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"Tag X": Hedgefonds rüsten sich für Ende der Eurozone

02.02.2012 | 10:46 |   (DiePresse.com)

Die Folgen eines Zusammenbruchs sind nicht kalkulierbar. Die Hedgefonds spielen daher Pleiterisiken und Erholungschancen der EU-Länder durch.

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Die Eurokrise bringt selbst Vermögensverwalter mit fast unbegrenzten Möglichkeiten an ihre Grenzen. Hedgefonds spielen derzeit Extremszenarien durch, um sich für den "Worst Case" zu rüsten und ihre bittere Erkenntnis lautet: Die Folgen eines Zusammenbruchs der Eurozone sind nicht kalkulierbar. Präzedenzfälle gibt es nicht, nicht einmal der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 kann als Muster herangezogen werden.

Angesichts der zählen Verhandlungen um einen griechischen Schuldenschnitt und der zunehmenden Zweifel an Portugals Reformkraft wird die Möglichkeit, dass mindestens ein Land die Eurozone verlässt, von den Hedgefonds als kleine, aber ernstzunehmende Option gesehen. "Wie genau dieses Ereignis ausfallen könnte, lässt sich im Voraus nicht greifen, aber das entbindet dich nicht von deiner Pflicht, dich darauf vorzubereiten", umschreibt es der Risikochef einer Gesellschaft.

Hedgefonds verloren 2011 fünf Prozent an Wert

Die kaum regulierten Hedgefonds können das ihnen anvertraute Geld viel freier investieren als klassische Investmentfonds. Die Wertentwicklung ihrer Portfolios überzeugt momentan aber nicht. Die Branche hat von den vergangenen vier Jahren zwei mit Verlusten abgeschlossen: 2008 und 2011. Im Vorjahr verloren sie nach Angaben von Hedge Fund Research im Schnitt fünf Prozent an Wert. Der breit gestreute US-Aktienindex S&P 500 gewann dagegen gut zwei Prozent.

Ein Aus der Eurozone würde alle Vermögensverwalter vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Szenarien, die die Hedgefonds durchrechnen, reichen von massiven Einbrüchen am Aktien- oder Ölmarkt bis zu einer Rally beim Goldpreis. Sie holen alte Portfoliostrategien aus D-Mark- und Drachmen-Zeiten aus dem Keller und überlegen, inwieweit diese wieder funktionieren könnten.

"Jeder spielt diese Szenarien durch"

"Jeder, der Risikopositionen verantwortet, spielt diese Szenarien durch", sagt Mark Wightman, Strategiechef für die asiatisch-pazifische Region beim IT-Dienstleister SunGard. Pleiterisiken und Erholungschancen ganzer Länder würden durchgespielt, und dann werde auch geschaut, welche Handelshäuser und Vermögensverwalter am meisten betroffen wären. "Die Szenarien werden ziemlich komplex und die Leute schauen sich alle möglichen Korrelationen an, um eine Idee von den zu erwartenden Konsequenzen zu bekommen."

Viele Hedgefonds haben nach Aussagen von Insidern ihre Positionen in Anlageklassen, die direkt von einem Zusammenbruch der Eurozone betroffen wären, stark zurückgefahren. "Teilweise sehen wir so eine Art Notfallplanung - also: wo musst du als erstes raus", erläutert der Hedgefonds-Risikochef. "Aber teilweise wird auch proaktiv gehandelt - dass man sich beispielsweise sagt, in europäischen Aktien oder im Euro muss ich mich gerade nicht übermäßig engagieren."

Rüsten für den Tag X

Einige Hedgefonds haben ihre Short-Strategien (Anm., das Wetten auf fallende Kurse) komplett umgekrempelt. Üblicherweise sichern sie sich zum Beispiel gegen den Kursverlust einer deutschen Bank ab, indem sie bei ausländischen Konkurrenten auf eben diesen Verlust wetten. Diese Strategie ging zuletzt nicht mehr auf, unter anderem "weil die griechischen Banken wegen der Schuldenkrise ein Eigenleben entwickelt haben", wie es ein Insider formuliert. Um dieses Risiko zu umgehen, wird inzwischen auf den Kursverlust eines heimischen Konkurrenten gewettet.

