Athen/Brüssel/Ag. Fieberhaft wird derzeit an allen Ecken daran gearbeitet, die Pleite Griechenlands und einen Austritt aus der Eurozone doch noch abzuwenden. Die Geduld der internationalen Geldgeber aber neigt sich dem Ende zu – besonders zwischen Berlin und Athen wurde der Ton in den vergangenen Tagen zunehmend rauer. Politiker aus dem Regierungslager von Union und FDP warfen den Verantwortlichen in Griechenland Unfähigkeit vor und plädierten für einen Rauswurf des hoch verschuldeten Landes aus der Eurozone.
CSU-Vorsitzender Horst Seehofer kündigte im „Spiegel“ gar ein Veto seiner Partei im Bundestag gegen das geplante zweite Rettungspaket für Griechenland an, sollte Athen keine konkreten Reformschritte ergreifen. Eine Alternative für die Griechen sei der Euroaustritt, sagte er. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler legte nach: Weder ein Schuldenschnitt noch der Rettungsschirm könnten verhindern, dass Griechenland in einer Abwärtsspirale versinke. „Die Griechen müssen raus aus dem Euro.“ Kritik an derlei Äußerungen kommt aus Frankreich: Ministerpräsident François Fillon bezeichnete die Debatte über die griechische Staatspleite als „völlig unverantwortlich“. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sehe das so, sagte Fillon – „auch wenn man in der Regierung manchmal andere Stimmen hört“. Fillon spielte auf Äußerungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble an, man könne nicht endlos Finanzhilfen „in ein Fass ohne Boden schütten“. Differenzen zwischen Merkel und Schäuble in der Sache wurden vonseiten der Regierungskreise heftig dementiert. Am Montag soll bei einem Treffen der Eurofinanzminister grünes Licht für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für Athen gegeben werden. Auch der Schuldenschnitt mit den Privatgläubigern, der 100 Milliarden Euro bringen soll, muss unter Dach und Fach gebracht werden. EZB-Beteiligung Seite 19
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2012)
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