EZB akzeptiert Griechen-Bonds nicht mehr als Sicherheit

Die Kreditwürdigkeit Griechenlands wurde durch die Ratingagentur Standard & Poor's erneut herabgestuft.

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EZB – (c) dapd (Thomas Lohnes)

Die Europäischen Zentralbank (EZB) akzeptiert griechische Staatsanleihen nach deren erneuter Herabstufung durch die Ratingagentur S&P vorerst nicht mehr als Sicherheiten für Kredite an Banken. Dies teilte der EZB-Rat am Dienstag in Frankfurt mit. Die Versorgung der Banken mit frischem Geld könne über Notkredite durch nationale Notenbanken sichergestellt werden. S&P hatte Griechenland zuvor auf "teilweise zahlungsunfähig" herabgestuft und dies mit dem von der Regierung eingeleiteten Schuldenschnitt begründet.

Für Experten kommt der Schritt der EZB nicht überraschend. "Das ist die logische Konsequenz aus dem Schuldenschnitt und der erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands", sagte Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Die EZB dürfe nach ihren Statuten nur Staatsanleihen als Sicherheit für Kredite akzeptieren, die mindestens ein "CCC"-Rating haben. Dieses kann Griechenland wieder erhalten, wenn der Anleihetausch erfolgreich über die Bühne gegangen ist, stellte S&P in Aussicht.

Entscheidung über Kreditausfallversicherungen

Da die griechischen Banken der größte Gläubiger ihres hoch verschuldeten Staates sind, sind sie von der Entscheidung der EZB am stärksten betroffen. Sie erhalten von anderen Banken kaum noch Geld und konnten diese Liquiditätslücke bisher über die EZB schließen. Von ihr bekamen sie frisches Geld, wenn sie griechische Staatsanleihen als Sicherheit hinterlegten. Da diese Quelle nun zumindest vorübergehend versiegt ist, bleibt den Banken noch eine Möglichkeit: Sie können sich über ihre nationale Notenbank Geld leihen. "Sie macht das dann auf eigene Rechnung", sagte Schubert. "Bei Verlusten haften andere Notenbanken wie etwa die Bundesbank nicht mit."

Der Derivate-Verband Isda wird entscheiden, ob es beim Schuldenschnitt in Griechenland zu einem sogenannten Kreditereignis kommt. Ein Käufer oder Verkäufer von Kreditausfallversicherungen (CDS) habe sie gebeten, diese Entscheidung vorzunehmen, teilte die internationale Vereinigung mit. Sollte die Isda der Meinung sein, dass bei dem Schuldentausch ein "Kreditereignis" vorliege, könnte dies zu einer Auszahlung von ausstehenden griechischen Kreditausfallversicherungen führen. Dies könnte nach Ansicht von Experten - wie nach der Lehman-Pleite 2008 erlebt - unvorhersehbare Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten auslösen.

Die Regierung hatte den Privatgläubigern am Freitag das Angebot für den Rekord-Schuldenschnitt vorgelegt. Es ist ein zentrales Element des zweiten 130 Mrd. Euro schweren Rettungspakets, dass Banken, Versicherungen und Hedgefonds auf insgesamt 100 Mrd. Euro ihrer Forderungen verzichten. Die verbliebenen Staatsanleihen sollen freiwillig eingetauscht werden in neue Papiere, für deren Rendite die Eurostaaten mit 30 Mrd. Euro haften. Die Privatgläubiger sollen auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten und neue Rückzahlungsbedingungen hinnehmen, die die Abschläge auf ihre Investitionen auf bis zu 74 Prozent erhöhen.

 

(APA)

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