PRO: Nur die Drachme kann Griechenland retten

PROAlle Sparpakete und Rettungsversuche waren erfolglos. Vier Gründe dafür, warum ein Neuanfang mit Drachme Erfolg verspricht.

Ein Austriit Griechenlands aus der Eurozone würde dem Land einen Neustart ermöglichen
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Ein Austriit Griechenlands aus der Eurozone würde dem Land einen Neustart ermöglichen
(c) REUTERS (Yiorgos Karahalis)

Seit zwei Jahren basteln die Europäische Union, die Europäische Zentralbank, der Internationale Währungsfonds, der Bankenverband IIF sowie sämtliche Regierungen der Eurozone mehr oder weniger erfolglos an der Rettung des hochverschuldeten Griechenland. Und die den Griechen auferlegten Sparpakete haben die Konjunktur vollends zum Erliegen gebracht. Immer mehr Experten wie der McKinsey-Chef Frank Mattern kommen zu dem Schluss, dass ein "geordneter Austritt" aus der Eurozone für Griechenland das kleinere Übel wäre und nur über den Weg einer Abwertung international wieder mehr Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen sei.

Folgende Argumente sprechen gegen einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone:

  • Wettbewerbsfähigkeit

"Die Griechen haben keine Chance, im Euro-Raum wettbewerbsfähig zu werden. Sie müssten ihre Löhne um die Hälfte senken. Das geht nur durch Austritt und Abwertung", sagte Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts der "Wirtschaftswoche". Er sieht im Austritt aus der Eurozone und der Rückkehr zur Drachme die einzig mögliche Zukunft für Griechenland.

Auch wenn es keine Rechtsgrundlage für einen Austritt gebe, dürfte sich ein solcher Plan juristisch umsetzen lassen. Denn mittlerweile dürften die anderen Staaten der Währungsunion wohl nichts mehr dagegen haben, wenn sich das Sorgenkind verabschiedet. Im Gegenteil: Nach Einschätzung von Experten würden die EU-Staaten den Griechen mit einer kräftigen Kapitalspritze für die Banken des Landes ihren Abschied sogar noch versüßen.

  • „Lieber Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende"

Die Griechen sollten sich die Türkei der 1990er Jahre als Vorbild nehmen und zur Drachme zurückkehren, sagt der Euro-Kritiker Peter Gauweiler. Der heute wirtschaftlich boomende Staat stand damals kurz vor der Staatspleite. Denn eine schwache Währung kann wie ein gigantisches Konjunkturprogramm wirken. Davon profitierte beispielsweise die Türkei.

Die neue alte Währung würde Ökonomen zufolge um mindestens 50 Prozent zum Euro abgewertet. Das gäbe den Griechen kurzfristig geld- und fiskalpolitischen Spielraum. Denn der Staat könnte seine Löhne und Renten bezahlen, indem er die eigene Notenpresse anwirft, er könnte Lücken im Haushalt decken oder die Banken stützen. Außerdem würde sich die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft schlagartig verbessern, weil sich griechische Produkte im Ausland massiv verbilligen würden.

  • Fehler rückgängig machen

Jens Ehrhardt, der bekannten deutsche Vermögensverwalter und Eigentümer der DJE Kapital AG, hält überhaupt die Einführung des Euros in Griechenland für einen schwerwiegenden Fehler. Die Gemeinschaftswährung habe dort nur einen Scheinboom ausgelöst. Deshalb gibt es nur eine Möglichkeit der Problemlösung: "Griechenland muss die Eurozone geordnet verlassen."

Die damit einhergehenden Turbulenzen an den Märkten müsse man in Kauf nehmen. Die aktuelle Durchwurstelpolitik mit Sparprogrammen und Finanzhilfen, die die Verschuldung nur weiter nach oben treibt, werde dagegen den Staatsbankrott nicht verhindern können und die Finanzmärkte letztendlich noch viel stärker belasten. Denn nicht nur griechische Kreditinstitute würden reihenweise pleitegehen, auch Banken und Versicherungen in anderen europäischen Ländern, die Bonds aus Athen halten, gerieten in ernsthafte Schwierigkeiten.

  • Folgen für Banken überschaubar

Vielfach werden die möglichen unkalkulierbaren Verwerfungen für die europäische Bankenlandschaft als Argument für ein Weiterwursteln mit den hochverschuldeten Griechen genannt. Mittlerweile sind aber die direkten Folgen eines Ausstieg Griechenlands für die Wirtschaft der Euro-Zone nicht mehr so groß wie noch vor zwei Jahren. Denn viele Banken haben ihre Hellas-Bonds bereits deutlich abgeschrieben und Risikopuffer gebildet.

Die europäische Bankenaufsicht (EBA) hat bei den jüngsten Bankenstresstests bereits eine Griechenland-Pleite durchgespielt. Deshalb ist unwahrscheinlich, dass die Banken außerhalb Griechenlands in einem solchen Fall große Kapitalspritzen bräuchten. Insgesamt dürften sie nominal noch rund 40 Milliarden Euro in den Büchern halten. Auch die Folgen für den international verzweigten Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) werden nicht mehr als so gravierend eingeschätzt. Das Volumen ausstehender CDS, die fällig würden, wird auf unter vier Milliarden Euro geschätzt.

>>CONTRA: Rückkehr zur Drachme hätte fatale Folgen

>>UMFRAGE: Soll Athen zur Drachme zurückkehren?

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(herbas)

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