Deutsche Kritik an Griechenland: "Fass ohne Boden"

12.02.2012 | 18:32 |   (Die Presse)

Mehrere zehntausend Griechen demonstrierten am Sonntag vor dem Parlament. Die deutsche Bundesregierung stellt sich auf ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ein.

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Berlin/Athen/Wien/Ag/Red. Am Vorabend der Entscheidung des griechischen Parlaments über das Sparpaket stellte sich die deutsche Bundesregierung auf ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ein: Das Land müsse seine Hausaufgaben machen, um wettbewerbsfähig zu werden, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) der „Welt am Sonntag“. Dabei räumte er ein, dass dies auch außerhalb der Währungsgemeinschaft geschehen könne. „Das haben die Griechen alles selber in der Hand“, sagte er.

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Schäuble bekräftigte seine Forderung, dass die Regierung in Athen und ihr Volk ihre bisherigen Zusagen einlösen müssten. Griechenland dürfe kein Fass ohne Boden sein, sagte er. „Deswegen müssen die Griechen endlich den Boden einziehen. Dann können wir auch etwas reintun.“

Noch am Samstag hatte der griechische Premier Loukas Papademos in einer Fernsehansprache an seine Landsleute appelliert. Er warnte vor den Folgen einer unkontrollierten Zahlungsunfähigkeit. Das geplante Sparprogramm beinhalte Regelungen, die die Griechen „viel früher hätten selbst treffen müssen“. Die Maßnahmen seien aber sehr hart und bedeuteten „schmerzhafte Opfergaben für die Griechen“.

 

Angst vor Abweichlern

Das griechische Parlament begann am Sonntagnachmittag mit der entscheidenden Debatte. Die Abgeordneten sollten am späten Sonntagabend über die weiteren Einschnitte abstimmen, die Voraussetzung für neue Hilfen der internationalen Geldgeber sind. Trotz zahlreicher Abweichler wurde eine Mehrheit für die von Konservativen und Sozialisten getragene Regierung erwartet. Die Zahl der Gegner des im Volk unpopulären Sparkurses hatte in den vergangenen Tagen jedoch auch unter den Abgeordneten deutlich zugenommen.

Konkret zur Abstimmung steht eine Vollmacht für Ministerpräsident Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos zur Unterzeichnung des neuen Rettungspakets der internationalen Kreditgeber im Umfang von 130 Milliarden Euro; ferner soll über die Maßnahmen zur Rekapitalisierung der griechischen Banken sowie den geplanten „Schuldenschnitt“ mit den privaten Gläubigern abgestimmt werden. Über die Sparmaßnahmen im Detail soll es binnen zwei Wochen aber noch ein gesondertes Votum geben. Die Euroländer fordern ein Ja des Parlaments zum Sparpaket als eine Bedingung für die weiteren Milliardenhilfen.

Die Zustimmung des Abgeordnetenhauses zu den mit der EU und dem IWF ausgehandelten Ausgabenkürzungen ist eine der zentralen Voraussetzungen für das zweite internationale Hilfspaket von 130 Milliarden Euro. Unter anderem sollen bis 2015 auch rund 150.000 Staatsdiener entlassen werden und der Mindestlohn von 751 auf 568 Euro sinken. Außerdem soll griechischer Staatsbesitz veräußert werden.

 

„Nieder mit der Diktatur der EU“

Der Internationale Bankenverband drängte die Abgeordneten zur Zustimmung. „Es ist wichtig, dass die Parlamentarier verstehen, was alles auf dem Spiel steht“, sagte der Geschäftsführer des IIF, Charles Dallara, in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung „Kathimerini“.

Mehrere zehntausend Griechen demonstrierten am Sonntag vor dem Parlament. Mitglieder der Kommunistischen Partei (KKE) hängten auf der Akropolis, dem Wahrzeichen Athens, ein großes Transparent auf mit dem Spruch „Nieder mit der Diktatur der Monopole der EU!“. Die Polizei setzte vor dem Parlament Tränengas ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2012)

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41 Kommentare
 
12

Was soll der Unfug?

Sie sollen sparen, ihren Staat neu erfinden, friedlich bleiben und auch noch Wachstum erzeugen. Das ist doch absurd. Es ist Zeit, das einzig Richtige zu tun: Griechenland kontrolliert in die Insolvenz zu schicken.

Gast: Wörter
13.02.2012 19:58
0

Pleitestaaten

Im Jahr 1340 ging zum ersten Mal ein europäischer Staat pleite: England. König Edward II. musste den Schuldendienst gegenüber italienischen Bankiers einstellen.

Zwischen 1500 und 1800 erlebte Frankreich insgesamt acht Pleiten

Die Rekordliste der Staatspleiten führt Spanien an: 13 Mal war das Land schon zahlungsunfähig.

Durch die Napoleonischen Kriege ging der österreichische Staat 1811 bankrott.

1812 nahm Österreich wieder Schulden auf für den Sechsten Koalitionskrieg - nur vier Jahre später war das Land erneut pleite.

1813 Dänemark

1876 musste das Osmanische Reich den Staatsbankrott erklären.

Auch die Griechen waren bereits pleite: im Jahr 1893

Insgesamt acht Staatspleiten erlebte Mexiko seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1810/1821.

1837 USA

1918 Sowjetunion weigerte sich die Sowjetregierung, die Schulden des Russischen Reiches zu bedienen.

1923 war Deutschland als Spätfolge des Ersten Weltkriegs bankrott.

1945 Deutschland
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland bankrott, weil Hitler den Krieg mit der Notenpresse finanziert hatte

Russland ging zum fünften Mal in seiner Geschichte pleite. Staatsanleihen im Volumen von 13,5 Milliarden US-Dollar waren ausgefallen. Der Grund dafür: der Verfall des Ölpreises im Jahr 1997.

2002 Argentinien [Bearbeiten]
Im Jahr 2001/2002 hatte Argentinien einen Staatsbankrott

Dieses Europa wurde

von strandliegenden und gepflegt dinierenden Eliten ausgedacht, um ihre eigene Bewegungsfreiheit zu sichern. Die Bevölkerung war wohl Nebensache!

Diktatur auch für uns

was nicht passt wird passend gemacht. Die Deutschen haben sich mit Frau merkel abgefunden, die anderen Parteien sind ja noch planloser.
Wie lange kann es so weiter gehen, warum treten die Griechen nicht aus?????

Antworten Gast: H.M.
13.02.2012 13:01
0

Re: Diktatur auch für uns

Warum die Griechen nicht austreten? Weil sie dann ganz weg sind vom Fenster! Seit 1981 haben sie 133 Milliarden EU-Fördergelder verprasst und ihre Wirtschaft ruiniert, ihre Verwaltung nicht modernisiert. Wie wollen die denn noch überleben? Wenn sie austreten, geht es ihnen noch dreckiger.

Situation in Griechenland war immer schon so!

Die Finanzverwaltung Griechenlands

Die Finanzverwaltung Griechenlands ist so außergewöhnlich und der unseren so wenig ähnlich, dass ich es für notwendig halte, vor der Schilderung der Einzelheiten des Budgets hier einige allgemeine Beobachtungen einzufügen.

Griechenland ist das einzige bekannte Beispiel eines Landes, das seit dem Tag seiner Geburt im totalen Bankrott lebt. Wenn Frankreich oder England sich nur ein einziges Jahr in dieser Lage befänden, würden wir dort schreckliche Katastrophen erleben. Griechenland lebt nun schon seit zwanzig Jahren in Frieden mit einem Staatsbankrott. Die Schutzmächte Griechenlands mussten schließlich die Zahlungsfähigkeit des Landes garantierten, damit das Land über eine Anleihe im Ausland verhandeln konnte.

Die Mittel, die durch diese Anleihe zur Verfügung standen, wurden von der Regierung ohne irgendeinen Nutzen für das Land selbst verprasst; und nachdem das Geld einmal ausgegeben war, mussten die Garantiemächte aus purem Wohlwollen die Zinsen bedienen. Griechenland konnte sie überhaupt nicht mehr bezahlen.

(Edmond About, Das gegenwärtige Griechenland, etwa 1960)

Gast: mulcahy
13.02.2012 04:44
13

...

die griechen werden das so machen:

die jetzige führung verspricht alles, unterschreibt alles und bekommt die euros.

dann werden neuwahlen ausgeschrieben, die kommunisten gewinnen und zerreissen den vertrag in der luft.

durch 500 jahre osmanische besatzung sind uns die griechen in durchtriebenheit um lichtjahre voraus.

Antworten Gast: Hansis
13.02.2012 08:34
3

Re: ...

rechnerisch, wenn man 100.000stel von 65 Mrd. Hilfspaket abzweigt, merkt doch kein Mensch. Ich würde so machen und mir selbst bereichern. danach schreie ich wieder nach Staatspleite und bekomme nächste Hilfspaket. Wir Europär sind ja wirklich Dumm.

Re: ...

war es je anders. Das gleiche Spiel haben wir schon dutzende Male gespielt.

Gast: Es gibt immer Alternativen
12.02.2012 23:40
6

Sozialistische Alternativlosigkeit EUZONE

Jetzt wird Griechenland voraussichtlich endgültig entmündigt. Und wer sich darüber freut, der freue sich nicht zu früh. Das ist erst der Anfang der antidemokratischen "Einhegung".

Antworten Gast: Toteles
13.02.2012 13:04
0

Re: Sozialistische Alternativlosigkeit EUZONE

Die Griechen haben sich schon seit langem "selbst" entmündigt. Wer so "wirtschaftet", der hat eines Tages nichts mehr zu melden, kann nur noch betteln gehen.

Gast: herocules
12.02.2012 23:08
2

eu muss zahlen sonst klage brüssel

deutschen auch österreicher müssen zahlen an athina es gibt ein eu vertrag muss gehalten werden sonst machen wir klage brüssel

Re: eu muss zahlen sonst klage brüssel

Dieser Beitrag ist zu leicht als Propaganda von rechts zu durchschauen. Die Griechen sind zu schlau um sich derart dämlich zu äußern.

Gast: Scotty
12.02.2012 23:06
2

Zensur

Und dann wundert ihr euch warum die Kommentare zensiert werden?! Kommt schon Leute, ein bisschen mehr Klasse bitte!

Gast: athinaa
12.02.2012 23:02
0

eu vertrag

die deutschen auch österreicher mussen zahlen sonst klage bei brüssel es gibt ein eu vertrag bitte lesen

Re: eu vertrag

Bitte lieber auf Englisch

Volkeswille

Wenn das griechische Volk die Sparmaßnahmen nicht mittragen wollen, steht ihnen ein Austritt aus der Euro-Zone frei. Dann werden sie erst sehen, wie die Gewerbetreibenden und das griechische Kapital den Staat geschädigt haben. Und genau gegen die sollte sich ihre Wut richten, nicht gegen die Geldgeber.

Re: Volkeswille

Das Volk will den Euro behalten und die günstigen Zinsen von früher.
Das Geld geht zum Großteil gleich an die Banken.
Hellas ist und wird nie EU reif sein.

Griechenland - und der Rest der Welt..

• Die Gläubiger Griechenlands sind: EZB, IWF, Deutschland, Österreich, andere EU-Staaten und vor allem internationale Banken wie Goldman, JP Morgan etc. Was noch wichtiger ist, die gleichen Gläubiger hat Portugal, Spanien, Italien, Irland, Ungarn, Belgien,…. – Diese Gläubiger machen RIESEN Druck, dass Griechenland so viel von seinen Schulden zurückzahlt, wie irgendwie möglich. Dies ist bei einem Verbleib in der Eurozone mit radikalen Sparmaßnahmen wahrscheinlicher. Folglich wird man alles daran setzen, dass Griechenland im Euro bleibt und seine Schulden zahlt. Die Geldgeber haben nämlich panische Angst davor, dass Griechenland die Drachme einführt und seine Schulden nicht bezahlt, denn dann werden das auch andere Länder so machen wollen.
• Prognose: Griechenland bleibt in der Eurozone. Die Sparprogramme werden halbherzig umgesetzt. Griechenland wird von seinen Schulden noch mehr erlassen werden, sie werden aber immer noch einen sehr großen Teil der Schulden zurückzahlen müssen. Die EZB wird sehr viel Geld drucken, um alle Staaten und Banken Europas zu retten und die Zinsen tief zu halten. Die Finanzmärkte werden sich durch das Gelddrucken der EZB beruhigen. Die Staatschulden werden aber unaufhörlich weitersteigen, da der Schuldenberg einfach schon zu groß ist, um ihn jemals wieder abzubauen. Somit kann am Ende nur eine weltweite Hyperinflation/Währungsreform kommen. Jedes andere Szenario scheint mehr als unwahrscheinlich.

Gast: frenzi
12.02.2012 22:14
13

Griechenland wird immer ein Faß ohne Boden bleiben

und das ist seit Jahren bekannt.
Was ist nur mit der deutschen Bevölkerung los. Sie beliefern die Welt mit hochwertigen Produkten, sind mit gigantischen Summen Nettozahler in der EU, blechen den größten Teil der "Hilfsgelder" an Betrügerstaaten und lassen sich dann auch noch beschimpfen und mit Hakenkreuzbinden abbilden ???

Profitiert hat D weder vom Euro noch von der EU. (Das alles KOSTET) Sondern von dem Genie, dem Fleiß und der Produktivität seiner Bevölkerung.
D wach auf !

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Ja und die nächsten Patienten

Portugal,Spanien ect. warten schon als die Nächsten.
Warum wird das sterben der EU nur solang hinausgezögert.
Die Schönfärberei muß ein Ende haben ,oder sollen die Völker noch mehr bluten müssen damit einige enige sich krumm verdienen am Elend das die Politiker verbreitet haben !!!

Die griechischen Milliarden liegen in der Schweiz -

aber das interessiert keine SAU!

Ihr Meinung ist sehr populär, aber trotzdem Schwachsinn

Es ist bestimmt auch so, dass einige dieser Millionen auf ausländischen Konten nicht korrekt in Griechenland versteuert wurden, und auch so, dass viele Millionen, vor allem an sonstigen Vermögen, nur aus Angst vor Enteignung in Griechenland ins Ausland verbracht wurden. Niemand hat das Recht, diese Gelder nun einfach zu stehlen, nur weil sie von einem Griechen erspart, erarbeitet oder was auch sonst immer wurden. Wenn es aus unversteuertem Einkommen entstand, dann ist die offene Steuerschuld samt Strafe zu begleichen, aber auch das geht nicht einfach durch Enteignung.

Sie befinden sich auf einer Straße der Ungesetzmäßigkeit, die meint Stehlen werde dadurch legal, wenn die erbeuteten Mittel einer Mehrheit zugute kommen. Dem ist aber nicht so, auch wenn es eine breite Mehrheit an Menschen gibt, die diese Meinung vertreten. Auch Robin Hood war ein Verbrecher, nur halt mit viel Sozialromantik.

Antworten Antworten Gast: wennSchon, dennSchon
13.02.2012 02:38
1

Re: Ihr Meinung ist sehr populär, aber trotzdem Schwachsinn

. . . dann ist der Euro der Schwachsinn, und der freie Finanzmarkt der größte Unfug.



Die Deutschen sind der Beschimpfungen leid!

Hoffe ich doch. Wenn sie nur einen Funken von Selbstachtung noch besitzen, dann geben sie den Griechen einen herzhaften Tritt in den Anus.

Antworten Gast: strelnikov
12.02.2012 22:08
4

Re: Die Deutschen sind der Beschimpfungen leid!

Ich helfe den Deutschen dabei, denn uns trifft es Dank einiger Banken und unfähiger Politiker ebenso. Wir wurden sehenden Auges in das Unglück geführt und jahrelang belogen.
Und dank der Hilfe der Rating-Agenturen, mit den GR in die Eurozone kam. Es ist ja kein Geheimnis, dass den USA alles daran gelegen ist, Europa und die EU zu schwächen, da wir sie wirtschaftlich schon längst überholt haben und der EUR gegenüber dem USD immer stärker wurde.
Nur die EU-Politiker in Brüssel kriechen den US-Amis nach wie vor in den Arsch, um es drastisch zu formulieren. Da gehört seitens der EU eine andere Gangart eingelegt, weil ohne Europa und China verhungern die Amis in einem Jahr.

 
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