PRO: Nur die Drachme kann Griechenland retten

09.02.2012 | 15:29 |   (DiePresse.com)

PROAlle Sparpakete und Rettungsversuche waren erfolglos. Vier Gründe dafür, warum ein Neuanfang mit Drachme Erfolg verspricht.

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Seit zwei Jahren basteln die Europäische Union, die Europäische Zentralbank, der Internationale Währungsfonds, der Bankenverband IIF sowie sämtliche Regierungen der Eurozone mehr oder weniger erfolglos an der Rettung des hochverschuldeten Griechenland. Und die den Griechen auferlegten Sparpakete haben die Konjunktur vollends zum Erliegen gebracht. Immer mehr Experten wie der McKinsey-Chef Frank Mattern kommen zu dem Schluss, dass ein "geordneter Austritt" aus der Eurozone für Griechenland das kleinere Übel wäre und nur über den Weg einer Abwertung international wieder mehr Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen sei.

Folgende Argumente sprechen gegen einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone:

  • Wettbewerbsfähigkeit

"Die Griechen haben keine Chance, im Euro-Raum wettbewerbsfähig zu werden. Sie müssten ihre Löhne um die Hälfte senken. Das geht nur durch Austritt und Abwertung", sagte Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts der "Wirtschaftswoche". Er sieht im Austritt aus der Eurozone und der Rückkehr zur Drachme die einzig mögliche Zukunft für Griechenland.

Auch wenn es keine Rechtsgrundlage für einen Austritt gebe, dürfte sich ein solcher Plan juristisch umsetzen lassen. Denn mittlerweile dürften die anderen Staaten der Währungsunion wohl nichts mehr dagegen haben, wenn sich das Sorgenkind verabschiedet. Im Gegenteil: Nach Einschätzung von Experten würden die EU-Staaten den Griechen mit einer kräftigen Kapitalspritze für die Banken des Landes ihren Abschied sogar noch versüßen.

  • „Lieber Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende"

Die Griechen sollten sich die Türkei der 1990er Jahre als Vorbild nehmen und zur Drachme zurückkehren, sagt der Euro-Kritiker Peter Gauweiler. Der heute wirtschaftlich boomende Staat stand damals kurz vor der Staatspleite. Denn eine schwache Währung kann wie ein gigantisches Konjunkturprogramm wirken. Davon profitierte beispielsweise die Türkei.

Die neue alte Währung würde Ökonomen zufolge um mindestens 50 Prozent zum Euro abgewertet. Das gäbe den Griechen kurzfristig geld- und fiskalpolitischen Spielraum. Denn der Staat könnte seine Löhne und Renten bezahlen, indem er die eigene Notenpresse anwirft, er könnte Lücken im Haushalt decken oder die Banken stützen. Außerdem würde sich die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft schlagartig verbessern, weil sich griechische Produkte im Ausland massiv verbilligen würden.

  • Fehler rückgängig machen

Jens Ehrhardt, der bekannten deutsche Vermögensverwalter und Eigentümer der DJE Kapital AG, hält überhaupt die Einführung des Euros in Griechenland für einen schwerwiegenden Fehler. Die Gemeinschaftswährung habe dort nur einen Scheinboom ausgelöst. Deshalb gibt es nur eine Möglichkeit der Problemlösung: "Griechenland muss die Eurozone geordnet verlassen."

Die damit einhergehenden Turbulenzen an den Märkten müsse man in Kauf nehmen. Die aktuelle Durchwurstelpolitik mit Sparprogrammen und Finanzhilfen, die die Verschuldung nur weiter nach oben treibt, werde dagegen den Staatsbankrott nicht verhindern können und die Finanzmärkte letztendlich noch viel stärker belasten. Denn nicht nur griechische Kreditinstitute würden reihenweise pleitegehen, auch Banken und Versicherungen in anderen europäischen Ländern, die Bonds aus Athen halten, gerieten in ernsthafte Schwierigkeiten.

  • Folgen für Banken überschaubar

Vielfach werden die möglichen unkalkulierbaren Verwerfungen für die europäische Bankenlandschaft als Argument für ein Weiterwursteln mit den hochverschuldeten Griechen genannt. Mittlerweile sind aber die direkten Folgen eines Ausstieg Griechenlands für die Wirtschaft der Euro-Zone nicht mehr so groß wie noch vor zwei Jahren. Denn viele Banken haben ihre Hellas-Bonds bereits deutlich abgeschrieben und Risikopuffer gebildet.

Die europäische Bankenaufsicht (EBA) hat bei den jüngsten Bankenstresstests bereits eine Griechenland-Pleite durchgespielt. Deshalb ist unwahrscheinlich, dass die Banken außerhalb Griechenlands in einem solchen Fall große Kapitalspritzen bräuchten. Insgesamt dürften sie nominal noch rund 40 Milliarden Euro in den Büchern halten. Auch die Folgen für den international verzweigten Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) werden nicht mehr als so gravierend eingeschätzt. Das Volumen ausstehender CDS, die fällig würden, wird auf unter vier Milliarden Euro geschätzt.

