Österreich dürfte erst in vier bis fünf Jahren wieder sein bei der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Jänner verlorenes Triple-A zurückgewinnen. So lange dürfte sich die Ratingagentur schon alleine deswegen Zeit lassen, um nicht ihr Gesicht zu verlieren. Bedingung für eine Rückgewinnung wäre aber auch, dass die Staatsschuldenquote unter 90 Prozent liegt und die Republik resistent gegen Schocks ist, die vor allem aus dem osteuropäischen Bankensystem oder aus der konjunkturellen Entwicklung kommen könnten, sagte der Chefökonom der deutschen Dekabank, Ulrich Kater, am Mittwoch in Wien.
Italien mit geringster Staatsverschuldung
Generell sieht Kater bei der Bonitätsbewertung von Volkswirtschaften die langfristigen Belastungen zu wenig berücksichtigt, die etwa aus dem Pensions-, Pflege- oder Gesundheitssystem erwachsen werden. Inklusive dieser impliziten Staatsschulden würde die Schuldenquote für Österreich bei 297,7 Prozent liegen. Österreich läge unter den zwölf Eurogründungsländern damit an guter vierter Stelle. Die Schlusslichter Luxemburg, Griechenland und Irland kämen demnach schon auf 1000 bis 1500 Prozent. Vor Österreich würden nur Finnland mit 195,2 Prozent, Deutschland mit 192,6 Prozent sowie - mit der geringsten nachhaltigen Verschuldung - Italien mit nur 146 Prozent liegen. Italien profitiere von der Rentenreform. Kater berief sich dabei auf eine aktuelle Studie der deutschen Stiftung Marktwirtschaft.
Die Zukunft der Währungsunion werde sich in Spanien und Italien entscheiden. Griechenland und Portugal seien Sonderfälle, die noch subventioniert werden könnten, bei Spanien oder Italien wäre dies aber nicht mehr möglich. "Wenn Italien es schafft, dann ist der Euro durch", sagte Kater "Dann hat man es dem Markt gezeigt." Sichtbare Erfolge seien frühestens in ein bis zwei Jahren zu erwarten.
Angelsächsische Anleger könnten es nicht verstehen, dass der Euro kein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt sei. Und dieser politische Wille, der auch von der Mehrheit der Wahlbürger mitgetragen werde, sei unterschätzt worden. Deshalb seien bisher auch alle Prognosen, die Eurozone werde demnächst auseinanderfallen, nicht eingetroffen.
Kater: Entschuldung nicht über Inflation
Kater geht nicht davon aus, dass es in der Eurozone zu einer Entschuldungsstrategie über Inflation kommen wird. Stattdessen geht er auch für die Zukunft von stark schwankenden, risikoreichen Märkte aus. Für Anleger werde daher die Risikokontrolle "sehr, sehr wichtig" werden. Kater empfiehlt in diesem Zusammenhang "eng an der Wirtschaft zu investieren", zum Beispiel in Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Unternehmensanleihen. Daneben sollten "Regulierungen" beachtet werden. Insgesamt sei man durch die Krise mehr zur Realität zurückgekommen.
(APA)
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