Athen will Schulden­schnitt von 53,5 Prozent

24.02.2012 | 21:31 |   (DiePresse.com)

Der Schuldenschnitt soll die griechische Schuldenlast um 107 Milliarden Euro verringern. Bei zu niedriger Beteiligung, können die privaten Gläubiger zum Forderungsverzicht gezwungen werden.

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Die griechische Regierung hat am Freitag Banken und anderen privaten Finanzhäusern das offizielle Angebot zum Schuldenschnitt unterbreitet. Das entsprechende zehnseitige Dokument wurde vom Ministerrat gebilligt und am Abend auf einer Internetseite des Athener Finanzministeriums in englischer Sprache veröffentlicht.

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Das Umschuldungsprogramm läuft bis 2042. Die neuen Anleihen sollen bis 2015 einen Zinssatz von 2 Prozent haben. Danach soll der Zinssatz stufenweise steigen - bis 2020 auf 3,0 Prozent, 2021 3,65 und danach 4,3 Prozent. Verzicht und veränderte Konditionen summieren sich nach Berechnungen von Experten auf einen Verlust von mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen. Das Angebot sieht vor, dass die privaten Gläubiger auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig ausfallen sollte.

Der Schuldenschnitt soll die griechische Schuldenlast um 107 Milliarden Euro verringern. Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Die neuen Anleihen sollen einen Zinsbonus erhalten, sollte die griechische Wirtschaft in den nächsten Jahren wachsen. Die Höhe wird von der Wachstumsrate abhängig sein. Für die neuen Anleihen wird englisches Recht gelten. Damit soll Griechenland die Möglichkeit genommen werden, einen erneuten Schuldenschnitt zu fordern.

Vorübergehende Pleite-Erklärung?

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ratingagenturen Griechenland nach Durchführung des Schuldenerlasses vorrübergehend für pleite erklären - obwohl die Maßnahme zusammen mit dem zweiten Rettungspaket der internationalen Geldgeber das Land ja gerade vor dem Bankrott retten soll. Allerdings wäre die Herabstufung der Ratingagenturen technisch bedingt: Ein Schuldenschnitt bedeutet eben auch, dass ein Land seine Schulden nicht bedienen kann und damit de facto insolvent ist. Gefährlich wäre ein Staatsbankrott allerdings erst dann, wenn Athen keine weitere Unterstützung erhält und tatsächlich seine laufenden Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, also zum Beispiel auch keine Renten oder Gehälter im öffentlichen Dienst.

Dem Fahrplan des griechischen Finanzministeriums nach soll nun bis zum 9. März gezählt werden, welche Banken und Halter von Anleihen sich im sogenannten Buch der Willigen für den Schuldenschnitt eintragen werden. Sollten die angepeilten 107 Mrd. Euro nicht erreicht werden, dann soll der Schuldenschnittzwang (CAC) in Kraft treten.

(Ag.)

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7 Kommentare

Was

Athen nicht alles will. Will Athen seinen Bürgern nicht einmal begreiflich machen, dass es um ihre Existenz und nicht der anderen Euroländer geht? Ich laß auch lieber die anderen für mich arbeiten. Nur leider finden sich keine Wahnsinnigen, die das für mich tun. Also, liebe Griechen, Ärmel aufstricken und selbst einmal was für das eigene Land tun.

Gegen alle Rechtsprinzipien

Die nachträgliche, durch den Gläubiger einseitig eingefügte Collective Action Clause in seit Jahren auf dem Markt befindliche Anleihen widerspricht dem für Europas Kultur grundlegenden Prinzip von TREU UND GLAUBEN.
Ebenso widerspricht die Bevorzugung der EZB und anderer Notenbanken beim Umtausch von GR-Anleihen dem für Europas Rechtskultur grundlegenden Prinzip der NICHTDISKRIMINIERUNG.
Zum Dritten muss ein Zwangsumtausch als Form einer EENTEIGNUNG angesehen werden, welches gegen das Grundrecht auf Eigentum verstößt. Entweder bezahlt GR seine Schulden oder es erklärt Konkurs. Ein Hinwegschwindeln über diese beiden Alternativen ist nicht möglich.
Zweifellos wird die GR-Vorgangsweise juristische Nachspiele haben, die wohl erst vor dem Europäischen Geriohtshof für Menschenrechte enden. Bedauerlich ist, dass die Regierungen der Euro-Zone dem BETRUG an den Anleihegläubigern auch noch VORSCHUB leisten.
Ökonomisch wird diese moralisch wie juristisch inakzeptable Vorgangsweise infolge VERTRAUENSVERLUST zu schweren Beeinträchtigungen auf dem Anleihesektor führen.

Gast: WFL
25.02.2012 10:59
0

90%

Am Ende wird es ein Schuldenschnitt von 90% werden.
Wie sagte man früher?
Wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren.


Gast: DI
25.02.2012 10:10
1

Ein Athener Schreiberling:

Ein Grieche lebt zweimal über seine Verhältnisse und verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann. Nikos Dimou


Gast: isdafix
25.02.2012 09:10
0

Anleihe

nachträglich die bedingungen zu ändern - eine tolle geschichte. so viel zum thema rechtssicherheit bei verträgen.....
ich war immer auf der seite der griechen, ich glaube auch, dass wir helfen müssen. aber die derzeitigen drohungen - das geht etwas zu weit. naja, vielleicht findet sich ein prozessfinanzierer, der die interessen der gläubiger vertritt! auch bei einem staat sollte was zu pfänden sein....

das probier ich bei meiner Bank auch!


ja, jeder Euro ist gut angelegt...............


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