Sparplan fix: Griechenlands Insolvenz abgewendet

09.02.2012 | 18:26 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die politischen Parteien stimmen widerwillig den Forderungen der Euroländer und des IWF zu. Damit ist der Weg für 130 Milliarden Euro neuer Hilfskredite nun endlich frei.

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Brüssel. Um 14.22 Uhr dürfte am Donnerstag ein kollektiver Stoßseufzer durch Regierungskanzleien in ganz Europa gezogen sein. Da berichtete nämlich die Nachrichtenagentur Reuters, dass sich die drei führenden griechischen Parteien geeinigt hatten, dem harten Sparprogramm zuzustimmen, das die anderen Euroländer und der Internationale Währungsfonds (IWF) zur Bedingung für ein zweites, 130 Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm gemacht hatten. Somit ist Griechenlands Insolvenz fürs Erste abgewendet.

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„Vor ein paar Minuten habe ich einen Anruf des griechischen Premierministers erhalten, wonach ein Abkommen erzielt ist und von allen Hauptparteien unterzeichnet wurde“, sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der Sitzung des EZB-Rates. Draghi nannte keine Details, ebenso wenig wie Griechenlands Ministerpräsident Lukas Papademos, der die Einigung der Parteispitzen auf das neue Sparprogramm lediglich bestätigte. Angesichts der Sitzung der Eurogruppe gebe es eine Einigung. Der letzte Stolperstein, nämlich eine Pensionskürzung um rund 300 Millionen Euro, dürfte allerdings beseitigt sein.

EZB lässt Beteiligungsfrage offen

Wenige Stunden vor einem Treffen der Euro-Gruppe, also der Finanzminister der Euroländer, am Donnerstagabend in Brüssel stellte Draghi aber klar, dass die EZB sich an der Umschuldung Athens nicht beteiligen werde. „Sie können sicher sein, dass all dieses Gerede darüber, dass die EZB an den Verlusten teilnimmt, unbegründet ist. Die Idee, dass die EZB dem Programm Geld zur Verfügung stellt, würde das Verbot der monetären Finanzierung verletzen.“

Damit spielte Draghi auf das Verbot der Finanzierung von staatlichen Budgets durch die Zentralbanken an. Artikel 123 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU besagt, dass die EZB weder den Euroländern noch „sonstigen Einrichtungen des öffentlichen Rechts“ Kredit gewähren oder direkt von ihnen Schuldtitel wie zum Beispiel Staatsanleihen erwerben dürfen.

(c) DiePresse

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Der EZB-Präsident wischte auch jene seit einiger Zeit ihre Runden drehende Überlegung vom Tisch, die EZB könne ihre griechischen Staatsanleihen im Buchwert von rund 55 Milliarden Euro einfach dem Euro-Rettungsvehikel EFSF verkaufen, der selbige Anleihen dann großteils abschreiben würde. „Der EFSF ist wie Regierungen. Wenn man Regierungen Geld gibt, ist das monetäre Finanzierung. Wenn man einen Verlust beim Verkauf macht, ist das monetäre Finanzierung.“

Allerdings ließ Draghi eine interessante Frage offen: nämlich jene, ob die EZB es auch als rechtswidrig ansehen würde, zugunsten der Euroländer auf einen Teil ihres jährlichen Gewinns zu verzichten: „Wenn die EZB einen Teil ihrer Gewinne an ihre Mitglieder verteilt, ist das nicht monetäre Finanzierung.“

Damit hat der EZB-Chef jene Forderung der Griechen für rechtlich zulässig erklärt, wonach die EZB auf rund zwölf Milliarden Euro Gewinn verzichten solle, die ihr aus den Zinscoupons der griechischen Anleihen erwachsen.

Und das bedeutet, dass auch die Einigung der Athener Regierung mit ihren Privatgläubigern auf Umfang und Modalitäten der Umschuldung demnächst nach langem Bangen beschlussreif ist. In Grundzügen wird diese Einigung so aussehen: Die privaten Gläubiger bekommen für jede alte griechische Anleihe pro einem Euro einen neuen griechischen Schuldschein mit längerer Laufzeit im Wert von 35 Cent und zusätzlich 15 Cent in bar. Damit wird der Nennwert der privaten Forderungen halbiert, doch weil Griechenland für diese neuen Bonds deutlich niedrigere Zinsen zugesprochen bekommt, wird der Verlust der privaten Anleger vermutlich mindestens 70 Prozent betragen.

