Schuldenschnitt: EZB geht in Deckung

17.02.2012 | 17:42 |   (Die Presse)

Die Europäische Zentralbank (EZB) nutzt „juristische Tricks“, um sich vor Verlusten aus Anleihen zu schützen – und ermöglicht Griechenland, seine privaten Gläubiger zu einem Schuldenschnitt zu zwingen.

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Wien/Jil/ag. Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet sich über das Wochenende offenbar auf einen Schuldenschnitt bei griechischen Anleihen vor. Unklar bleibt, ob es kommende Woche freiwillig zu einer Einigung unter den Gläubigern Griechenlands kommen wird, dem Land bis zu 100 Mrd. Euro an Schulden zu erlassen – oder ob Griechenland seine Gläubiger (Banken, Versicherungen, Pensions- und Hedgefonds) in Form eines „harten“ Schuldenschnitts dazu zwingen wird.

Die Manöver der EZB weisen auf die zweite Variante hin, denn: Den Meldungen mehrerer  Zeitungen und Nachrichtenagenturen zufolge nützt die EZB das Wochenende, um die Griechenland-Anleihen in ihrer Bilanz gegen „neue“ Anleihen (mit exakt gleichbleibenden Bedingungen) zu tauschen. Die EZB ist der größte Einzelgläubiger Griechenlands und hält rund 50 Mrd. an griechischen Anleihen.  Der einzige Unterschied zwischen den „alten“ und den „neuen“ Anleihen ist die Wertpapierkennzahl.

Ein wichtiger Unterschied: Im Falle eines erzwungenen Schuldenschnitts würden diese „neuen“ Anleihen wohl nicht betroffen sein. Es käme zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Gläubigern Griechenlands. Analysten sprechen von „juristischen Tricks“ der EZB. Der Anleihentausch wurde von der EZB weder bestätigt noch dementiert.

Unklar ist, ob die von den nationalen Notenbanken gehaltenen Griechenland-Papiere von dem Tausch betroffen sind oder einem Schuldenschnitt ausgesetzt werden. Die nationalen Notenbanken halten Griechen-Anleihen in der Höhe von rund 20 Mrd. Euro. Es wäre möglich, dass sie an einem Schuldenschnitt teilnehmen, weil sie die Hellas-Papiere als Investment und nicht – wie die EZB – zur Marktstützung gekauft haben. Hintergrund der Tauschaktion ist der Wunsch der EZB, im Fall eines Schuldenschnitts unbehelligt zu bleiben, weil die Zentralbank sonst selbst in Not geraten könnte. Findet der Anleihentausch statt, ist am Montag mit einer Verzichtseinladung Griechenlands an seine Gläubiger zu rechnen.

Stimmen mehr als 50 Prozent der Gläubiger zu, kommt aber nicht die gewünschte Summe von rund 100 Mrd. Euro zusammen, so könnte das griechische Parlament alle seine Gläubiger zu einem Schuldenschnitt „zwingen“. Dazu würde man nachträglich Umschuldungsklauseln („retroactive CACs“) in die Anleihenverträge einbauen – in alle außer in die „neuen“, die sich die EZB übers Wochenende beschafft hat.

Das Ergebnis wäre einzigartig: Die EZB bliebe verschont, während die übrigen Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten. Die angestrebten 100 Mrd. Euro entsprächen etwa 70 Prozent der ausstehenden Forderungen.

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CDS könnten schlagend werden

Der Unterschied zu einem „freiwilligen“ Schuldenschnitt: „In diesem Fall würden die CDS schlagend werden“, sagt Raiffeisen-Analyst Gottfried Steindl. Der erzwungene „harte“ Schuldenschnitt käme einem Staatsbankrott gefährlich nahe. Sollten die Kreditausfallsversicherungen (CDS) ausgelöst werden, könnte es zu einer Kettenreaktion auf dem europäischen Bankensektor kommen – niemand weiß genau, welche Bank wie viele CDS an wen verkauft hat.

CDS sind eine Art Versicherung, der „freiwillige“ Schuldenschnitt hätte ein Auslösen der CDS verhindern sollen. Am Montag kommt es zum nächsten Treffen der Finanzminister der Eurozone, um das weitere Vorgehen in Sachen Griechenland zu besprechen.

