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Irlands Traum von der Wiederauferstehung

11.02.2012 | 18:22 |  von Stefan Riecher (Die Presse)

Mit einem Kraftakt versucht Irland einem griechischen Schicksal zu entgehen. Die Bemühungen des Landes könnten von Erfolg gekrönt sein. Noch spürt die Bevölkerung wenig davon.

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Wer Brian Hayes zuhört, könnte meinen, der Flächenbrand in der Eurozone sei zumindest für Irland nur ein kurzes Strohfeuer gewesen. Mit einem Lächeln auf den Lippen empfängt der irische Staatsminister für Finanzen im Rahmen eines Besuchs in Wien die „Presse am Sonntag“ zum Interview und erklärt: „Natürlich haben wir eine harte Zeit durchgemacht, aber jetzt geht es aufwärts. Irland erholt sich und ist schon wieder auf dem Weg zurück.“

Nun könnte man den Politiker einen Zweckoptimisten nennen, dem schon aus Berufsgründen gar nicht viel anderes übrig bleibt als die Wiederauferstehung der schwer angeschlagenen irischen Wirtschaft zu propagieren. Schließlich steht das Land nach wie vor unter dem Schutz des europäischen Rettungsschirms. Es bekommt am Kapitalmarkt kein Geld mehr geliehen. Es hält bei einer Staatsverschuldung von mehr als hundert Prozent der Wirtschaftsleistung – ein Wert, der bis Ende 2013 auf mindestens 118 Prozent ansteigen wird. Die Arbeitslosigkeit will und will nicht sinken und liegt im zweistelligen Prozentbereich. In der Gruppe der unter 30-Jährigen sucht gar jeder Dritte einen Job. Es gehört durchaus Mut dazu, angesichts solcher Zahlen von einer „Erholung“ zu sprechen.

Und doch gibt es gute Gründe, warum Irland ein griechisches Schicksal erspart bleiben könnte. „Wir haben alle Vorgaben unserer Geldgeber mustergültig erfüllt“, sagt Hayes und fügt hinzu: „Spätestens 2013, möglicherweise schon Ende 2012, wollen wir an die Kapitalmärkte zurückkehren.“ Soll heißen: Jene Investoren, die sich derzeit noch sträuben, dem von Ratingagenturen als „Ramsch“ eingestuften Land frisches Geld zu leihen, werden möglicherweise schon bald wieder die Geldbörse zücken.


Flexiblere Wirtschaftsstruktur. Dass Hayes recht behalten könnte, beweist ein vor Kurzem erfolgter Tausch von Staatsanleihen. Investoren zeigten sich einverstanden, 2014 auslaufende Papiere gegen solche mit einer Laufzeit bis 2015 zu tauschen – ein großer Erfolg für das angeschlagene Land, das 2014 nun 8,3Mrd. Euro statt 11,8Mrd. Euro bedienen wird müssen. Nicht nur die Investoren finden schön langsam wieder Vertrauen zu Irland: Die deutsche Commerzbank lobte den Inselstaat erst kürzlich in einer Studie als den „erfolgreichsten“ der Euro-Problemstaaten in der Bekämpfung der Krise.

Doch was hat Irland besser gemacht als etwa Griechenland oder Portugal? Ökonomen nennen zwei entscheidende Erfolgsfaktoren: das härteste Sparprogramm, das ein Euroland seit Bestehen der Einheitswährung jemals in Angriff genommen hat, und die im Vergleich zu den anderen Problemstaaten weitaus flexiblere Wirtschaftsstruktur, die eine rasche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ermöglichte.Dabei war es vor allem die Bevölkerung, die die Notwendigkeit eines gigantischen Sparpakets erkannte. Angesichts eines Budgetdefizits von rekordverdächtigen 32 Prozent im Jahr 2010 wurden die Rufe nach einem Kurswechsel immer lauter. Bei den Wahlen im Februar 2011 straften die Wähler die regierende Mitte-rechts-Partei Fianna Fáil ab. Trotz oder auch gerade wegen umfassender Sparpläne siegte die konservativere Partei Fine Gael, der auch Staatsminister Hayes angehört, überlegen.

Geht der Plan des Finanzministeriums auf, wird die irische Regierung in fünf Jahren dank des größten Sparpakets in der jüngeren Geschichte des Landes insgesamt 30Mrd. Euro einsparen. Dieser Betrag entspricht rund 20Prozent der Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Das in Österreich mühsamst verhandelte Spar- und Belastungspaket soll 26,5 Mrd. Euro bis 2016 in die defizitären Bundeskassen spülen.

