G20 fordern von Europa mehr Geld für Kampf gegen Krise

27.02.2012 | 06:39 |   (DiePresse.com)

Eine Entscheidung Europas zur Erhöhung seines ESM-Schutzschirms sei "essenziell". Eine Schlüsselrolle spielt Deutschland.

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Die 20 führenden Industrie- und Entwicklungsländer tun sich schwer, einen gemeinsamen Weg für ein umfassendes Hilfskonzept gegen eine Ausweitung der europäischen Staatsschuldenkrise zu finden. Unklar blieb nach dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am Wochenende in Ciudad de Mexico ob die Europäer ihre Hilfsfonds zur Lösung der Krise kräftig aufstocken. Damit würden sie die Voraussetzungen für zusätzliche Milliardenhilfen ihrer internationalen Partner über den IWF schaffen.

Mit widerstreitenden Äußerungen sorgte dabei die deutsche Regierung für Irritationen, die bisher Widerstand gegen eine Stärkung der europäischen Hilfsinstrumente leistet. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, eine Entscheidung der Europäer werde bis Ende März fallen. Dann könnte im April beim Internationalen Währungsfonds (IWF) über weitere Hilfsgelder befunden werden.

Kommt es zu der von vielen G20-Ländern in und außerhalb Europas geforderten Mittelaufstockung beim neuen europäischen Hilfsinstrument ESM und als Folge auch einer Erhöhung der Kreditkapazitäten beim IWF, könnte ein riesiges Abwehrpaket im Gesamtumfang von knapp zwei Billionen Dollar (1491 Mrd. Euro) entstehen. Ob es allerdings dazu kommt, steht auch nach dem G20-Treffen in den Sternen. Eine Schlüsselrolle spielt Deutschland. Zwar signalisierte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble die Möglichkeit, dass die Überprüfung des ESM-Volumens im März eine Erhöhung der bisher auf 500 Milliarden Euro angesetzten Obergrenze ergeben könnte. Wenig später verlautete aber aus dem Umfeld von Kanzlerin Angela Merkel, an der deutschen Position habe sich nichts geändert. Derzeit sehe man keinen Anlass für eine Aufstockung. Das sorgte auf der G20-Konferenz für Irritationen.

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Erhöhung des ESM-Schutzschirms "essenziell"

Im G-20-Kommunique hieß es, eine Entscheidung Europas zur Erhöhung seines ESM-Schutzschirms sei "essenziell". Nur dann würden Partnerländer wie China und Japan dem IWF über bilaterale Kredite neue Gelder in dreistelliger Milliardenhöhe verschaffen. Damit könnte der Fonds dann die Krisenbewältigung in Europa noch umfangreicher unterstützen als es ohnehin schon getan wird. Die Deutschen hatten versucht, dieses Wort "essenziell" durch das Wort "wichtig" zu ersetzen, um den Zusammenhang zwischen beiden Punkten weniger hervorzuheben.

Außerhalb der Eurozone gebe es einen Konsens, dass die Europäer ihre "Brandschutzmauer" gegen ein Übergreifen der Krise auf andere Länder verstärken müssten, sagte ein Delegationsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Unter anderem betonte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega im Namen der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), die Schwellenländer würden die Euro-Staaten nur unter der Bedingung unterstützen, dass diese den Krisenfonds aufstocken und ihn mehr als bisher einsetzen. Auch US-Außenminister Timothy Geithner forderte eine "starke und glaubhafte Brandschutzmauer".

Sollten die Europäer bis Ende März über eine Erhöhung des ESM - im Gespräch ist eine Aufstockung auf 750 Milliarden Euro - entscheiden, wäre der Weg frei für den zweiten Teil der Hilfsmission. Die IWF-Frühjahrstagung findet im April statt. Viele G-20-Länder wie die USA und Kanada aber auch Großbritannien fordern von den Euro-Staaten ein klares Zeichen, dass sie mehr zur Krisenlösung beitragen. "Wir sind darauf vorbereitet, eine Mittelerhöhung beim IWF zu erwägen, aber dann nur, wenn wir die Farbe von Eurozonen-Banknoten sehen, und das ist noch nicht der Fall", sagte der britische Finanzminister George Osborne einem Fernsehsender.