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35 Kommentare
 
12

Fast unglaublich,

denn das war doch der Sinn der Übung, des Hinausziehens der Umschuldung, daß die EZB so viel als möglich Ouzo-Anleihen den privaten Banken abkauft und damit die Griechenlandpleite EU-sozialisiert. Außerdem liegen ja noch 100-te Milliarden Ramsch (nicht nur Ouzo) Papiere als "Sicherheit" für die überreichlichen Bankkredite der EZB bei ihr und am 29. 2. will die EZB nochmals kräftig fluten - eine Billion € ist angesagt. Auch gibt es noch die Verrechnungssalden der Notenbanken bei der EZB - Target2. Grichenland ist da auch sehr hoch im Minus und das Minus wird im Fall der Pleite verteilt. Ja es wird getrickst, aber zu Lasten derjenigen denen man jetzt auch tonnenweise Sand in die Augen streut. Schätze, in einem Jahr werden wir's wahrscheinlich richtig wissen - so wie die Umstände die Wulff tatsächlich gefällte haben (mit Moral haben die wahrscheinlich wenig zu tun). W.

Die Europäische Zentralbank (EZB) nutzt „juristische Tricks“, um sich vor Verlusten aus Anleihen zu schützen

Wann implodiert dieses Pyramidenspielsystem namens ÄÜ endlich, um wieder zu einem weit besser ehemalig geordneten Staatensystem zurückfinden zu können !?

Die wahren und einzigen Gewinner dieses Versuchs sind allein Banken und exzentrische Machthaber welche allesamt in Brüssel ihre Pfründe auf Kosten der Bevölkerungen bis zum bitteren Ende verteidigen.

Das dabei eigentlich alle Länder auf der Strecke bleiben stört diese Bande nicht sonderlich, solange sie selbst sich daran im grossen Stil bereichern dürfen.

Gast: Trickkiste
17.02.2012 20:43
8

ist dieser juristische Trick nicht ein Gesetztesbruch

Laut Gesetz müssen bei einer Insolvenz (Vergleich) alle Gläubiger gleich behandelt werden.

Wäre die Bevorzugung der EZB nicht gesetzeswidrig??

Oder brauchen sich die Staaten nicht mehr an ihre eigenen Gesetze halten?

Re: ist dieser juristische Trick nicht ein Gesetztesbruch

diese gesetze gelten ausschließlich für privatrechtliche Insolvenzen und eben nicht für staaten

denn staaten genießen ja bekanntlich immunität, es ist also für gläubiger nicht möglich sich z.b über österreichische gerichte ihren anteil einzuklagen.

fraglich ist jedoch ob eine klage über den EGMR möglich wäre
diesem hat sich griechenland nämlich fakultativ unterworfen, weshalb ein urteil bindend wäre.
Es gitb sogar manche fonds die nur auf dies spekulieren, die kaufen anderen gläubigern ihre forderungen gegen griechenland spottbillig ab und versuchen sich dann über diverse gerichte und mittels jursitischen tricks ihre forderungen einzuklagen
was enorme rendite von manchmal sogar über 1000% führen kann

aber vermutlich wird auch so eine klage nicht viel bringen, denn als ultima ration wirdd athen dann verutlich rechtzeitig den europarat verlassen und wäre dann eben nicht mehr dem EGMR unterworfen

Re: ist dieser juristische Trick nicht ein Gesetztesbruch

Welches Gesetz kommt denn zur Anwendung? Und ist die Insolvenz eines Staates überhaupt abgedeckt?

Antworten Gast: Hans im Glück
17.02.2012 22:20
5

Re: ist dieser juristische Trick nicht ein Gesetztesbruch

Warum sollte man sich gerade jetzt an Gesetze halten?

Sollte nicht jeder Staat für seine Schulden selber gerade stehen?

EFSM und ESM sind auch nicht mit EU-Recht vereinbar.
Wer braucht schon eine Währung die man dauernd retten muss? Das ist keine Währung, das ist ein Trauerspiel.

*Passend dazu...Sprüche über Griechen, eines griech. Autors (N.Dimou) u. Interlektuellen:

Der Grieche lebt im entweder - oder , das heißt: entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt. Eine der Folgen: die absolute Unfähigkeit zur Selbstkritik und Selbsterkenntnis.

