp
17.01.2012 07:47
5 0

Pröll: Girechenland wird ein Bombengeschäft!

Ja, vielleicht für den schwarzen Draken namens Raika wo der dicke Pröll als Belohnung für sein Arbeiten im Sinne der Raika und gegen die Interessen Österreichs einen fetten Versorgungsposten bekommen hat. Zuerst Griechenland Geld geben damit die Raika keine Verluste schreibt.

ÖVP, die Leistungsträger Partei.

Gast: uijemineh
17.01.2012 07:44
2 0

pleite unmöglich

griechenland kann nicht "pleite gehen", denn bei insolvenz hat griechenland einen anspruch auf geld aus dem efsf.
die ursprünglich im eu-vertrag enthaltene "no-bail-out - klausel" (keine fremde hilfe für überschuldete länder) wurde ja durch die schaffung des euro-rettungsschirmes desavouiert.

Eine etwas späte Einsicht,

es gab aber schon im Frühjahr 2010 namhafte Wissenschaftler, die eine Rettung als aussichtslos sahen. Die zu späte Einsicht unser (alternativlosen) EU-Führer hat allerhand gekostet. Dabei ging es ja nicht um Griechenland, sondern die Banken, weil die dann auch Pleite gewesen wären - und eben jetzt erst sein werden. Um die hunderte Milliarden € hätte man sie auch ohne Umweg auf Zeit verstaatlichen können. In der Schule habe ich mal etwas von Unternehmerrisiko gehört. Der Posten kommt übrigens auch in der Preiskalkulation vor....W.

kurze Bilanz

100 Milliarden europäische Steuermilliarden,
mindestens ebenso viel Geld nochmal von der EZB,
eine nach dem Sparpaket noch mehr am Boden liegende griechische Wirtschaft
später

und Griechenland ist immer noch genauso pleite wie es vorher war!!

könnte man bitte endlich die Verantwortlichen vor den Kadi stellen?

6 0

Griechenland ist bankrott


die Frage ist nur mehr, wie Griechenland abgewickelt wird und ob die Geldgeber auf die Gesamtsumme verzichten müssen oder einen geringen Teil ihrer Gelder erhalten können. Das ist kein Geheimnis noch eine Verschwörungstheorie - jeder weiß es wird über diese Frage derzeit hektisch verhandelt.

Das nun Aasgeier / Hedgefonds aus diesem Drama ordentlich Geld schöpfen werden (egal wie die Wette ausgeht), ist absolut sicher und liegt in der Natur unseres "modernen" Finanzwesens.

Gast: freund?
16.01.2012 19:58
3 1

weg mit der ÄÄUU...



dann können die griechen ..., bzw. wen anderen bedrohen mit ihrer misere !

fakilaki, oder wie man dort so sagt !

Gast: walti
16.01.2012 18:19
13 1

Katastrophale Folgen


Die Herren in Athen stellen uns immer wieder die
Rute ins Fenster !!
Entweder ZAHLEN oder es gibt eine Katastrophe für Europa !!
Wie lange lassen wir und das noch gefallen ???

4 0

Wir bz. unsere Politiker sind dafür verantwortlich


Griechenland hat nur genommen, was wir ihm aufgedrängt haben. Und jetzt hängen wir voll mit drinnen. VOLL!
Das so unterschiedliche Volkswirtschaften nicht zusammenpassen war halt politisch nicht opportun.
Das man kein gemeinsames Haus für einen Floh und einen Wal bauen kann ist jedem Kind klar - aber erklären sie das mal einem EU-Abgeordneten...

Die Verhandlungen dauern so lange,

bis alle Euro-Staaten kaputt gehen! Ansonsten haben die Verhandlungen kein Sinn für Griechenland. In der EU müssen alle gleich sein! Wenn pleite dann alle!

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