Nach den sich widersprechenden Äußerungen von Schäuble und Merkel zur Frage einer ESM-Aufstockung gehen Vertreter mehrerer G-20-Länder davon aus, dass Deutschland weiterhin auf der Bremse bleiben will und damit das ganze große internationale Hilfspaket notfalls verhindert. Allerdings beharrten Vertreter einiger Schwellenländer darauf, sie hätten Signale für mehr Offenheit Deutschlands in dieser Frage empfangen. Auch in Europa stoßen die Deutschen mit ihrer Haltung auf Kritik. So tritt etwa Österreich seit längerem für eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirm auf 750 Milliarden Euro ein.

Ansonsten erhielten die Europäer viel Lob auf dem G-20-Treffen für ihre Anstrengungen, mit institutionellen Reformen, mehr Koordination und Verbindlichkeit den Weg aus der Krise zu finden. Das wurde auch im Kommunique der Staatengruppe deutlich. US-Finanzminister Timothy Geithner sagte, Europa sei einen langen Weg gegangen, um die Grundlage für mehr Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Krise zu legen. Geithner mahnte die Europäer aber auch: "Es ist wichtig, sich auf diesen Fortschritten nicht auszuruhen." Noch fuße ein großer Teil des Fortschrittes auf Erwartungen, die erst noch erfüllt werden müssten.

(Ag.)

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16 Kommentare
Gast: Reflector
27.02.2012 18:14
0

Ben, Draghi und Co

ran an die Tasten und 12 Nullen mit einem Zweier davor und einem € Zeichen dahinter eintippseln.

Geht auf die Draghis Rechnung, sprich seinen Leibeigenen die für diesen grandiosen Job ihr ganzes Leben lang zu schuften haben.

Und schon ist's aufgestockt - Viva Mexico!

G20 fordern von Europa mehr Geld für Kampf gegen Krise

Essentiell ist, dass wir kleines Land endlich diesem Unsinn namens Union die Stirn bieten und aussteigen wollen; allein schon um unser Volk vor dem Untergang der wohl kommen wird, zu bewahren !

Mal sehen wie wir nach ein par wenigen Jahren der Bestrafung (wie in Ungarn Fördergeldverminderung) dann hofiert werden würden, hätten wir doch endlich Politiker welche diesen Namen auch verdienen !!!

So zentral wie wir Ösis könnten uns weit mehr zum Fenster hinauslehnen als viele andere, tun es aber wegen seltsamster Erfüllunggehilfen (weche sich halt ein warmes Platzerl in Brüssel erhoffen), weiterhin nicht !

Deutschland wird wohl bremsen MÜSSEN um nicht ansonst selbst unter die Räder zu kommen, und uns gleich mitzureissen !

WEM hilft denn diese Union wirklich ?!

Gast: Heike Schneider
27.02.2012 14:39
1

Aufstocken

Wovon soll denn bitte schön aufgestockt werden?
Aufgestocktes Kindergeld, aufgestockte Hartz IV- Empfänger, aufgestockte Renten - aufgestockt -aufgestockt aufgestockt.
Monopoly als Spiel ist etwas Anderes als die Realität.
Ihr hättet uns nach der Wende erstmal 20 Jahre Wirtschaft erklären müssen, bevor Ihr mehr erwartet.
Ich wünschte Ihr hättet in der DDR gelebt.
Und Wirtschafts, Immobilien -und Bankenkriminalitität haben wir schon genug.
Wir können Euro drucken.
Spielgeld für eine riesige Menge erwachsene Kinder als Politiker! Wir blockieren weil kein Geld da ist!! Außerdem, wo sind die ganzen angeblich wichtigen Finanzleute die nicht aus Schwellenländern kommen??? Wir wollen ehrlich wirtschaften - Euere Zockerei und Kriminalität ist lächerlich.
Wir sind inzwischen zu klug um Eueren Konsumirrwitz nicht zu durchschauen! Zahlt erst mal selbst alle Steuern und werdet ehrlich, dann könnt Ihr nachdem Ihr uns nach der Wende nur abgezockt habt mal wieder etwas zurückerwarten. Das Geld was nach Brüssel floß wurde veruntreut, vollkommen falsch eingesetzt, in Ländern investiert die gar nicht zu europa gehören!!! Und Leute die kein Geld haben können eben nicht an Euerem Monoploy teilnehmen.
Außerdem halten wir Deutschen es noch mit Qulität, wenn meisten in der Erinnerung, denn der produzierte Ramsch wird immer Schlimmer! Wir wollten nicht den KICK, heruntergekommene Klamotten wie vom Flohmarkt billig neu kaufen.