>>CONTRA: Rückkehr zur Drachme hätte fatale Folgen

>>UMFRAGE: Soll Athen zur Drachme zurückkehren?

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Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(herbas)

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32 Kommentare
 
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Gast: Gast 8
15.02.2012 08:54
0 0

Das Land hält sich nicht an Verträge

Auschluß aus EU leichter machen! es ist nicht das letzte Land aber sicher das unfähigste.

Gast: Be-obachter
11.02.2012 16:27
1 0

Hat es jemals geheissen, wir müssen den Schilling retten?

Oder wir müssen die D-Mark retten?

Das sollte uns doch zu denken geben, oder?

Das Pfund und der Dollar mussten mehrfach gerettet werden.

Auch gegen Mark und Schilling wurde spekuliert. Aber der geneigte Xenophobe hat das bereits verdrängt.

Antworten Antworten Gast: Be-obachter
12.02.2012 20:46
1 0

Re: Das Pfund und der Dollar mussten mehrfach gerettet werden.

Wenn sogar der Dollar mehrfach gerettet werden musste, dann hat der Euro ja sowieso keine Chance.
Spekulanten muss man eben anders zu Leibe rücken. Etwa so wie den Lehmann brothers.

Antworten Antworten Gast: Be-obachter
12.02.2012 20:41
1 0

Re: Das Pfund und der Dollar mussten mehrfach gerettet werden.

Ich bin nicht xenophob, mir liegen die Griechen sogar sehr am Herzen.
Trotzdem kann es nicht sein, dass die Griechen den Euro in Geiselhaft nehmen, nur weil einige wenige Angst vor Spekulanten haben.

Gast: Hans im Glück
10.02.2012 19:19
5 2

Nur die Freiheit kann uns rette.

Das staatliche Zwangsgeld EUR das man dauernd retten muss ist keine optimale lösung.

Lasst den Menschen die freie Wahl was sie als Währung verwenden wollen. Den EUR, die Drachme oder was auch immer.

Nur durch mehr Freiheit für den Einzelnden werden wir dauerhaft weiter kommen.

Re: Nur die Freiheit kann uns rette.

NOCH haben wir die Freiheit unsere Klopapierstückerl in werthaltiges Gold zu tauschen. Wer weiss, wie lange noch...

Gast: Han
10.02.2012 10:33
7 0

Drachme ja,

aber auch ein weitgehender Schuldennachlass kann den Griechen etwas einbringen.

Schwer verständlich erscheint bei diesen gravierenden Problemen ein wechselseitiges festhalten am Euro.

Es geht doch der EU und Griechenland ums Prestige und ist dies ein weiterer schwerer Fehler in der Kette von Fehlern, die mit der Einführung des Euro in Griechenland begonnen hat.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die EU mit der Hereinnahme von Griechenland in die Eurozone den Kardinalfehler begangen hat und die Griechen als Warmduscher des Euro mit dem Nachlass ihrer Schulden sogar rechnen dürfen, weil aufgrund der Unfähigkeit der EU-Wirtschaftpolitik ein anderer Ausweg nicht realistisch erscheint.

Das nunmehr durchzuführende Sparprogramm führt zu einem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft mit noch größeren Problemen für die EU!

Nur die Drachme kann Griechenland retten?

Heißt auf rein deutsch - sie (die Griechen) hätten sich das alles erspart, hätten sie der Gemeinschaftswärung nicht blind vertraut?
.
Es scheint, die Griechen wurden gelegt, nur um an ihr Vermögen heranzukommen.

2 0

Re: Nur die Drachme kann Griechenland retten?

Sie wurden nicht gekegt; sie haben sich in den Euro hineingeschwindelt und sind dann der Versuchung der niederen Zinsen erlegen

Gast: Anonymer Gast
09.02.2012 19:17
9 6

Das Blatt hat sich gewendet

„Lieber Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende"

Das waren die Worte von Hans-Christian Strache.
Am Ende hatte er sogar recht.

Re: Das Blatt hat sich gewendet

Er heißt aber trotzdem Heinz Christian, der Hans Christian war der Geschichtenerzähler Andersen.

Gast: naEndlich
09.02.2012 17:02
2 0

na dann... los gehts! Wer überredet die Politiker?

Wer entscheidet denn sowas? Fayman & Co?

Drachme heißt nicht Entschuldung!

Für Griechenland wäre die Rückkehr zur Drachme das Beste, wenn sie dadurch ihre Schulden los wären. Nur ist das nicht zu erwarten.

