20.05.2013 09:25 Merkliste 0

Hilfspaket: Athen setzt Sparbeschlüsse um

19.02.2012 | 09:28 |   (Die Presse)

Am Montag entscheiden die Eurofinanzminister über weitere 130 Milliarden für Griechenland. Die griechische Regierung verabschiedete eine Reihe von Gesetzesvorlagen zur Anwendung des von der EU verlangten Sparpakets.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

[athen/red./ag.] Und wieder ein „entscheidendes Treffen“ aufgrund der Griechenland-Krise: Am Montag wollen die Eurofinanzminister über die Freigabe eines neuerlichen Griechenland-Hilfspakets in Höhe von 130 Mrd. Euro entscheiden. Diese Freigabe ist auch Voraussetzung für die Einleitung des Schuldenschnitts mit privaten Gläubigern wie Banken und Versicherungen. Damit sollen Athens Schulden um rund 100 Mrd. Euro sinken.
Am Wochenende übten sich etliche Politiker in Optimismus. Von EU-Kommissarin Viviane Reding über Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble bis hin zu dessen österreichischer Kollegin Maria Fekter – sie alle gaben sich zuversichtlich, dass es am Montag zu einer Lösung kommen wird.

Tatsächlich waren am Wochenende in Athen alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, um Sparwillen zu demonstrieren: Am Samstag verabschiedete das Kabinett von Ministerpräsident Lukas Papademos in einer Sondersitzung eine Reihe von Gesetzesvorlagen zur Anwendung des von der EU verlangten Sparpakets.

3,3 Mrd.-Sparpaket für heuer

Demnach will Griechenland in diesem Jahr mehr als 3,3 Mrd. Euro einsparen. Dazu sollen unter anderem die Mindestlöhne und die Pensionen gekürzt werden. Nach den Beschlüssen der Regierung sollen bei den Pensionen die Beträge über 1300 Euro im Monat um zwölf Prozent gekürzt werden. Die Zusatzrenten sollen um zehn bis 20 Prozent verringert werden. Sie entsprechen rund 20 Prozent der Einkommen von Ruheständlern. „Die Rentenkürzungen waren nicht zu vermeiden“, sagte Papademos am Samstag. „Sie sind aber nicht so drastisch, wie es den Anschein haben mag.“
Auch das zunächst von Griechenland strikt abgelehnte Sperrkonto für einen Teil der griechischen Staatseinnahmen scheint nun doch zu kommen. Damit würde Griechenland – wie von den Deutschen gefordert – einen Teil seiner Budgetsouveränität abgeben. Mit dem Sperrkonto soll sichergestellt werden, dass das Land seinen Schuldendienst erfüllt und Einnahmen nicht für andere Dinge ausgibt.

Dafür soll Griechenland nach Angaben des Regierungschefs keinen Sparkommissar erhalten, der über die Einhaltung der Beschlüsse wacht. „Darüber wird nicht diskutiert“, sagte Papademos. Es gebe bereits Mechanismen zur Überwachung der Einhaltung von Sparzusagen.

3000 Griechen demonstrieren

In der griechischen Bevölkerung liegen jedenfalls die Nerven blank. Am Sonntag folgten laut Rundfunkberichten rund 3000 Menschen einem Aufruf der Gewerkschaften zu einer Kundgebung im Zentrum Athens.
„Die Sparbeschlüsse bedeuten eine Provokation für die Arbeiter, die Arbeitslosen und die Pensionisten“, betonte dort der Vorsitzende des griechischen Gewerkschaftsverbandes, Jannis Panagopoulos. „Die Löhne und Pensionen werden gekürzt, die Rechte der Arbeitnehmer werden beschnitten, und es wird gegen die Tarifverträge und gegen die Verfassung verstoßen.“
Der Ökonom Hans-Werner Sinn empfahl Griechenland am Wochenende, im eigenen Interesse die Eurozone zu verlassen. Wenn Griechenland zugemutet werde, durch ein Sparprogramm die Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen, zerbreche das Land, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

130 Mrd. als Austrittshilfe?

Wer wirklich helfen wolle, sollte Griechenland die geplanten 130 Mrd. Euro des zweiten Hilfspakets als „Austrittshilfe“ geben. Denn nur die Rückkehr Griechenlands zur Drachme erlaube die Abwertung und erleichtere es damit den griechischen Unternehmen, konkurrenzfähig zu werden, sagte Sinn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