Gast: iona
27.02.2012 13:32
0

die ghörn doch alle miteinand ins gefängnis.


müssen wir das wirklich selber in die hand nehmen?
ich hab gedacht wir haben leute die für das recht zuständig sind.

Gast: Wutbuerger
27.02.2012 13:09
1

Es wird Zeit.....!!!!!!!

Es werden immer mehr Parallelen zum Ende der Weimarer Republik deutlich und ich kann nur hoffen, dass sich die daraus entwickelte Geschichte nicht wieder holt. Die Politiker- und Bänksterkaste hat den Bezug zur Realität schon lange verloren und handelt gegen die Bevölkerung. Die Vorbereitung und Vorführung des Opferlahmes hat begonnen. Nachdem die heutige Generation sich nicht mehr vor den Kriegsschuldkarren spannen lässt, wird jetzt der Weltrezessions- und Europauntergangskarren gebaut. Ich kann nur hoffen, dass wir bald einen europäischen Frühling haben werden!!! Wir brauchen keine Europa- oder Weltregierung sondern Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Wir feiern die arabische Welt für Ihren Freiheitskampf und bemerken nicht, dass unsere Freiheit jeden Tag ein bisschen verschwindet.
„Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“ Marie von Ebner-Eschenbach
„Freiheit ist ein Kaugummibegriff geworden - an jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter.“ Oskar Kokoschka

...deswegen sollten man...

...niemals konsumschulden haben, um nur ja nicht in eine abhängigkeit zu kommen, aus deren umklammerung wir uns nicht mehr befreien können....

"Geboren um frei zu sein"

Quelle: http://diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com/2011/12/12-geboren-um-frei-zu-sein.html

und das sollten wir uns niemals freiwillig oder unfreiwillig wegnehmen lassen...


Gast: freund?
27.02.2012 11:58
4

noch mehr transfer????



NEIN zur ÄÄUU, NEIN zum teuro, NEIN zur sanierung anderer, fremder, länder !

Die EU ist in Geiselhaft....


...IWF erpresst EU ESM aufzustocken

...USA (Geithner) erpresst EU die Notenpresse anzuwerfen

....G20 erpresst EU Brandschutzmauer zu erhöhen

....Draghi erpresst die EU Sozialstaat abzubauen

....und die Griechen haben´s gezeigt, wie sich diese EU über Jahre hinweg erpressen lässt.

Das Politbüro der EUdSSR (EU-Kommision) hat bereits das "Stockholm-Syndrom"

Antworten Gast: Geheimrat
27.02.2012 11:44
2

Re: Die EU ist in Geiselhaft....

Auf Leute die - Gott sei Dank - keine Politiker sind und etwas von ihrem Fach verstehen hat man nie gehört.....

http://www.finanzen.net/nachricht/devisen/Euro-Kritiker-Hankel-Der-Kampf-um-den-Euro-ist-verloren-1679761

Gast: 1. Parteiloser
27.02.2012 09:12
2

Der ESM soll noch mehr Schulden ermöglichen!

Es sind dann noch mehr Schulden, welche in die Monster Staatsunwesen und Finanzunwesen fließen und dort einfach verbrannt werden ohne einen Nutzen für die Gesellschaft zu haben.

Es sind dann noch mehr Schulden, ausgehend von 10.000 Mrd. Euro in der Eurozone, für welche dann Zinsen fällig werden. Die Bürger Europas brennen ja 2012 schon um die 500 Mrd. Euro an Zinsen und das soll offensichtlich optimiert werden. Verwendet werden dazu nur noch Buchwerte, welche zu verzinsen sind. Es sind 500 Mrd. Euro welche den Bürger mit Zwangsabgaben abgepresst werden müssen. Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder und immer wieder.

Die strukturellen Disbalancen zwischen Realwirtschaft - Finanzwirtschaft und der Staatwirtschaft sind doch heute schon irre und bedürfen einer Korrektur und nicht einer Verschärfung.

Es geht doch nur darum das Finanzwesen wieder in den Dienst der Gesellschaft zu stellen und endliche die Staatsfinanzen so zu gestalten, dass es einer reifen und freien Gesellschaft entspricht.

Die Monster Staatsunwesen und Finanzunwesen werden mit den geforderten Billionen noch größer werden, also noch mehr Nahrung aus der Realwirtschaft ziehen müssen. Das wird aber auch noch geringere Einkommen in der Realwirtschaft bedeuten müssen.

Dieses Schuldenmachen hatte schon Massenarmut zur Folge (siehe Armutsberichte) und die Vorhaben werden noch viel mehr Menschen in die Armut stoßen.

Die verlorene Generation

Oder werden es sogar Generationen sein?

Überall auf der Welt wird fast nur mehr darüber nachgedacht, wie kann man noch mehr Kredite erzeugen, um alte Schulden zu bedienen.

Dieses gigantische Pyramidenspiel läuft dem Ende zu.

Die Währungen werden von den offiziellen Geldfälschern massiv entwertet.
Noch denkt der normale Bürger, dass sein zukünftiges Gehalt oder die Pension noch eine Kaufkraft hätte. Doch man sollte sich lieber nicht mehr darauf verlassen.

Die hohe Zeitpräferenz (hoher Konsum in der Gegenwart) der vergangenen Generation, die über immer weiter fallende Zinsen unterstützt wurde, wird einer niedrigen Zeitpräferenz weichen müssen. Das ist ein Prozess, der länger dauern wird.

wenn den zockern

das geld ausgeht, holen sie sich halt neues spielgeld.
beim monopoly ist das nicht so schlimm, da schadet man niemandem wirklich.

bei denen zahlen aber die steuerzahler die "spekulationsgebühr" der bankster und zocker.

vieleicht sollte man einfach "hangman" mit DENEN spielen, damit sie den unterschied zwischen spiel und realität wieder erkennen.

Gast: road
27.02.2012 08:34
2

Versaill 2

Die wollen die dummen Deutschen ausnehmen, wie eine Weihnachtsgans, bis uns nichts mehr bleibt.
Am Ende wird Deutschland eirfrt gelyncht und ist an allem Schulf.
Von Anfang an ist die EU eine ,erlogene missratene EU-Politik und wird scgeitern.
NUr schade, dass keiner von den Politikern zur Kasse gebeten wird.

Gast: ara
27.02.2012 07:23
0

es wäre einfacher

wenn sich die banken gleich direkt bei den konten und spareinlagen bedienen würden.
aber dann können nicht so viele bei dem raubzug mitschneiden.

interessant daß sie jetzt die rettungsschirme mit brandmauern aufstocken.
bin gespannt was ihnen als nächstes einfällt.
vielleicht raketenabwehrschilde. oder gleich atombombengegenschläge.

Antworten Gast: EFF EFF
27.02.2012 09:35
0

Die Brandschutzmauer passt auf den ersten Blick überhaupt nicht ins Bild.

Im Moment habe ich ein Bild eines virusverseuchten, dehydrierten Marathonläufers, der von der isolierten Intensivstation eines Krankenhauses zu seiner Genesung in eine Feuerbrunst geschickt wurde und durch Maschinengewehr- und Bazookafeuer ein unbekanntes Ziel am Boden eines nicht näher definierten Abgrundes erreichen soll.
Wüsste ich jetzt nicht, wo ich die Brandschutzmauer platzieren sollte, hätte Herr Gauck wirklich recht, wenn er behauptet, das Volk ist einfach zu blöd um Politik zu verstehen. Stimmt aber nicht.

Die Mutter aller Brandschutzmauern ist eine Anspielung auf die "Mutter aller Bomben" (MOAB), die bislang stärkste konventionelle Bombe wiederum in Anlehnung an die "Mutter aller Schlachten" - eines Begriffs den Saddam Hussein 1990 im Iran/Irak Krieg prägte. So gesehen ist die Brandschutzmauer gar keine Mauer, sondern ein Kriegsgebiet.

Gast: EFF EFF
27.02.2012 07:22
0

Wunder des Fortschritts

Wenn Osborne Euroscheine sehen will, sollte er seinen Computer einschalten und googeln.

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