Das Parkinsonsche Gesetz auf Griechisch: Zwei Griechen schaffen in zwei Stunden (wegen Streitigkeiten), was ein Grieche in einer Stunde schafft.

Ein Grieche nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was erhalten kann. Er weiß viermal so viel wie das , was er tatsächlich gelernt hat. Er zeigt seine Gefühle fünfmal stärker , als er sie wirklich empfindet.

M.M.n...Na ja die Südländer neigen überhaupt gerne zur Grandezza u.Auffälligkeiten (auf Kosten anderer).

Gast: omniszienz
17.02.2012 18:40
0

Da wird sich Dr. Chorherr aber freuen...

...wenn sich bundesdeutsche Begrifflichkeiten wie "außen vor" in die Presse-Überschriften einschleichen.


Re: schauts euch an

Geh bitte. Wo haben Sie diesen Link aufgetan. Ein blödsinniger Unfug in der Rechtschreibung eines Kleinkindes. Mehr muten Sie "Presse"-Lesern nicht zu?

Von wem bekommt die EZB die Tauschpapiere?

DIREKT vom griechischen Staat?

Re: Von wem bekommt die EZB die Tauschpapiere?

"Tauschsystem" in allerhöchsten Finanzorganisationen ist doch Schmarrn. Das ist einfach Verkauf und Kauf.

Gast: Splendido
17.02.2012 14:52
4

Vielleicht sollte man "den Menschen da drausen" erklären

dass die EZB ursprünglich nach dem Vorbild der DBB (deutschen Bundesbank) konstruiert wurde um Befürchtungen um eine Weichwährung zu zerstreuen und Kritiker still zu stellen.

Nun ist es den USA mit ihrem FED-System, welches sich grundlegend von unserem Zentralbanksystem unterscheidet, gelungen, die EZB in ihr System zu "integrieren". Die Chefs dort sind "FED-Leute".

Die grosse Mehrheit der Bevölkerung kennt die Zusammenhänge nicht und weiss nicht, was ihr bevorsteht. Schon wieder lassen sich die Menschen in Europa gegeneinander aufhetzen, wärend eine elitäre Clique sich die Hände reibt.


Die EU erstickt an Steueroasen&Schwarzgeld - aber

sie hat es noch nicht begriffen.
Die griechischen Milliarden liegen in der Schweiz&Co!

Antworten Gast: Saiffenstayn
17.02.2012 16:37
1

Re: Die EU erstickt an Steueroasen&Schwarzgeld - aber

wie jeder Österreicher hat auch JEDER Grieche einige Milliarden Euro in der Schwiz, sollte es nicht so sein, frage ich mich warum die armen leute in GR jetz noch viel ärmer werden müssen, und was das den Gläubigern einschl. EZB bringt ????

Ist nicht auch die Schüssel-Mafia samt Bartenstein und Pater-Will-Molti stolz darauf gewesen, dass sich die Milliardäre in unseren "Stiftungen" eingeparkt haben und zugleich als Steuerzahler "stiften" gegangen sind.

Gast: selbstbedienungsladen
17.02.2012 14:21
1

die EZB ist ja nur die Hülle der nationalen Notenbanken

Die EZB hat keine Macht und kaum Kapital.

Wird sie überfordert und das wird sie ständig, müssen die nationalen Notenbanken und damit der EU Steuerzahler das nötige Kapital in die EZB einbringen.

Man glaubt immer noch, man kann sich irgendwie schmerzfrei herausschwindeln. Es wird aber keiner da sein, der die Rechnungen unseres überzogenen Wohlfahrtsstaates zahlt. Wir selbst werden es tun müssen und schön langsam ist es Zeit der Wahrheit ins Auge zu schauen.

Gast: Saiffenstayn
17.02.2012 13:41
1

??

wer verbietent der EZB und anderen Zentralbanken wirklich und wirksam,
den Staat / die Staaten zu finanzieren ....

und wer sanktioniert das, wan wie wo ???

Wer das Theater glaubt, wird zugleich zum OPFER !

Gast: Saiffenstayn
17.02.2012 13:38
0

was heißt da "rüsten" ??

Sie - die Banker - drucken (sinngemäß) ein paar Millionen Euro - Buchgld versteht sich - in einer einzigen Buchungszeile und schleudern sie den Banken in den gierigen Rachen .....

Und weiter geht das "böhse Spiel" ...

