Die öffentliche Verwaltung Griechenlands trage "Züge eines Entwicklungslandes". Das sagte Österreichs Botschafter bei der OECD, Wolfgang Petritsch, gegenüber der Tageszeitung "Kurier" (Montagausgabe). Es bedürfe dringend eines Know-how-Transfers für ein effizientes Public Service. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) besitze dieses Wissen und auch die entsprechenden Experten, so Petritsch.
Die OECD habe erstmals Griechenland systematisch untersucht und belegt, was in der Verwaltung und im Regierungsapparat nicht funktioniere und das Land hindere, voranzukommen, berichtete der Diplomat und Balkan-Kenner, der österreichischer Botschafter in Serbien, EU-Vermittler während der Kosovo-Krise und internationaler Bosnien-Beauftragter war. Athen fehlten wichtige institutionelle Voraussetzungen, um Reformen umzusetzen. Das Steuersystem sei ineffizient.
"OECD steht für mehr Europa als EU"
Zur EU-Sparpolitik sagte Petritsch: "Die OECD kritisiert, dass die Sparpolitik nicht koordiniert wird; wenn alle sparen, wer investiert, wer kauft dann noch was? Die EU-Länder sollen sich auch nicht von Ratingagenturen schikanieren lassen. Diese argumentieren pro-zyklisch, wirken als Trend-Verstärker - vor der Krise nach oben, jetzt ins Negative."
Die EU sei schon in die Krise geschwächt hineingegangen. "Die OECD bedauert, dass die EU in der Krise nicht als Union handelt, dazu fehlen noch wichtige Integrationsschritte, die rasch nachgeholt werden sollen", betonte Petritsch. Für die OECD seien die Reformen zu langsam und zu wenig weitreichend. Es fehlten gemeinsame europäische Mechanismen. "Da steht die OECD für mehr Europa."
(APA)

AAA bis RamschSo kreditwürdig sind EU-Länder und USA