Da aber beispielsweise völlig unklar ist, welche Währungen es nach einem Zusammenbruch der Eurozone überhaupt gäbe und wie diese sich dann entwickeln würden, hat jede Absicherungsstrategie ihre Tücken. "Ein Hedgefonds hat vielleicht ein Programm, das seine aktuellen Positionen wunderbar absichert - aber am Tag X kann kein Programm die neue Realität darstellen", sagt der Risikomanager.

Wetten auf deutsche Bundesanleihen

Viele Gesellschaften haben in Credit Default Swaps (CDS) investiert - also in Kreditausfallversicherungen für Staaten. Deshalb wird ihnen auch von einigen Experten unterstellt, dass sie gar kein Interesse an einer Einigung auf einen Schuldenschnitt mit Griechenland haben. Denn bei einer Pleite Athens würden sie ihre CDS zücken und Kasse machen. Ein Risiko ist allerdings auch hier nicht zu unterschätzen: Um für die CDS auch zahlen zu können, muss der Vertragspartner liquide sein. "Du schaust dir dein Gegenüber genau an, um Ansteckungsrisiken zu vermeiden", sagt Wightman. "Und aus diesem Grund wickelst du die Euro-Geschäfte eben mit japanischen, amerikanischen oder asiatischen Instituten ab."

Ein Hedgefondsmanager hat inzwischen ein Geschäft strukturiert, bei dem er Bundesanleihen kauft und diese mit CDS absichert, erzählt ein Branchenkenner. Wenn also die Kurse der Bundesanleihen fallen, verhindert der dann steigende Wert für die Ausfallversicherung einen Verlust.

(Ag.)

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20 Kommentare
TheDalien
03.02.2012 11:13
0 0

Das Ende des Geld-Systems

Dann werden die Menschen frei sein...keine Korruption mehr. Geld war nur eine Illusion...

Geschaffen um das Tier aus Zivilisationen zu ziehen.
Nur die Würdigen werden evolvieren.

Gast: TOM22
02.02.2012 21:40
0 1

USA im Angriffskrieg gegen Europa

Das ist ein amerikanischer Wirtschaftskrieg gegen Europa! Wie bei vielen Kriegen wird die Schuldfrage auch hier umgekehrt. Die USA haben mit Ihren Finanzprodukten die Welt vergiftet.

Gast: Geld istweg!
02.02.2012 15:32
2 4

Sofortiges Ende der undgedeckten CDS Spekulationen

Aber dazu ist die Politik leider nicht fähig, sie ist den internationalen Investmentbanking- Hedgefons und sonstigen Finanzhaien restlos hörig und selbst total ahnungslos. Sonst hätte man nicht das früheste Ende für ungedeckte CDS, wieder um mindestens ein Jahr auf 1013 hinausgeschoben.

So zahlt die Zeche 1. der fleissige Steuerzahler und 2. der Mindesteinkommensbezieher, dem seine Sozialleistungen direkt sowie indirekt durch die Inflation gekürzt werden.

Antworten GeraldC
02.02.2012 16:19
5 0

Sofortiges Ende .....

der staatlichen Schuldenmacherei
Denn die ist die Wurzel des Übels!

Gast: Bänkster
02.02.2012 15:04
0 1

alles richtig verstanden ?

Ich denke der Autor dieses Artikels hat da etwas nicht richtig verstanden:

Zitat von oben: "Ein Hedgefondsmanager hat inzwischen ein Geschäft strukturiert, bei dem er Bundesanleihen kauft und diese mit CDS absichert, erzählt ein Branchenkenner. Wenn also die Kurse der Bundesanleihen fallen, verhindert der dann steigende Wert für die Ausfallversicherung einen Verlust. "Sein Basisszenario ist, dass, wenn ein Land den Euro verlässt, ein Run auf Bundesanleihen einsetzt."

>>> da kann etwas nicht stimmen, lieber Autor, denn wenn ein RUN auf Bundesanleihen einsetzt, dann STEIGT der Kurs dieser! Wer das als Basisszenario hat, der wird diese Bundesanleihen NICHT mit CDS absichern, denn diese würden den Gewinn (steigende Anleihekurse bei einem Run auf Bundesanleihe) wieder wegfressen......

