EZB: Banken bunkern 500 Milliarden Euro über Nacht

Das Misstrauen der Banken untereinander wächst. Die Übernacht-Einlagen bei der Notenbank sind erstmals über die 500 Milliarden-Schwelle gestiegen.

Bankeinlagen stiegen erstmals ueber
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Bankeinlagen stiegen erstmals ueber
(c) AP (Torsten Silz)

Das Misstrauen der Banken untereinander nimmt immer mehr zu: Die "Vorsichtskasse" der Geldinstitute des Euroraums ist am Dienstag erstmals über die Schwelle von 500 Milliarden Euro geklettert. Zuletzt hätten die Institute 501,93 Milliarden Euro über Nacht bei der Notenbank geparkt, teilte die EZB am Dienstag in Frankfurt mit. Am Montag waren die eintägigen Einlagen bei 493,27 Milliarden Euro gelegen.

Der Hintergrund: Die Einlagen der "Vorsichtskasse" gelten als Misstrauens- und Krisenindikator. Denn Geld, das die Banken bei der EZB parken, ist nicht sehr produktiv angelegt. Die Konditionen sind ungünstig, aber das Risiko gering, wie "DiePresse" bereits im Dezember berichtete. Normalerweise versorgen sich die Banken untereinander mit Geld.

Banken misstrauen sich

Zum Vergleich: Im Jahr 2007 galt es schon als ungewöhnlich, wenn die eintägigen Einlagen im einstelligen Milliardenbereich lagen. Der Höchststand hatte in dem Jahr lediglich 9,1 Milliarden Euro betragen. Im Durchschnitt lag der Wert jedoch deutlich niedriger bei 540 Millionen Euro. Der direkte Geldhandel zwischen den Banken funktioniert zurzeit aber nicht wie gewohnt. Grund ist das starke Engagement der Institute in Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder.

Darüber hinaus ist die Liquidität im Bankensektor derzeit außergewöhnlich hoch. Ende 2011 hat die EZB mit einem Dreijahreskredit fast 500 Milliarden Euro in das Bankensystem gepumpt. Ein Teil dieses Geldes scheinen die Banken über Nacht bei der EZB zu halten. Lange Zeit hatte der Höchststand 385 Milliarden Euro betragen. Er wurde im Juni 2010 erreicht. Diesen Rekord hatten die Einlagen bereits Anfang 2012 überschritten.

Vor Zusammenbruch einer Bank?

Beobachter rätseln, ob die Banken einen Zusammenbruch eines europäischen Geldinstituts befürchten, berichten die "Deutschen Mittelstandsnachrichten". Schon vor Weihnachten musste demnach ein Unternehmen gerettet werden. Weil aber EZB-Aktionen geheim bleiben, wurde nie bekannt, um welches Institut es sich handelte.

(Ag.)

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