Anleger scheuen Griechen-Bonds

Derart teilweise entschuldet soll Griechenland in ein paar Jahren auf den Finanzmärkten wieder mit Vertrauen begegnet werden – Vertrauen, das fast komplett flöten gegangen ist, wie eine Studie des Brüsseler Forschungsinstituts Bruegel zeigt: Seit Beginn der Krise haben die ausländischen privaten Investoren die Hälfte ihrer griechischen Anleihen abgestoßen (siehe Grafik). Diese fast wertlosen Bonds liegen nun bei griechischen Banken – und bei der EZB. „Wir haben keinen Plan B“, sagte deren Präsident Draghi. „Ein Plan B würde nämlich die Niederlage bedeuten.“

Abgewirtschaftet: 10 hässliche Fakten über Griechenland & Co.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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50 Kommentare
 
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Und was geschieht wenn die ihre Zusagen nicht einhalten wollen oder können ?


Gast: HB4242
09.02.2012 22:40
0

Sparplan fix: Griechenlands Insolvenz abgewendet

Und was werden morgen lesen ???

Da ist wieder alles ganz anderes !!!

(so möchte ich auch mal mein Geld verdienen)

Gast: gast1984
09.02.2012 20:58
1

Phantastisch, die EZB hat 23% der Griechischen Anleihen gekauft!

I geh speim!

Antworten Gast: Gast_13
09.02.2012 21:13
1

Re: Phantastisch, die EZB hat 23% der Griechischen Anleihen gekauft!

Also ein Anteil von unseren Steuergeldern hat die EZB dafür ausgegeben..

Was bekommen wir dafür? Schließlich kam die Kohle durch unsere Steuergelder zam..


Ganz einfach : die EU sieht zu wie uns die Agenturen wegen der Schulden die wir um die Griechen zu retten machen müssen, abwerten.

Und sie werden uns dann kostenlos mir schlauen Sprüchen verosrgen.
Notfalls werden sie uns ein Paket das SIE rettet aufzwingen.

Wenn man auf einen Zinsertrag freiwillig verzichtet, der

einem marktgemäß zusteht ist das auch monetäre Finanzierung. Das kann man drehen und wenden wie man will! Und die 50-seitige Versprechensliste ist das "Quantitative Easying 3" der Lügen.

Gast: b754
09.02.2012 20:29
0

super die deutsch französischen banken sind gerettet


Gast: Bärenfalle...
09.02.2012 19:51
2

Natürlich hat die EZB einen Plan B

"Plan(e) B" steht mit stets vorgewärmten Triebwerken am Flughafen Frankfurt.


Gast: ALEXLS6
09.02.2012 19:47
1

Anlegergesindel

Warum immer wieder dieses Anlegergesindel!
man weis doch schon lange, dass sich die Rechnung
nie und nimmer ausgehen wird!
Anleger beruhigen, Anleger müssen bedient werden.
Anleger und Börsianer sind die anonymen Terroristen in dieser kranken WELT
FED und Co sind an allem Schuld!
Warum lassen sich unsere Politiker von dieser Finanzmaffia immer wieder erpressen?

DAS GELD MUSS FLIESSEN

aus unseren Taschen ... ab ... in die EU und zu den Griechen.

Während unsere Lebensstandard und unsere Kaufkraft sinkt, pumpt das System unser Geld ab.

Danke, Schwarz-, Rot- und Grünwählerinnen!

"Griechisch"...

erhält eine völlig neue Bedeutung - von hintenherum wird ohne Konsens der Bevölkerung etwas erzwungen was dort logischerweise nicht hingehört.
Die "Unterstützung" schadet sozial, gesamtwirtschaftlich und mikroökonomisch Griechenland enorm, de facto ist es devastierend und nutzt nur den (US CDS rückversicherten) Finanzagenturen.

"Konkursverschleppung" nennt das jedes kleine Bezirksgericht


was die EU und die Medien "Griechenlands Insolvenz abgewendet" nennen.

Gast: Hilfspaket1,2,3....
09.02.2012 19:20
2

Hilfspaket1,2,3....

Die privaten Gläubiger bekommen für jede alte griechische Anleihe pro einem Euro einen neuen griechischen Schuldschein mit längerer Laufzeit im Wert von 35 Cent und zusätzlich 15 Cent in bar. Damit wird der Nennwert der privaten Forderungen halbiert, doch weil Griechenland für diese neuen Bonds deutlich niedrigere Zinsen zugesprochen bekommt, wird der Verlust der privaten Anleger vermutlich mindestens 70 Prozent betragen.

1.) Welchen Zinssatz bekommen die Nettostaaten (Steuerzahler) welche das Paket "den Hilfskredit" finanzieren?

2.) Der Nennwert der privaten Forderungen wird halbiert!
Also sind dies unsere Banken (in AT, BRD, FR) welche auf Ihre Forderungen verzichten?
Also werden die "Hilfspakete" trotzdem von dem STeuerzahler in AT, BRD FR weiter finanziert! Um die Ausfälle der Banken im Ausland zu decken?