Antworten Gast: Halbwissen
02.02.2012 15:56
0 0

Re: alles richtig verstanden ?

CDS für Bundesanleihen kosten ca 1 Prozent der verleihten Summe !

Wenn jemand 10 Prozent oder mehr Kursgewinn pro Jahr einfährt ( weil die plötzlich alle Bundesanleihen kaufen wollen ) ist es zwar ärgerlich wenn davon 1 Prozent abgezogen werden muss aber besser als kein Kursgewinn und 1 Prozent Verlust entsteht.

Gast: abz
02.02.2012 12:49
1 0

Angesichts der zäh(l)en Verhandlungen !


Faktum Est
02.02.2012 12:41
10 0

"Jeder, der Risikopositionen verantwortet, spielt diese Szenarien durch", sagt Mark Wightman, Strategiechef für die asiatisch-pazifische Region beim IT-Dienstleister SunGard.

Was einen verantwortungsbewußten Manager auszeichnet ist der "Plan B".
Was das mit underen Staatsmanagern (Politiker) zu tun hat? Gar nichts, denn diese haben nicht einmal einen "Plan A".

klaus h
02.02.2012 12:31
9 0

Und ich dachte Hedgefonds machen Milliardengewinne mit ihrer Zockerei auf Kosten des Steuerzahlers :-)

Und warum haben sie den Ruf einer komplett unregulierten Zockerbude, wenn sie Dinge machen wie Bundesanleihen kaufen und diese mit CDS absichern, das vermindert ihren Gewinn, wenn es gut geht, und bewahrt vor herberen Verluste, wenn es schief geht. Gerade das aber verstehe ich nicht unter "hemmungsloser Zockerei", sondern Investition unter Wahrung höchstmöglicher Sorgfalt.

Vielleicht sind Hedgefonds am Ende gar nicht so böse, wie in der Öffentlichkeit immer getan und von Politikern gerne als Ausrede für deren eigenes komplettes Versagen verwendet wird?

Antworten Walter2
02.02.2012 15:04
1 0

Re: Und ich dachte Hedgefonds machen Milliardengewinne mit ihrer Zockerei auf Kosten des Steuerzahlers :-)

Hedgefonts müssen, wie alle anderen auch, das Interesse der geldgeber, welche sie vertreten, im Auge haben.

Das primitive Politikbeispiel, dass dort finstere Zocker in der Abstellkammer sitzen, welche ununterbrochen die "braven Politiker" vor sich her jagen und ohne Risiko Dauergeweinne einfahren, ist eher, populitisch und für die Emotionen der breiten Masse der Nichtmitdenker gedacht.

PS: Nicht das dort alles in Ordnung wäre, aber die Hochstilisierung als für alles verantwortliches Feindbild (kommt irgendwie bekannt vor, oder?), ist schon etwas übertrieben.

Antworten Sochard
02.02.2012 14:14
1 2

Re: Und ich dachte Hedgefonds machen Milliardengewinne mit ihrer Zockerei auf Kosten des Steuerzahlers :-)

Der wirkliche Fehler war ein total überhitzter Markt und ein hemmungsloser Kaufrausch der Aktienhändler gepaart mit einem fallenden Markt, der den Sturz auslöste.

Die CDS hatten dadurch ihren Anteil, dass sie einigen Banken und Versicherungen das Leben gekostet haben und somit zur Verschärfung der Kriese führten, da die Institute sich begannen gegenseitig zu misstrauen und somit zu argen Refinanzierungsproblemen führte.

Dem Hedgfonds kritisiert man nicht für die Absicherung ihrer Geschäfte (hedging) wie es vielleicht beim Otto Normalverbraucher ankam, sondern für den ungezügelten Handel mit Grundstoffen wie z.B. Erdöl, wo ein Barrel über 27 mal den Besitzer wechselte bevor es beim Endkunden ankam. Die Größenordnung bei diesem Geschäft überstieg die strategischen Reserven der USA und trieb den Preis auf 200 US$.

andreas90
02.02.2012 12:17
1 0

Tag Y

Der IWF hat der Eurozone unlängst eine kleine Rezession für 2012 vorausgesagt. Der Tag X ist aber nicht unvermeidbares Schicksal, sondern es liegt in der Hand der Politik, das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen.