Man muss eher annehmen, dass EU, IWF, EZB usw auf die Rückzahlung der Schulden weiter bestehen. Diese Schulden in EUR sind dann für die Griechen eine riesige Bürde, die über viele Jahre die griechische Wirtschaft schwer belasten würden. So gesehen können sie auch sparen und im Euro bleiben. Kommt vielleicht aufs Gleiche raus.

Re: Drachme heißt nicht Entschuldung!

zufrueh auf "enter" gedrueckt"

es kommt darauf an wo die anleihen begeben wurde unter welchem recht - die meisten griechenland anleihen wurden nach griechischem recht begeben daher kann das griechische parlament per beschluss die alt-anleihen konvertieren in die neue waehrung

Re: Re: Drachme heißt nicht Entschuldung!

kann sein, aber Gesetze und Regulierungen sind für uns Stimmvieh - sie gelten nicht für die da oben...

Re: Diese Schulden in EUR ...

Das ist der Hammer: Ein Staat der sich mit "seiner Währung" frei strampeln könnte wird über den € in Geiselhaft genommen!
.
Unser Aller Souveränität wird von Kommissaren verwaltet; der Blick gilt dem einstigen Sowjet-System!

Re: Drachme heißt nicht Entschuldung!

Yes! an alle andren hier: nehmt mal stellung zu dem satz: drachme heisst nicht entchuldung!

und wenn die drachme um die hälfte abwertet haben die giechen doppelt so hohe schulden in euro.

super lösung. da sitzen wieder die besonderen denker am comuter?,

Antworten Antworten Gast: Be-obachter
11.02.2012 16:29
1 0

Re: Re: Drachme heißt nicht Entschuldung!

Tja, in diesem Fall wäre es tatsächlich gescheiter, die Griechen, Spanier, Portugiesen, italiener etc. behalten den Euro.
Nur die Nettozahler sollten zu ihren früheren Währungen zurückkehren.

0 0

Re: Re: Drachme heißt nicht Entschuldung!

Dann setzen die Griechen die Drachme 1:1 mit dem Euro und drucken sich die Schulden weg :O

Antworten Antworten Gast: horrortrip
11.02.2012 11:11
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Re: Re: Drachme heißt nicht Entschuldung!

vollkommen richtig, was da die Herren Sinn, Gauweiler,es fehlt noch der Hanke,uns vorkauen wollen,ist Unsinn. Mit der Einführung der Drachme ändert sich absolut nichts,wer mit 100 Euro nicht zurechtkommt,schafft es auch mit 1000 Drachmen nicht.Oder soll das Erdöl künftig das, was es jetzt in Euro kostet,in Drachmen kosten?

Maastrichtsünder sofort ausschliessen

Ich habe nur aus Sicht Griechenlands gemeint, dass sie viele Schulden durch die Rückkehr zur Drachme wahrscheinlich nicht loswerden. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass es für alle das Beste wäre, wenn jedes Land, das die Maastricht-Kriterien nicht einhält, sofort die Eurozone verlassen müsste. Für eine gemeinsame Währung muss es klare Regeln geben. Wer gegen diese verstößt muss bestraft werden – ohne Schuldenerlass. Schuldenlaufzeiten können verlängert werden, aber Schuldenmachen darf nicht belohnt werden.

Selten guter Artikel, fachlich ok aber politisch leider gegen den Strom.

Es gab schon vor Jahren Stimmen die genau das verlangten.
Vor diesem Hintergrund ist dieser Kommentar eine späte Einsicht.
Bleibt zu hoffen, dass die Politik nicht nochmal so lange braucht.

12 1

Hervorragender Artikel!!!!

...bleibt nur mehr zu hoffen, dass die Politik auch vernünftig handelt ;-)

Man wird die Griechen noch ein wenig in der Zone lassen, um sie zu Reformen zu zwingen

Selbst sind sie ja nicht dazu in der Lage. Danach wird man sie entweder geordnet hinauswerfen oder hoeflich zum freiwilligen Austritt zwingen.

Man wird sie in eine EURO Schuldknechtschaft zwingen.

Die Platitüde mit den Reformen ist nur vorgeschoben um die Verluste klein zu halten denn: verabschiedet sich Griechenland aus dem Euro, so würde es durch Abwertung seiner neuen Währung die Schulden nochmal entsprechend entwerten. Und das können und wollen sich Gläubiger nicht leisten. Nicht nachdem man den Griechen schon riesige Summen an Rettungsgeldern überlassen hat.
Schuld sind die EU Politiker, denn sie wollten den Austritt Griechenlands um jeden Preis verhindern um Banken zu schützen. Kurzsichtig eben. Als man damals die Meinung vertragt das Griechenland aus dem Euro raus müsse wurde man mit allerlei Dreck angeworfen. Heute wollen diese Gutmenschen nicht mehr auf ihre damalige Irrlehre angesprochen werden und finden allerlei salbungsvolle Ausreden.
Dieses zwanghafte Halten der Griechen hat Allen geschadet.

 
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