Irgendwann ereilt dann die "Riesen-INVLATION" die vielen kleinen amen Sparer und die sogenannte REAL-Wirtschaft ---
und bringt Hunger und Kälte, Elend und Not über die "arbeitende Bevölkerung",
und die Herren EXPERTEN erzählen tränenrührende Raubersgeschichten ....
und leben gut von den "Boni´s" die man zeitgerecht in sichere Anlegeformen investiert hat ....


Österreichische Schule der Nationalökonomie

"Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems."
- Ludwig von Mises

Die EU hat sich beim Euro für die Konkursverschleppung (spätere Katastrophe) entschieden. Mal schauen wie lange es den Euro noch gibt.

"Durch Kunstgriffe der Bank- und Währungspolitik kann man nur vorübergehende Scheinbesserung erzielen, die dann zu umso schwererer Katastrophe führen muss."
- Ludwig von Mises

Mises ist natürlich in der Politik nicht so populär wie Keynes, denn Mises sagt den Politikern eine unbequeme Wahrheit die sie nicht hören wollen, nämlich dass Konjunkturankurbelungen auf Schulden nicht funktionieren, weil sie zu einer Fehlallokation des Geldes (in unproduktiven staatlichen Verwaltungensaufblähungen) und zu einer Marktverzerrung führen. Letztlich scheitern sie immer und führen dann zu einer schweren Krise.

Re: Österreichische Schule der Nationalökonomie

Die Niederländer haben bereits reagiert. Sie gaben Staatsanleihen im Wert von 2 Milliarden DOLLAR (!) aus, was man auch als einen Vertrauensbruch dem Euro gegenüber sehen kann. Bleibt die Frage offen, wie Österreich in so einem Fall handeln würde. Weiterhin an den unsicheren Euro glauben oder umdenken. Die letzten Anleihen waren noch in Euro und die zukünftigen?

Antworten Antworten Gast: Hans im Glück
17.02.2012 23:32
0

Re: Re: Österreichische Schule der Nationalökonomie

Warum sollte man Anleihen in einer Währung begeben die nicht untergeht?

Anleihen in EUR sind für den Staat sinnvoll. Sie können jetzt mit dem Geld was anfangen. Später wird nach dem EUR-Crash kann man immer noch zu 100 tilgen. Dazwischen werden Welten liegen.

Ob der USD dabei auch das Zeitliche segnet ist nicht so sicher.

Antworten Antworten Gast: Bankottakis
17.02.2012 14:35
0

Re: Re: Österreichische Schule der Nationalökonomie

ob dabei die Flucht in den Dollar gescheit ist?

Gast: lalalalala
17.02.2012 11:54
1

EZB rüstet sich für Scheitern des Schuldenschnitts

alles ausgemachte sache grichenlang geht pleite und führt als erstes land ihre neue währung ein

dann folgt portogal.spanien.irland


Gast: 1. Parteiloser
17.02.2012 10:44
5

Jetzt macht sich der Nowotny in die Hosen, Muhahahaha!

Der sitzt doch alleine mit der OeNB auf Papieren im Nominalwert von über 2.000 Mio. Euro.

Bei einer korrekten Beurteilung dieser assets (Vermögenswerte) kann der doch keine brauchbare Bilanz mehr legen, das würde ja dann für OeNB wie ein Bankrott aussehen!

Die Eigenkapitalquote, schon bei lächerlichen 5% gelegen, die würde ja auf unter 3% absacken. Muss da der Steuerzahler wieder nachfüllen?

Antworten Gast: gast45
17.02.2012 14:35
0

Re: Jetzt macht sich der Nowotny in die Hosen, Muhahahaha!

.. wird halt jeder oenb mitarbeiter mit einem geldsammeldiensthut (ich würde weil es immerhin die OENB ist dunkelblauen samthut mit rotweisroten seidenhutband vorschlagen) ausgestattet ....

Muss da der Steuerzahler wieder nachfüllen?

Darauf können Sie ruhig wetten!

Denn unseren so genialen Politikern fällt doch nicht besseres ein als uns zur Ader zu lassen!

Ich höre schon die Beschwichtigungsversuche: "ohne EU wäre es uns viel schlechter ergangen!" Nur warum es uns dann schlechter gehen soll, hat mir noch keiner plausibel erklären können! Hier im Forum übrigens auch nicht!

 
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