Brüssel/Ag. Die Aussichten für das hoch verschuldete Griechenland bleiben düster. Laut jüngsten Zahlen der Statistikbehörde Eurostat sind die Staatsschulden in der Eurozone im dritten Quartal des Vorjahres zwar insgesamt leicht von 87,7Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal auf 87,4Prozent zurückgegangen. In der EU-27 gab es einen Anstieg von 81,7 auf 82,2Prozent.
Griechenland weist aber weiter die mit Abstand höchste Verschuldung auf. Im untersuchten Zeitraum verzeichnete das Land eine Erhöhung von 154,7 auf 159,1Prozent. Bis zum Jahr 2020 soll sich dieser Schuldenberg auf 120Prozent des BIPs verringern. Ein Haircut mit den privaten Gläubigern wie Banken und Hedgefonds soll dazu beitragen, die immense Schuldenlast des Landes zu senken. Insgesamt halten sie 205Milliarden der insgesamt 375Milliarden Euro Schulden des Landes, doch noch ist unsicher, ob dem Schuldenschnitt in einer kolportierten Höhe von 70Prozent überhaupt alle privaten Gläubiger zustimmen – auch wenn es nach den wochenlangen Verhandlungen des Internationalen Bankenverbands mit der griechischen Regierung zu einer grundsätzlichen Einigung kommen sollte. Weiters ist unklar, ob sich die Europäische Zentralbank (EZB) an dem Schuldenschnitt beteiligt. Sie hält griechische Staatsanleihen im Wert von etwa 55Milliarden Euro.
Unter der Maastricht-Grenze von maximal 60Prozent Staatsverschuldung lagen im dritten Quartal 2011 im Übrigen nur 13 der 27EU-Staaten. Von den Euroländern erfüllen dieses Kriterium lediglich fünf von 17.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)

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