Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich einem Medienbericht zufolge doch an dem geplanten Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen. Wie die US-Tageszeitung "Wall Street Journal" (WSJ) am Mittwoch berichtete, plant die Notenbank, einer der größten öffentlichen Gläubiger Griechenlands, auf Zinszahlungen für einen Teil der von ihr gehaltenen Staatsanleihen des Landes zu verzichten. Voraussetzung sei jedoch, dass sich Athen mit den privaten Gläubigern auf einen Schuldenschnitt einige. Die Zeitung beruft sich auf Personen, die über die laufenden Umstrukturierungsverhandlungen unterrichtet seien.
Den Angaben zufolge geht es um Schuldpapiere, welche die EZB im vergangenen Mai aufgekauft habe, um die Kosten für Anleihen des hoch verschuldeten Landes an den Finanzmärkten zu drücken. Der Plan schlug jedoch fehl: Athen ist von den Finanzmärkten seither faktisch ausgeschlossen. Vehemente Kritik musste die EZB seinerzeit vor allem von der Bundesbank einstecken, die sich strikt gegen ein Einschreiten der Notenbank aussprach.
EZB könnte auf elf Milliarden Euro verzichten
Analysten werteten den "WSJ"-Bericht, wonach sich die EZB mit elf Milliarden Euro an einem Schuldenschnitt Griechenlands beteiligen wolle, als ermutigend. "Damit würde der Kreis der Beteiligten an der Umschuldung Griechenlands über den privaten Sektor hinaus ausgeweitet. Der Schritt hin zum EFSF ist dann nicht mehr weit", schrieb die HSH Nordbank. "Möglicherweise haben einige Marktteilnehmer dies zum Anlass genommen, einer Einigung in Griechenland wesentlich optimistischer entgegenzusehen." Ein Sprecher der EZB lehnte einen Kommentar zu dem Zeitungsbericht ab.
Athen verhandelt derzeit mit seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt, der das Land um rund 100 Milliarden Euro entlasten soll. Ein erfolgreicher Abschluss der Gespräche ist eine von mehreren Bedingungen in Verhandlungen der griechischen Regierung mit Vertretern der sogenannten Troika aus Europäischer Union, EZB und Internationalem Währungsfonds über ein zweites Hilfspaket im Umfang von mindestens 130 Milliarden Euro.
Die Gemeinschaftswährung Euro stieg am Mittwoch, auch beflügelt durch den "WSJ"-Bericht, in der Spitze bis auf 1,3290 (EZB-Referenzkurs vom Dienstag: 1,3113) Dollar, zu Mittag notierte sie um 1,3270 Dollar.
(APA)

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