EU-Parlamentspräsident versteht Proteste der Griechen

28.02.2012 | 20:54 |   (DiePresse.com)

In einer Rede vor dem griechischen Parlament äußert Martin Schulz Verständnis für die Menschen, die jetzt auf die Straße gehen.

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Der Präsident des Europaparlaments, der Deutsche Martin Schulz (SPD), äußert Verständnis für die Proteste der Griechen über den ihnen auferlegten strikten Sparkurs. Er könne die Menschen verstehen, die jetzt auf die Straße gingen, sagte Schulz am Dienstagabend laut vorab veröffentlichtem Manuskript in einer Rede vor dem griechischen Parlament in Athen. Unter ihnen seien Menschen, die hart arbeiteten, Rentner, denen eine Kürzung nach der anderen zugemutet werde und junge Leute, die sich um ihre Zukunft betrogen fühlten.

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"Griechenland steckt in einer tiefen Rezession, die Menschen brauchen endlich wieder Hoffnung", sagte Schulz laut Redetext. Die Diskussion in der EU konzentriere sich allzu sehr auf Sanktionen und Sparpakete. Dadurch könne das Wirtschaftswachstum erdrosselt werden. Griechenland habe bereits einen hohen Preis bezahlt. Jetzt werde die Sparschraube aber immer enger gedreht, was die Lage noch verschlechtere. "Europa ist keine Spargemeinschaft - Europa ist eine Solidargemeinschaft", betonte der deutsche Sozialdemokrat.

Griechen brauchen "wieder eine Perspektive"

Griechenland benötige dringend Wachstumsinitiativen, die den Wirtschaftsaufschwung ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen können, forderte Schulz. Die Menschen in dem Land brauchten "endlich wieder eine Perspektive". Dazu müssten die vorhandenen Mittel im europäischen Kohäsionsfonds effizienter eingesetzt werden.

Im Straßenbau könnten auf diese Weise Jobs geschaffen werden, schlug Schulz vor. Kleinen und mittleren Unternehmen müsse der Zugang zu EU-Mitteln erleichtert werden. Der Aufbau einer funktionierenden Verwaltung müsse beschleunigt werden. Dafür stünden bereits EU-Gelder bereit, sie müssten nur richtig eingesetzt werden.

Schulz für Verbleib in Euro-Zone

Schulz warnte vor einem Scheitern des Euro. Damit würde die EU "dramatisch an wirtschaftlichem und politischem Gewicht" verlieren. Im interkontinentalen ökonomischen Wettbewerb könne sie nur als starke Weltregion überleben. Als "zerstrittener Kontinent" werde die EU in "Bedeutungslosigkeit abgleiten". Griechenland müsse in der Euro-Zone bleiben, sagte der Präsident des Europaparlaments. Das sei in seinem eigenen Interesse und auch im Interesse der EU. "Wir sitzen alle im selben Boot - nur gemeinsam können wir diesen Sturm meistern."

(APA)

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2 Kommentare
Gast: Hellas
29.02.2012 22:40
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Meinung über die momentane wirtschaft Griechenlands

Das was er sagt stimmt: Geld gab es schon immer von der EU, es wurde nur nicht meistens richtig eingesetzt. Der Straßenbau, den Schultz für eine anschaffung von neuen Arbeitsplätzen anführt (da momentan viele Autobahnen sich im Bau befinden und viele griechische nationalstraßen ausgebaut werden) ist nur eine von den vielen Branchen von denen Griechenland profitieren könnte damit die Menschen besser leben könnten. Branchen die sich enorm in diesem Land entwickeln können mit vielen einnahmen und Arbeitsplätzen sind die Energieversorgung (windkraft,solarenergie eignen sich hervorragend dort), die Landwirtschaft (Griechenland war ohnehin schon bis zum 20.Jahrhundert ein landwirtschaftliches Land) von deren Produkte ins Ausland exportiert werden könnten, die Dienstleistungen ( jedoch verbesserte den die gibt es ja schon, da viele dort beschäftigt sind), ausbau des Tourismus. Die einzigen dinge die zurzeit dort relativ gut laufen sind der Handel mittels der Schiffahrt und der Tourismus doch auch die Landwirtschaft die in letzter Zeit wieder allmächlich etwas in die Gänge kommt.
Und noch etwas: viele beschweren sich wieso nicht so hart am Militär und der Polizei gespart wird. Nun ja die Streitkräfte griechenlands müssen immer auf bestem stande sein denn das Land liegt ja in einer von großen bedeutung geografischen lage (ausserdem gibts es noch den griechisch-türkischen konflikt). Die Polizei braucht man jetzt mehr denn je wegen der vielen Proteste und der ansteigenden Kriminalität.

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Rezepte der Sozis ...

Griechenland benötigt eine Stärkung derjenigen Teile seiner Wirtschaft, die a) eigene Produkte anstelle der importierten setzt und derart die Handelsbilanz verbessert, also die für Einkünfte der heimischen Volkswirtschaft sorgt und benötigt b) möglichst auch noch mehr Produktion von Waren (oder Dienstleistungen) die ins Ausland verkauft werden können.
Hn.Schultz fällt es aber nur ein, Straßen zu bauen mit fremden Geldern wobei nur vorübergehend "künstlich" Arbeit geschaffen wird.
Dazu fallen mir die Spanischen Immobilien (inzwischen als Schrottimmobilien auf den Markt) ein, die als ähnliches Strohfeuer, als "Blase" sinnlos Gelder verschlungen haben und nun für "n´Appel und n`Ei" verscherbelt werden.

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