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Schuldenkrise: Notenbanken als Kreditmüllhalde?

09.02.2012 | 18:25 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Europas Banken werden sich Ende Februar wieder Milliarden von der EZB holen. Dazu dürfen sie in einigen Ländern Sicherheiten von minderer Qualität hinterlegen. Änderung des Regelwerks sorgt für heftige Kritik.

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Wien. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) lockert die Konditionen, zu denen sich Banken billiges Geld von der Zentralbank holen können. Dies wurde am Donnerstag am Rande der EZB-Sitzung bekannt gegeben. Neben den Österreichern akzeptieren künftig auch die Notenbanken in Portugal, Spanien, Italien, Irland, Zypern und Frankreich „schlechtere“ Sicherheiten für Ausleihungen an die Banken.

Mit dieser Maßnahme soll sichergestellt werden, dass sich die Geschäftsbanken der betroffenen Länder noch mehr Geld von den EZB ausborgen können. Die Änderung des Regelwerks sorgt bei manchen Währungshütern für heftige Kritik. Dem Vernehmen nach sprach sich die deutsche Bundesbank gegen jegliche Lockerung aus. Sie befürchtet, dass viele Banken künftig Schrottkredite als Pfand für einen EZB-Kredit einreichen. Die Währungshüter konnten sich hier auf keine gemeinsame Vorgangsweise einigen.

Daher dürfen nun die nationalen Notenbanken im Rahmen bestimmter Mindeststandards selbst entscheiden, welche Arten von Forderungen sie als Sicherheiten akzeptieren.

 

Staatsanleihe als Sicherheit

Die Lockerung in einigen Ländern geschieht im Vorfeld des anstehenden Dreijahrestenders. Ende Februar haben Europas Finanzkonzerne wieder die Möglichkeit, sich billiges Geld von der EZB zu holen. Abgewickelt wird das Verfahren über die nationalen Notenbanken. Laut einer Umfrage von Goldman Sachs wollen die Institute diesmal 680 Milliarden Euro abrufen. Bereits am 22. Dezember 2011 stellten die Währungshüter über 500 Finanzkonzernen 489 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der Kredit hat eine Laufzeit von drei Jahren – bei einem Zinssatz von einem Prozent. Mit dem Geld sollen die Banken Anleihen angeschlagener Euroländer kaufen. Das tun sie auch, die Renditen für spanische und italienische Anleihen reduzierten sich in den vergangenen Wochen stark.

Die Banken bekommen den EZB-Kredit aber nicht einfach so. Sie müssen dafür Sicherheiten hinterlegen. Bei einem Bankrott eines Finanzinstituts macht die Zentralbank dann das Pfand zu Geld. Derzeit händigen die meisten Finanzkonzerne der EZB Staatsanleihen ihrer Heimatländer als Sicherheiten aus. Damit gehen die Währungshüter ein erhebliches Risiko ein. Schlittert eine Bank und zugleich ein Land in die Pleite, haben sie ein Problem.

Mittlerweile gehen manchen Geschäftsbanken die Sicherheiten aus. Daher haben die Notenbanken in einigen Ländern beschlossen, statt Anleihen auch Firmenkredite zu akzeptieren. In deutschen Medien heißt es, dass sich diese Notenbanken nun zu Müllhalden für Firmenkredite entwickeln könnten. Dies wird von der OeNB bestritten. „Wir werden das entsprechende Risiko durch stark erhöhte Sicherheitsabschläge überkompensieren“, heißt es in einer Stellungnahme.

Über die Details sollen die Banken gesondert informiert werden. In Notenbank-Kreisen heißt es, dass Kredite österreichischer Firmen im Regelfall viel sicherer seien als Staatsanleihen südeuropäischer Länder. Außerdem werde man die Kredite genau unter die Lupe nehmen, die von den Banken eingereicht werden.

 

Milliarden für Österreichs Banken

Analysten schätzen, dass sich Österreichs Banken im Dezember beim Dreijahrestender zwischen sieben und zwölf Milliarden Euro geholt haben. Bei der Erste Bank waren es zwei Milliarden Euro. Auch die UniCredit-Tochter Bank Austria machte mit, gibt aber keine Details über das Volumen bekannt. Raiffeisen Bank International und das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG waren im Dezember nicht dabei, sie prüfen aber, ob sie sich dem nächsten großen Tender Ende Februar anschließen werden.

Staatsanleihen angeschlagener Euroländer wollen Österreichs Banken jedoch nicht kaufen. Das Geld werde für allgemeine Refinanzierungen verwendet, heißt es.

Auf einen Blick

Ende Februar stellt die EZB den europäischen Banken wieder Milliarden zur Verfügung. In sieben Euroländern – darunter in Österreich – dürfen die Institute dazu Sicherheiten von minderer Qualität hinterlegen. Neben Staatsanleihen werden künftig auch Firmenkredite akzeptiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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6 Kommentare
Gast: unbeteilgter
12.02.2012 14:39
0 0

und wenn der kleine mann das macht dann ...

nennt man das untreue, konkursverschleppung und gläubiger benachteiligung.

aber finanzminister setzt man ja nicht auf die Anklagebank, denn die haben ja alle super sauber weiße westen ........

ujvar
10.02.2012 12:25
0 0

Die Beschränktheit der Sprecher und Kommentatoren ist grenzenlos, ´Griechneland ist pleite, geht pleite und wird in diesem Jahr die Drachme oder Olymp oder was immer haben

Die Griechen können nicht barfuss laufen und dann einen steinigen Marathon schaffen.

Gast: Good bankfeeder
10.02.2012 08:25
4 0

Das perpetuum mobile

für die arbeitslosen Geldeinsacker muß am Laufen gehalten werden. Koste es was es wolle. Wenn alle Stricke reissen, lässt man halt die Menschen bis 75 arbeiten. Pensionskosten fallen zur Gänze weg, denn dann wird ohnedies, wenn nicht schon vorher zumindest kurz danach gestorben. Man hätte die Chance gehabt die fiktive Geldmenge zu verringern, man vergrößert sie weiter.

Banken sind grundsätzlich ...

... Kredit(müll)halden. Das hat jetzt gar nicht speziell mit der EZB zu tun.
Banken verleihen - im Gegensatz zum Volkglauben - kein Geld.
Zum Nachlesen:
http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf
(insbesondere Kapitel 3.5)
http://www.banken-volksbegehren.at

Gast: radius
09.02.2012 20:41
13 1

Eh klar, dass Österreich bei jedem Ramsch mitmachen muss.

Ein Trauerspiel, Herr Novotny.

Gutmensch
09.02.2012 20:10
7 5

Axiom#1: Reiche MÜSSEN reicher werden ...


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