Siehe: http://zuwi.at/themen/eurokrise/die-rezession-kommt/

Antworten GeraldC
02.02.2012 12:25
2 0

Re: Tag Y

Zum Ruder herumreissen ist es schon lange zu spät!

Antworten Antworten Walter2
02.02.2012 14:57
0 0

Re: Re: Tag Y

Sagen wir's eventuell einmal so:

Das Ruder wurde herumgerissen, nur leider in die falsche Richtung.

Das man jetzt mit "Maastricht 2", vulgo Finanzpakt, wieder zu "Maastricht 1" zurückschwenken möchte, ist aber bisher nichts weiter als eine Absichtserklärung für die Zukunft.

Und dazu kommt, warum sollte man "Maastricht 2" vertrauen, wenn schon "Maastricht 1" das Papier nicht wert war, auf welchem es stand?

Antworten Antworten Antworten Gast: Stimme voll zu
02.02.2012 15:29
2 0

Re: Re: Re: Tag Y

Gibt es einen einzigen Grund, warum heute, speziell nach den unstreitigen Erfahrungen seit 2010, den EUro-päischen PolitikerInnen man größere Wahrheits- und Vertragstreue unterstellen sollte, wie denen bei und nach Maastricht 2001?
Längst gibt es genug, meist unterschlagene Literatur, an Hand der nachgewiesen wurde und wird, dass der "Euro" ausschließlich eine Maßnahme war, "die deutsche Atombombe D-Mark" zu eliminieren und die Deutschen zu schwächen, "europäisieren". Wie schon 1951, der damalige britische Generalsekretär Lord Ismay die NATO begründete: "Die USA drinnen, die Russen draussen und die Deutschen unten zu halten".
Und die Deutschen sind nicht grundlos noch heute, auch trotz 2+4 Vertrag nur halbsouverän: Warum haben die Amis die meisten Stützpunkte mit 70.000 Mann ausgerechnet im dicht besiedelten DE, warum gibt es noch immer britische Kontingente der Britischen Rheinarmee", unterhalten die Franzosen die die Amis schon vor 40 Jahren aus dem Land warfen- in Deutschland noch immer Kontingente? Warum hat DE keinen Generalstab, sondern alles "der NATO unterstellt"?
Alles nur, um die "Nachbarn vor dem furius teutonicus zu schützen". Und die Deutschen zahlen und zahlen - und müssen schon längst auch dafür Schulden "auf den internationalen Märkten" aufnehmen. Das hieß doch einmal "Schuldknechtschaft"....


Gast: Bretten_Woods_System
02.02.2012 12:15
3 0

Ist der Euro durch irgend etwas gedeckt?

z.B Goldreserven, Silber usw. ?
Früher war der Dollar durch Gold gedeckt! (35 Dollar Pro Gold Unze)!
http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System
Durch was ist unsere Währung (Euro) eigentlich gedeckt? Nur durch weitere Steuererhöhungen um die Masse zu enteignen? Es handelt sich natürlich dabei nur um Rettungsschirme..


Gast: Hans im Glück
02.02.2012 11:56
6 2

Raus, raus, raus...

Man muss das Papier-Finanzsystem verlassen bevor es nicht zu spät ist.

Also Au und Ag bunkern soviel es geht.

1 0

Re: Raus, raus, raus...

mit Gold fährt man seit 10 Jahren durchschnittlich ca 20% an Gewinn ein.

da spiel ich diese Hedgefonds spielend an die Wand :)

Re: Re: Raus, raus, raus...

Naja, Gold in Ehren - aber 20% p.a. realisierter Gewinn stimmt natürlich nicht.
Und Gewinn am Papier ist halt kein Gewinn.
Aber als Teil im Anlagemix allemal unverzichtbar.

@Hedgefondsmanager

man wird sie jagen, man wird sie töten und es wird kein schöner Anblick sein... Franz. Rev. 2.0


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