Ich mache da nicht mehr mit...



scheiBe

ich bin echt froh im moment, keine griechin zu sein.

Weltregierung bahnt sich an!

Die welt hat nur noch vier blöcke!1.die amerikanische union,2.die afrikanische union,3.die europäische union,4.die asiatische union. Der IWF und die WELTBANK werden von den familien Rockefeller und Rothschilds beherrscht!Sie lassen alle völker finanziell ausbluten und wollen das bargeldlose zahlungssystem und damit die komplette versklavung der menschheit! (RFID Chip unter der Haut und die komplette kontrolle über jeden einzelnen!)Lösung ist gleich SCHULDENERLASS oder wir kommen dort hin wie gesagt!!

Re: Weltregierung bahnt sich an!

das kommt hoechstens in europa - dort lassen sich die menschen das gefallen

in usa gibt es eine immer staerker werdende graswurzelbewegung, (a.k.a tea party) die fuer eine strikte einhaltung der vefassung plaediert, freiheitsliebend ist und mittlerweile den politischen diskurs des ganzen landes beeinflusst - da steigen die leute noch auf die barrikaden, wenn die buergerrechte mit fuessen getreten werden. immer mehr leute wenden sich dieser liebertaeren bewegung zu - an der spitze sammelt ron paul immer mehr delegierten-stimmen (was natuerlich auch nicht von den medien verbreitet wird). immer mehr staaten legalisieren bereits gold & silber als "legal tender" - also legale zahlungs mittel (wie es von der verfassung vorgesehen ist.
hier ist eine libertaere revolution im gange, waehrend in europa das pendel immer mehr richtung sozialismus schwingt

Antworten Antworten Gast: ur5ii
09.02.2012 19:45
0

Re: Re: Weltregierung bahnt sich an!

Ist das Zeug legal,das du dir einwirfst?

Der Dollar und der Euro!

Sind diese beiden Währungen durch irgend etwas gedeckt?
z.B Goldreserven, Silber usw. ?
Früher war der Dollar durch Gold gedeckt! (35 Dollar Pro Gold Unze)!
http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System

In wessen Interesse hat man es wohl abgeschafft?

Was..

..sind das für rückgradlose politiker!!!!!

kein wunder, dass sich immer mehr politverdrossenheit breit macht - ein trauerspiel...

mut der politiker gefragt !!!!!

die europäischen (und griechischen) politiker sollten den mut aufbringen, griechenland aus der euro-zone herauszunehmen.

...es wäre für ALLE das beste

dieses herumgezerre bringt auf dauer nichts - es glaubt doch wohl niemand mehr, dass die sparmassnahmen wirklich so umgesetzt werden, bzw. auch wenn - dass das die lösung ist

Antworten Gast: Johann S
09.02.2012 18:44
0

Re: mut der politiker gefragt !!!!!

Die Kleinen werden wieder zur Kassa gebeten.
Dadurch keine Kaufkraft.
EinCirculus vitiosus,ein Teufelskreis.

Wie kam es zu dieser verdammten Krise

Um sich ein Bild darüber machen zu können und wer die Verursacher waren, das kann man in einem sehr aufschlussreichen Artikel nachlesen - auf www.nachdenkseiten.de Der Titel lautet: "Angie im Wunderland". Kein Wunder also, wenn man mittlerweile in Athen deusche Fahnen verbrennt und Deutschland in den griechischen Medien (gemeiner Weise) mit der Nazi-Zeit konfrontiert. Was das für Folgen haben könnte, das bleibt (vorerst) abzuwarten.

Gast: africano
09.02.2012 18:00
4

Wer einmal LÜGT dem GLAUBT man nicht ,

auch wenn er ab und zu die Wahrheit spricht.

Re: Wer einmal LÜGT dem GLAUBT man nicht ,

Laut EU-Bürokraten ist Lügen zudem offiziell erlaubt.

Antworten Gast: Geld stinkt nicht
09.02.2012 18:21
1

Re: Wer einmal LÜGT dem GLAUBT man nicht ,

Die Heillige Maria hat ja auch ein Kind auf die Welt gebracht! Angeblich hatte Sie davor kein Geschlechtsverkehr!

Trotzdem wird Sie verehrt und deren Institution werden zig Milliarden überwiesen! Wieso?


Antworten Antworten Gast: Garst
09.02.2012 20:46
0

Re: Re: Wer einmal LÜGT dem GLAUBT man nicht ,

Ich gratuliere Ihnen zu dem Umstand, meine heiligste Figur beleidigen zu können, ohne gemeinsam mit mir in einem Raum zu verweilen.

 
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