Niedrigere Zinsen trotz Ratingabstufung

02.02.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Frankreich und Spanien können sich günstig verschulden. Das Vertrauen in Portugal sinkt. Für zehnjährige Anleihen 2022 musste Frankreich durchschnittlich Zinsen von 3,13 Prozent berappen.

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Wien/Ag./Red. Auch nach Entzug der „TripleA“-Bonität durch S&P kann sich Frankreich noch ohne Probleme und sogar günstiger refinanzieren. Bei einer Anleihenauktion gestern, Donnerstag, nahm das Land knapp acht Mrd. Euro ein. Die durchschnittliche Rendite für Papiere mit einer Laufzeit bis 2018 betrug 2,44 Prozent. Bei einer ähnlichen Auktion im Vorjahr musste Frankreich den Käufern noch 3,27 Prozent bezahlen. Für zehnjährige Anleihen 2022 musste Frankreich durchschnittlich Zinsen von 3,13 Prozent berappen.

Die Nachfrage der Anleihenkäufer überstieg das Angebot bei Weitem: Die sieben- und achtjährigen Papiere waren etwa vierfach überzeichnet. Grund dafür dürfte aber nicht etwa ein gestiegenes Vertrauen der Investoren in Frankreich seit der Ratingabstufung sein, sondern die Geldschwemme, mit der die EZB die Finanzmärkte versorgt hat.

 

Zinsen für Portugal steigen

Auch Spanien konnte sich trotz der jüngsten Herabstufung am Donnerstag zu einem günstigen Preis verschulden: Die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit bis 2015 betrugen 2,86 Prozent, nach 3,4 Prozent bei einer ähnlichen Auktion im Jänner. Die Rendite für Papiere bis 2016 sank von rund vier Prozent auf 3,455 Prozent. In Summe platzierte Spanien am Donnerstag Anleihen mit einem Volumen von rund 4,5 Mrd. Euro. Die Nachfrage war etwa doppelt so hoch wie das Angebot.

Unterdessen nimmt das Vertrauen der Anleger in Portugal weiter ab: In den vergangenen Wochen kletterten die Renditen für zehnjährige Anleihen zeitweise auf über 17 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten für Kreditausfallsversicherungen (CDS). Teurer sind diese Prämien nur für griechische CDS. Portugal ist damit das nächste Sorgenkind nach Griechenland. Einige Experten sehen das Land schon auf die Pleite zusteuern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)

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2 Kommentare

Endlich einmal eine gute Nachricht!

F wird in den nächsten 10 Jahren ein Wirtschaftswachstum > 3,13% p.a. abliefern. Ansonsten könnte ja wohl kaum von "günstigem Verschulden" die Rede sein.
Die Eurostat-Daten sagen blöderweise, dass sich das in der Vergangenheit nicht ausgegangen ist. Aber egal. In den nächsten 10 Jahren gibt´s sicher viel mehr Wachstum. Da darf man schon optimistisch sein.

Gast: 1. Parteiloser
02.02.2012 18:58
0

Zu diesem Zweck hat die EZB 500 Mrd. geschaffen!

Wenn diese irre Geldschöpfung, welche an die Banken gereicht wurde, das Problem mit dem Verkauf der Anleihen nicht gelöst hätte, dann wäre doch die Banken, als Werkzeug der Versagerstaaten (Ö auch!) unbrauchbar.

Bilanzsummenentwicklung EZB 6 Mo:
14.01.2012: 2.682.576 Mio. Euro
25.11.2011: 2.419.548 Mio. Euro
16.09.2011: 2.134.721 Mio. Euro
22.07.2011: 2.006.061 Mio. Euro
15.04.2011: 1.885.017 Mio. Euro

Mhttp://www.ecb.int/press/pr/wfs/2012/html/index.en.htmlio. Euro

Die EZB hat damit die die Fed betreffend der Bilanzsumme schon überholt!

In den letzten 3 Monaten gingen 500 Mrd.. Euro zu 1% an die Banken. Logisch, dass die Banken, einfach auf Knopfdruck, nun Staatsanleihen zu 2,5%, 3% oder auch 5% kaufen werden. Nur 1 % Unterschied von 500 Mrd. sind immer 5 Mrd. Euro pro Jahr. Geht dann alles per einfachen Handel in einem Tag!

Die Staaten, die müssen diese Zinsen dann den Bürgern in Form von Zwangsabgaben abpressen. Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder und immer wieder. Auch immer mehr und immer mehr.

In Österreich, nur für die offiziellen Staatsschulden von 220 Mrd. Euro geht es schon um fast 10 Mrd. Euro pro Jahr. Das sind dann für jeden Haushalt 2.700.- Euro pro Jahr. Die Zinsen für die vielen ausgelagerten Schulden und die Leasingverträge (auch CBL) die kommen dann noch dazu.

Ich kann kein Vertrauen in die Staaten Italien und Frankreich erkennen, nur ein Verb.echen an den Menschen.

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