CONTRA: Rückkehr zur Drachme hätte fatale Folgen

CONTRANicht nur Athen braucht den Euro – auch ist die Eurozone auf Athen angewiesen. Vier Gründe, die gegen einen Austritt Griechenlands sprechen.

GREECE GREEK EURO COIN
Schließen
GREECE GREEK EURO COIN
(c) EPA (Orestis Panagiotou)

Immer offener wird ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone diskutiert. EU-Kommissarin Neelie Kroes sagte etwa: "Es hieß immer, wenn man ein Land gehen lässt oder es um Austritt bittet, stürzt das gesamte Gebäude ein. Das stimmt einfach nicht". Tatsächlich? Renommierte Ökonomen wie Barry Eichengreen von der Berkeley-Universität sind da anderer Meinung. Ein Austritt würde "Chaos und eine beispiellose Finanzkrise auslösen", sagte er in einem Interview mit dem "Tagesanzeiger".

Folgende Argumente sprechen für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone:

  • Ansteckungsgefahr ist zu groß

Kehrt Athen zur Drachme zurück, wäre das Vertrauen in die Eurozone zerstört. Warum? Das griechische Bruttoinlandsprodukt macht nur 220 Milliarden Euro aus. Spanien erwirtschaftet das Fünffache, Italien sogar das Siebenfache. Das Signal an die Märkte wäre eindeutig: Wenn die EU-Staaten nicht im Stande sind, ein kleines Land zu retten - wie sollten sie dann der viertgrößten oder der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone helfen können?

Sofort würden die Finanzmärkte eine Pleite Portugals, Italiens und Spaniens durchspielen, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen würden in die Höhe schnellen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lawine ausgelöst wird und vor allem Portugal als nächstes in den Pleite-Strudel gerät, ist sehr groß", gab kürzlich ein Analyst den Tenor an den europäischen Börsen wieder.

  • Drachme verschärft Schuldenproblem

Das Austrittsszenario klingt vor allem aus griechischer Sicht verlockend: Die Regierung könnte durch eine massive Abwertung der Drachme zum Euro (Experten gehen von 50 Prozent aus) die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Die Exporte würden florieren und der Tourismus boomen, sagen die Befürworter.

Sie vergessen aber ein wichtiges Detail: Griechenland ist in Euro verschuldet. Durch die rasante Abwertung würden daher die Staatsschulden in die Höhe schnellen, Athen wäre zahlungsunfähig - und die privaten und staatlichen Geldgeber würden leer ausgehen. Schon ein 50-prozentiger Schuldenschnitt ist für Europas Banken schwer zu verkraften. Ein Totalausfall würde viele Institute aber existenziell gefährden, vor allem die ohnehin schwer angeschlagenen französischen Banken. Sie halten griechische Staatsanleihen im Wert von zehn Milliarden Euro.

  • Griechisches Geldsystem wäre ruiniert

Höchstwahrscheinlich würde es bei einem Euro-Austritt zu einem Banken-Run kommen. Die Griechen würden versuchen, ihre Konten zu räumen, um die harten Euro vor einem Umtausch in die weiche Drachme zu schützen. Die nationalen Banken wären ruiniert. Und das hätte wiederum unkontrollierte Auswirkungen auf Europa.

Für Ökonom Eichengreen läuft alles auf ein ernüchterndes Fazit hinaus: Griechenland nehme eine "massive Finanzkrise" in Kauf, um vielleicht eine "etwas bessere Wettbewerbsfähigkeit" zu erzielen.

  • Lettland als Vorbild

Die Situation ist nicht so ausweglos, wie sie auf den ersten Blick scheint. "Manche Schwellenländer haben sich in den 80er Jahren in einer noch extremeren Situation befunden als Griechenland. Trotzdem haben sie durchschlagende Konsolidierungsmaßnahmen durchgeführt und innerhalb weniger Jahre das Vertrauen der Kapitalmärkte wiedergewonnen", schreibt etwa das "Handelsblatt".

Skeptiker werden jetzt sagen, dass dies nur der Abwertung der Währung zu verdanken war - und schwere soziale Unruhen nicht vermieden werden konnten. Dass es auch anders funktioniert, beweist Lettland: Der baltische Staat wurde von der Finanzkrise schwer getroffen und rutschte in eine tiefe Rezession. Das BIP schrumpfte 2009 um unglaubliche 17,7 Prozent. Dennoch hielt die Regierung weiter an ihren Plänen zum Euro-Beitritt fest und behielt den engen Wechselkurs zum Euro bei. Lettland erhielt Finanzhilfen und verpflichtete sich im Gegenzug zu einem beinharten Sparpaket. Anders als in Griechenland wurde die Maßnahmen ohne viel Widerstand aus der Bevölkerung umgesetzt - und sie tragen bereits erste Früchte: 2011 verzeichnete Lettland ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent.

Durch den Euro ist auch Griechenland unter Zugzwang, harte Reformen durchzuführen. Diese werden die Bevölkerung zwar schwer treffen, doch nur so kann der Staatshaushalt nachhaltig saniert werden.

>>PRO: Nur die Drachme kann Griechenland retten

>>UMFRAGE: Soll Athen zur Drachme zurückkehren?

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(sk)

Kommentar zu Artikel:

CONTRA: Rückkehr zur Drachme hätte fatale Folgen

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen