Athen: "Auf Unterwerfungsskala fast 100 Prozent"

17.02.2012 | 11:44 |   (DiePresse.com)

Die Protestbewegung des Linkspolitikers Glezos und des Musikers Theodorakis wehrt sich gegen die "Bevormundung" durch das Sparprogramm.

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1941 kletterte Manolis Glezos zusammen mit einem Freund auf die Akropolis und riss die von den deutschen Nazi-Besatzern über der Athener Altstadt gehisste Hakenkreuzfahne herunter. 71 Jahre später ruft der bekannte griechische Linkspolitiker erneut zum Widerstand auf. Diesmal allerdings gegen die "Bevormundung" durch das radikale Sparprogramm, das seinem Heimatland im Kampf gegen die Staatspleite auferlegt wird.

Zusammen mit dem weltberühmten Musiker Mikis Theodorakis hat Glezos die Protestbewegung Elada gegründet, die sich gegen die immer neuen Sparauflagen zur Wehr setzt. Es ist die Garde der alten Herren - Glezos ist 89 Jahre alt, Theodorakis 87 -, die sich Zeit ihres Lebens nur zu genau an die Kriegszeiten erinnern.

Der Widerstand von Glezos gegen die Nazis begann in der Nacht auf den 31. Mai 1941, als die deutsche Wehrmacht die Insel Kreta eroberte. "Hitler sagte in einer Rede, dass Europa frei ist. Wir wollten ihm zeigen, dass der Kampf erst beginnt", erinnert er sich an seine spektakuläre Aktion auf der Akropolis.

"Auf Unterwerfungsskala fast 100 Prozent"

"Griechenland hat seine Freiheit errungen, aber nicht seine Unabhängigkeit", sagt Glezos mit Blick auf das heutige Spardiktat der Euro-Zone, die ein zweites Hilfspaket von 130 Milliarden Euro von immer weiteren Einsparungen abhängig macht. "Auf einer Skala der Unterwerfung kommen wir auf fast 100 Prozent."

Glezos wurde während der deutschen Besatzung dreimal festgenommen und entkam nur knapp einem Erschießungskommando. Sein jüngerer Bruder wurde 1944 hingerichtet. Das Foto des jungen Mannes hängt über den Bergen von Büchern, Unterlagen und Erinnerungsstücken, die Glezos in seiner Erdgeschoßwohnung in einem Vorort Athens aufbewahrt. Sein Engagement im Widerstand gegen die Nazis und für die Kommunisten während der griechischen Militärdiktatur brachten ihm zwei Todesurteile und zwölf Jahre Haft "in fast allen Kerkern des Landes" ein, wie er sagt.

"Keinen Cent mehr in Militärausgaben"

Heute wünscht er sich, dass die Jugend einen Widerstandskampf fortsetzt, "um alle Fahnen der Unterdrückung niederzureißen". Doch während viele Griechen die immer schmerzhafteren Sparpakete als demütigendes Diktat vor allem der deutschen Regierung empfinden, macht Glezos einen klaren Unterschied zwischen den Besatzern von einst und dem strengen EU-Partner von heute: Der eigentliche Feind, das seien die G-20 und die "Imperialisten".

Aus der Krise müsse Griechenland ohnehin selbst herauskommen, sagt Glezos. Seine Vorschläge: "Keinen einzigen Cent mehr in die Militärausgaben stecken." Außerdem solle sich Griechenland weigern, seine "nicht rechtmäßigen" Schulden zu bezahlen. Den Steuerbetrug solle die Regierung bekämpfen und gleichzeitig Geld für "Gesundheit, Bildung und Forschung" ausgeben.

Deutsche sollen eigene Schulden bezahlen

Deutschland solle erst einmal seine eigenen Schulden bezahlen, fordert der Mann mit dem weißen Schnurrbart mit Blick auf die während der Besatzungszeit erhobenen Zwangsanleihen. "Das war das einzige Mal, dass Griechenland Geld verliehen hat statt sich welches zu leihen", sagt Glezos. Zusammen mit von Athen eingeforderten Reparationszahlungen komme Griechenland auf "162 Milliarden Euro, ohne Zinsen", wie Glezos betont.

Doch die Symbolfigur der radikalen Linken belässt auch heute nicht bei bloßen Appellen gegen die rigide Sparpolitik: Am Sonntagabend, als das Parlament in Athen das neueste Sparpaket absegnete, schlossen sich Glezos und Theodorakis, ebenfalls ein früherer Widerstandskämpfer, den Demonstranten auf dem Syntagma-Platz an. Weil die Polizei dort massiv mit Tränengas gegen Randalierer vorging, mussten die beiden alten Herren ihre Teilnahme an der Demonstration allerdings wegen Atemnot abbrechen.

(Ag.)

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7 Kommentare
Gast: Be-obachter
26.02.2012 12:58
0

Die Bevormundung

könnte abrupt aufhören, wenn die Griechen das geliehene Geld zurückzahlen und kein neues mehr anfordern.
So einfach ist das!

Präpotente Alt-Marxisten

Gefordert wird von den beiden Revolutionären, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückbezahlt, mit einem Seitenhieb auf Deutschland, das die grösste Last der Geldunterstützung trägt. Aber für den selbstverschuldeten Bankrott Griechenlands - auch durch die sozialistische Regierung Papandreos - wollen die beiden schon Geld bekommen, das sie selbstverständlich nicht zurückzahlen wollen. Die einfache Konsequenz dieser präpotenten Aussaugermentalität ist, Griechenland keine finanzielle Ünterstzung zukommen zu lassen und die Milliarden im eigenen Land zu Verstärkung der Wirtschaftsleitsung und der sozialen Hilfe anzwenden. Beibt den Griechen nur u wünschen: Hygiea!

Passend dazu...Sprüche über Griechen, eines griech. Autors (N.Dimou) u. Interlektuellen:

Der Grieche lebt im entweder - oder, das heißt: entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt. Eine der Folgen: die absolute Unfähigkeit zur Selbstkritik und Selbsterkenntnis.

Das Parkinsonsche Gesetz auf Griechisch: Zwei Griechen schaffen in zwei Stunden (wegen Streitigkeiten), was ein Grieche in einer Stunde schafft.

Ein Grieche nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was erhalten kann. Er weiß viermal so viel wie das , was er tatsächlich gelernt hat. Er zeigt seine Gefühle fünfmal stärker , als er sie wirklich empfindet.

M.M.n...Na ja die Südländer neigen überhaupt gerne zur Grandezza u.Auffälligkeiten (auf Kosten anderer).

Re: Passend dazu...Sprüche über Griechen, eines griech. Autors (N.Dimou) u. Interlektuellen:

sie sind ja sowas von einem Volksversteher, einfach grandios

Selbst wenn die Deutschen die geforderten 162 Milliarden nun auszahlten, die Griechen bringen es fertig die Summe binnen kurzem wieder zu verludern.

Um dann wieder Forderungen zu erfinden.
Es wird Zeit , dass die Ewiggestrigen endlich verschwinden. Und zwar die aller Lager.
Dann könnte man endlich zu professionellen Lösungen kommen anstatt sich immer nur mit Doktrinen herumplagen zu müssen.

Die Griechen kommen mir vor,

wie ein Raucher mit Lungenkrebs im Endstadium der sich nochmals trotzig eine fette Havanna anraucht.

Antworten Gast: Gast4711
19.02.2012 11:31
2

Re: Die Griechen kommen mir vor,

Korrekt. Ohne deutsche Zahlungen in Form der EU-Zahlungen und in Form der hohen Einnahmen durch deutsche Touristen wäre Griechenland schon seit sehr langer Zeit pleite. Die Griechen bekommen seit 30 Jahren Geld von der EU. Aus meiner Sicht sollte mal damit Schluss sein. Und der Gipfel der Frechheit ist, dass sie auch noch gegen die Deutschen herziehen die ihnen in den letzten Jahren und Jahrzehnten soviel Geld überwiesen haben.

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