„Die Bevölkerung hat gelitten und leidet immer noch“, fasst Hayes die Kraftanstrengung Irlands zusammen. Beamte mussten auf 15Prozent ihres Gehalts verzichten. Die Arbeitslosenunterstützung wurde um vier Prozent gekürzt, das Kindergeld um zehn Prozent. Als der Umfang des Sparpakets bekannt wurde, kommentierte die „Financial Times“ die beschlossenen Anstrengungen schlicht folgendermaßen: „Das ist Masochismus.“

Das kann man durchaus so sehen, doch klar ist, dass Irland schon ein Jahr später auf dem Weg der Besserung ist, während die Wirtschaftswelt nach wie vor gebannt nach Griechenland, Portugal oder Italien blickt. Die irischen Exporte übertrafen nach dem Einbruch von 2009 und 2010 im Vorjahr wieder die Importe – eine positive Handelsbilanz gilt als wichtiger Baustein für eine wirtschaftliche Erholung. Im dritten Quartal 2011 stiegen die Einlagen bei den irischen Banken erstmals seit drei Jahren wieder an. Die Kapitalflucht konnte gestoppt werden. Die Anleger scheinen langsam das Vertrauen in den kürzlich vor dem Abgrund stehenden Finanzsektor zurückzugewinnen.


Alle leisten einen Beitrag. Der Erfolg Irlands wirft freilich die Frage auf, warum die Anstrengungen nicht eins zu eins auf Griechenland oder Portugal übertragen werden können. Der Hauptgrund, neben den unterschiedlich ambitionierten Sparanstrengungen, sind die flexibleren Wettbewerbsbedingungen. Im Vorfeld der Krise waren die Lohnstückkosten in allen genannten Ländern in die Höhe geschossen. Der einfache Weg, die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen – eine Abwertung der Währung –, ist den Euroländern verwehrt. Deshalb entschied sich Irland für die zweite, weit schmerzhaftere, Variante: deutliche Lohnkürzungen. Ein Weg, den vor allem Griechenland bislang weit langsamer gegangen ist und wegen des Reformwiderstands wohl auch nicht schneller wird gehen können.

Und trotzdem: Auch wenn Irlands Fundamentaldaten besser sind als vor zwei, drei Jahren: Noch spürt die Bevölkerung wenig davon. Der britische „Guardian“ veröffentlichte kürzlich einen Bericht unter dem Titel: „Die Opfer Irlands“. Darin zählte die Zeitung jene Bevölkerungsteile auf, die im Rahmen der Sparbemühungen am meisten einbüßten.

Dabei fällt auf: Es finden sich alle Gruppierungen darunter. Von den Pensionisten über die Beamten bis zu den Arbeitern und den Reichen leisteten alle ihren Beitrag – und zwar zu rund 15Prozent im Zuge neuer oder höherer Steuern. Über den Berg ist Irland deswegen aber noch nicht. „Die Arbeitslosigkeit macht mir riesige Sorgen“, sagt Hayes. Nur wenn die Wirtschaft 2012 und 2013 wachse, sei eine Arbeitslosenrate von unter zehn Prozent möglich.

„Vieles liegt nicht mehr in unserer Macht.“ Dabei bezieht sich Hayes auch auf die anderen „Problemstaaten“ und die Ungewissheit über die Zukunft des Euro. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Und glauben Sie mir: Das war für unser ganzes Land wirklich schmerzhaft genug.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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18 Kommentare
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"Mit einem Lächeln auf den Lippen empfängt der irische Staatsminister für Finanzen im Rahmen eines Besuchs in Wien die „Presse am Sonntag“ zum Interview und erklärt:"

wie schön, dass er ein lächeln auf den lippen hat!

warum aber druckt die "presse am sonntag" das interview nicht ab?
inklusive all der nach näherer erklärung drängenden fragen und der einem journalisten angemessenen skepsis gegenüber politikern?

warum druckt ihr statt dessen eine lobhudel-aussendung der Fine Gael ab?
da hättet ihr euch echt nicht die mühe machen müssen, die lächelnden lippen um ein interview zu bitten!

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Brian Hayes

So ein Dampfplauderer.

Super Irland - aber externes Risiko

Bis auf die Steuererhöhungen scheint Irland die richtige Strategie gewählt zu haben. Das Hauptrisiko ist ein Einbruch der Wirtschaft weltweit und besonders in Großbritannien und in der EU. Der Gegenwind könnte u.U. zu stark sein für eine erfolgreiche Erholung der irischen Wirtschaft.
Die sozialistischen Staatsinterventionisten der anderen Krisenländer sollen sich ein Beispiel nehmen.

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Re: Super Irland - aber externes Risiko

ja, super!
kürzt die gehälter,
kürzt die arbeitslose,
kürzt das kindergeld!

denn arbeiter, angestellte und beamte, arbeitslose und kinder haben bekanntlich irland in diese schlimme situation gebracht.

aber macht auf gar keinen fall etwas, das reiche und superreiche treffen würde (also steuererhöhungen), weil die halten das werkel am laufen und haben am allerwenigsten zu tun gehabt mit der irischen spekulation oder gar davon profitiert!

sich in einem ideologischen winkel einzubetonieren, wenn man davon profitiert, kann ich ja noch irgendwie verstehen.
doch profitieren SIE wenigstens davon???
oder sind sie einer jener miesbezahlten jubelperser, die die dreckige arbeit für die gnädigen herren in edlem zwirn erledigen?

Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

ich bin einer der Idioten, der die Steuern zahlt, von denen Sie leben.

Antworten Antworten Antworten Gast: toro
12.02.2012 18:06
0 2

Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

Wayne interessiert's?

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Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

JEDER einkommensbezieher, egal ob lehrling, selbständiger, angestellter, pensionist zahlt!
und zwar denselben anteil.

die steuer und abgabenquote von rund 40% gilt für alle in ö!

sie können also ihr 'ich bin einer der armen, die ausgenommen werden'-hemdchen wieder ausziehen: der fasching für solche verkleidungen ist vorüber.

es gibt aber einige privilegierte, für die diese 40%-quote NICHT gilt: es sind die obigen "gnädigen herren im edlen zwirn", die sich jubelperser halten.
wie schon gesagt: wenn sie zur ersten gruppe gehören, dann kann ich ihr statement verstehen. wenn sie aber (vermutlich unbezahlt) das lied dieser herrschaften singen, dann bleibt bei mir viel unverständnis!

Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

eine sehr große Wirtschaftskrise ist unausweichlich, und die Bezieher von Staatsgeldern werden danach ziemlich blöd ausschauen - sie werden nämlich wieder richtig arbeiten müssen

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Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

denken sie doch bitte einen einzigen schritt weiter.
nehmen wir an sie sind der hart arbeitende produzent/verkäufer eines produkts/dienstleistung:
sobald die von ihnen gescholtenen DIREKTbezieher von staatsgeldern weniger bekommen, kaufen die auch bei ihnen weniger ein. SIE kommen also genau so zum handkuss.

ich verstehe ihr gut/böse denken überhaupt nicht. SIE beziehen auf alle fälle auch staatsgelder. wenn nicht direkt, dann indirekt: straßen, andere infrastruktur, sicherheit, funktionierende verwaltung usw. sind genau so leistungen des staates wie direkt-unterstützungen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

in den 30er Jahren sind die Staatsgeldbezieher aus den Großstädten zu den Bauern aufs Land zum Bettelfenster gekommen. So viel zum Thema kommende Wirtschaftskrise, ausgelöst durch Gelddrucken und Staatsschulden.
Dann wird auch der letzte begreifen: Privat funktioniert, Staat versagt.

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

dann verweigern sie die annahme von staatsgeld und verweigern sie die nutzung von staatsleistungen!

diese selbstgerechigkeit, mit dem finger auf andere zu zeigen aber zu ignorieren, dass man selbst auch auf der nehmerseite steht, ist eine wesentliche charakterschwäche!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

ich beziehe keine staatlichen Leistungen.
Ausnahme: Strassen, Polizei - aber natürlich unfreiwillig. Private Strassen wären wesentlich besser und billiger für uns alle. Und private Sicherheitsdienste würden tatsächlich für Sicherheit sorgen, während unsere Polizei nur darauf aus ist, uns mit oft unsinnigen Strafen auszurauben.

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

letztes statement, ich hätte schon nach dem ersten so schlau sein sollen und den wahn erkennen, in dem sie offenbar leben!

"Private Strassen wären wesentlich besser und billiger für uns alle."
und weshalb kostet dann die benutzung der PRIVATEN autobahn in italien bereits ab ein paar hundert kilometer mehr als bei uns eine jahresvignette???

private sicherheitsdieste würden tatsächlich für sicherheit sorgen? aber nur in SS-uniform.

DENKEN sie gelegentlich beim schreiben, was für ein unsinn ihrem fanatismus/ihrer ideologie entspringt?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

Sie haben in Nordkorea Internetzugang????

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: geht nicht mehr??
28.02.2012 20:07
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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

ist das nun wirklich ihre antwort? ist das wirklich alles was ihnen noch einfällt? machen sie sich doch nicht die ganze zeit lächerlich und wenns nicht mehr weiter wissen kommens mit so dummen aussagen daher. das ist ja zum fremdschämen, nicht mehr und nicht weniger.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Super Irland - aber externes Risiko

Sozialismus endet eben im totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch, Diktatur und Krieg.

steht uns wahrscheinlich auch bald bevor.

Antworten Gast: Die sozialistischen Staatsinterventionisten
12.02.2012 10:49
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Re: Super Irland - aber externes Risiko

wie z.B. Berlusconi und Umberto Bossi???

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Die Effizienz der Bemühungen der derzeitigen ital. Regierung ist noch nicht bewiesen.

Ich fürchte, dass bei der ersten Rechenschaft Schlimmes zum Vorschein kommen wird. Und dann reden wir nochmal über rote Kompetenz. OK ?

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