Die Abschwächung der Wirtschaft in Europa schlägt sich voll in der am Donnerstag von EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentierten Zwischenprognose der Konjunktur für das laufende Jahr nieder. Rehn spricht von einer "milden Rezession". Die EU-Kommission geht für die Euro-Zone von einem Minuswachstum von 0,3 Prozent für 2012 aus, in der Herbstprognose vergangenen Jahres war noch ein Anstieg von 0,5 Prozent vorausgesagt worden.
Für die gesamte EU-27 prophezeit die Kommission einen Stillstand. Statt des im Herbst angenommenen Plus von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bleibt die Lage nun unverändert. Für Österreich geht der Zwischenbericht - der üblicherweise nur für die sieben größten Volkswirtschaften der EU ausgewiesen wird, angesichts der schlechteren Wirtschaftsdaten aber kurzfristig auf alle 27 EU-Länder ausgedehnt wurde - von einem Wachstum von lediglich 0,7 Prozent für das laufende Jahr aus. In der Herbstprognose waren es noch 0,9 Prozent gewesen.
Die Inflation in der Eurozone wird im laufenden Jahr bei 2,3 Prozent erwartet. In der Zwischenprognose wird für alle 27 Staaten der Europäischen Union ein Wert von 2,1 Prozent vorausgesagt. Österreich liegt mit 2,4 Prozent knapp über dem Euro-Durchschnitt.
"Zeichen der Stabilisierung"
Rehn erklärte, obwohl das Wirtschaftswachstum zum Stillstand gekommen sei, "sehen wir Zeichen der Stabilisierung in der europäischen Wirtschaft". Die Wirtschaftsaussichten seien weiterhin auf einem niedrigen Stand, aber es gebe Erleichterung in den Finanzmärkten. Mit entschiedenen Aktionen "können wir den Umschwung schaffen und von Stabilisierung zu Wachstum und Beschäftigung gelangen".
Österreich ist bei der Vorschau auf das Wirtschaftswachstum 2012 unter den 27 EU-Staaten bei der jüngsten Prognose der Kommission mit einem Plus von 0,7 Prozent an elfter Stelle. Allerdings hat sich der Wert gegenüber der Herbstprognose 2011 für das laufende Jahr von 0,9 Prozent diesmal leicht verschlechtert. Das stärkste Wachstum weist nach der Zwischenprognose Polen mit 2,5 Prozent auf. Schlusslicht ist Griechenland, für das ein Einbruch von 4,4 Prozent vorausgesagt wird.
Prognose in allen Ländern revidiert
In praktisch allen 27 EU-Ländern wurde die Prognose nach unten revidiert. Gleich bleib sie in Polen und Großbritannien. Wurden in der EU-Herbstprognose noch 24 Ländern ein positives Wachstum vorausgesagt, einem keine Veränderung und nur zwei ein Minuswachstum, verschlechterte sich die Lage nun zusehends. Die Zwischenkonjunkturprognose prophezeit nur mehr für 17 EU-Länder ein Plus, eines bleibt unverändert, und für neun wird ein Minus vorausgesagt. Dabei befinden sich gleich fünf Nicht-Euro-Länder - Polen, Litauen, Lettland, Rumänein und Bulgarien - an der Spitze des Wachstums. Estland und die Slowakei als erste Euro-Länder kommen erst an sechster und siebenter Stelle. Österreich belegt innerhalb der Eurozone hinter Estland, der Slowakei, Malta und Finnland Rang fünf.
(APA)
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