37 Kommentare
 
1 2
Gast: ralph giordano bruno
19.02.2012 12:12
3 1

deutschland hat vor 22 jahren dieselbe anstrengung unternommen

mit der ehemaligen DDR - viele versprechen ("blühende landschaften) von bk Kohl, erfolge nach 22 jahren - so gut wie keine. auch in GR wird sich die situation auf diese art & weise nicht ändern.

nur der bankrott (siehe Argentinien, Russland) wird eine verbesserung bringen

wenn der Präsedenzfall Greichenland erst

mal durch ist und der ESM so richtig in Aktion kommt um die grösseren Länder durchzufinanzieren, wird es bei uns auch nicht mehr lange dauern bis es richtig ans Eingemachte geht!

Gast: perikles d.j.
19.02.2012 11:46
3 0

Das habt ihr euch alles selbst zu verdanken!

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht - und wenn er auch die Wahrheit spricht, ja, so ungerecht ist das Leben, liebe Griechen!

Antworten Gast: Halbwissen
19.02.2012 12:10
0 1

Re: Das habt ihr euch alles selbst zu verdanken!

Zu wem sprechen Sie ?

Zum Kapitain, dem Lügner, der das Schiff als Milliadär verlassen hat oder zu den Passsagieren die mit dem Kahn untergehen ?

Getrickst wird weiterhin!

Diesmal tricksen die Eurostaaten. Weil man am Montag den Griechen das Geld freigeben wird, versuchen sie vorab mit Falschmeldungen die Bürger zu besaenftigen!
Griechenland kann nur gerettet werden, wenn die Schulden von anderen übernommen wird! Nach wirtschtschaftlichen Berechnungen ist eine Rettung nicht möglich!

Der Schärdinger

Umgesetzt ist gar nichts. Es wurden Absichtserklärungen abgegeben, sonst nichts.
Jeder der eins und eins zusammenzählen kann, wird erkennen, wenn Schulden im Ausmaß von 360 Milliarden oder mehr vorhanden sind, jetzt 300 Millionen eingespart werden, (sollen werden), 100 Milliarden nachgelassen werden durch Schuldenschnitt, dass das Land dann nur einwenig weniger Pleite ist.
Jedes weitere Geschreibsel erübrigt sich!!!

Antworten Gast: DI
19.02.2012 11:00
2 0

Re: Der Schärdinger

Ist ja nicht das erste Mal.


Re: Was solls bringen, Sinn erklärt es warum!

Man muss nicht wettbewerbsfähig sein, um ein ausgeglichenes Budget zu haben.

Wer weniger einnimmt, darf halt einfach weniger ausgeben. Das reicht schon.

0 0

Re: Re: Was solls bringen, Sinn erklärt es warum!

solange in Brüssel aber lebensferne Komissare sitzen welche zudem (zugekaufte) Berater brauchen und entscheiden dürfen wie die Welt zu funktionieren hat, solange werden derartige Spannungen nicht nur bestehen, sondern sogar vermehrt auftreten.

Darauf hätten sämtliche Länder (auch wir) wohl gerne verzichtet, hätten sie zuvor gewusst was auf sie zukommt.

Heute erklärt man allen Ländern die Falschmeldung, dass es ohne dieser Eurokratur nicht mehr gehen kann, und sehr viele Bürger glauben das sogar noch ?

Re: Re: Re: Was solls bringen, Sinn erklärt es warum!

Ich geniesse es sehr, einfach mal so nach Italien zu fahren, ohne Wartezeiten an der Grenze.

Und dazu noch ohne Geld umzuwechseln und rückzuwechseln.

So viel, wie mir das an Zeit und Spesen spart, zusammen mit den weggefallenen Bankomatspesen im Ausland, kann mir die Griechen-Rettung anteilsmässig nicht mal kosten.

Re: Re: Was solls bringen, Sinn erklärt es warum!

Ausserdem ist Wettbewerb zwischen Staaten absurd.

Erst versuche ich, dem anderen davonzuschwimmen, um dann zurückzuschwimmen, um ihm zu helfen.

 
1 2

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...